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[Zukunftsrauschen] #1 - Gesellschaftliches Engagement

Revue
 
Hallo,danke, dass du dir in den letzten Tagen die Zeit genommen und dich für diesen Newsletter-Brief
 

Zukunftsrauschen

January 8 · Issue #1 · View online
Zweiwöchentliche E-Mail-Post rund um die Zukunft, Nachhaltigkeit und den Versuch, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Mit kurzen Gedanken, Fundstücken und (hoffentlich) einem längeren Artikel pro Monat.

Hallo,
danke, dass du dir in den letzten Tagen die Zeit genommen und dich für diesen Newsletter-Brief angemeldet hast. Ich werde mir Mühe geben, deine Lesezeit sinnvoll zu füllen :-)
Eigentlich wollte ich in dieser ersten Ausgabe des Zukunftsrauschen über Wohnen in der Zukunft und Stadtentwicklung schreiben, aber dann kamen mir der Text von Alexander Dobrindt und das Interview im ZDF von Marietta Slomka dazwischen und plötzlich juckte es mir in den Fingern, einen politischen Text zu schreiben. Einen Text über das Wie? und Warum? von sozial-gesellschaftlichem Engagement. Das ist etwas, was ich in den letzten Jahren fast nie getan habe und in Zukunft viel mehr tun werde - zu den Gründen weiter unten.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und freue mich auf deine Gedanken zum Thema (einfach auf “Antworten” klicken),
Svenja
P.S.: Falls du Probleme hast, die eingebetteten Links in deinem Mailprogramm zu sehen, kannst du die Ausgabe hier online lesen: #1 - Gesellschaftliches Engagement

Inhalt:
1. Was war genau passiert? Alexander Dobrindt und die Revolution.
2. Warum sollte uns das interessieren?
3. Und was können wir dann tun? Meine 10-Punkte-Liste für mehr Engagement.
4. Was bedeutet Einmischung für dich?
Was war genau passiert? Alexander Dobrindt und die Revolution.
Anfang der ersten Januarwoche hat Alexander Dobrindt (CSU) einen Gastkommentar mit dem Titel „Wir brauchen eine bürgerlich-konservative Wende“ auf der Seite der WELT veröffentlicht, in dem er deklamiert, dass Deutschland nicht der Prenzlauer Berg sei, sondern die bürgerliche Mitte - Menschen, die sich von der (linken Minderheiten-) Politik nicht mehr abgeholt fühlten und sich daher radikaler(en) Parteien zuwenden würden.
Ich möchte den Text gar nicht genauer analysieren, sondern verweise lieber auf die etwas überspitzten, aber sehr lesenswerten Gedanken von Robin Detje bei ZeitOnline:
“Nun kommt der Spitzenpolitiker aus dem Volke und führt die unterdrückte bürgerliche Mehrheit aus ihren bürgerlichen Reihenhäusern und bürgerlichen Fabriken in eine lichtere Zukunft, in die er "wieder alle Menschen in unserem Land mitnehmen” möchte.“
Ergänzend dazu kann ich das knapp 7minütige Interview von Marietta Slomka mit dem CSUler für das heutejournal empfehlen:
ZDF heute journal
„Was wir heute hier beschließen, steht ab Sonntag schon auf den Sondierungspapieren.“ #CSU-Landesgruppenchef Alexander #Dobrindt https://t.co/2ykN2RAau4
10:02 PM - 4 Jan 2018
Warum sollte uns das interessieren?
Svenja, regst du dich jetzt nicht ein bisschen zu sehr über das Gerede eines einzelnen Politikers auf? Gerne würde ich das mit “ja” beantworten, aber dem ist leider nicht so. Nicht nur, dass die CSU (fast schon traditionell) mit sehr konservativen Positionen im Wahlprogramm hantiert, hier finden auch noch zwei, drei andere Dinge statt, die uns aufhorchen lassen sollten:
1. Ein offizieller Volksvertreter ruft zu einer Revolution auf. Revolution - ich schau das mal schnell bei Wikipedia nach - “Eine Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt.” Es ist zwar nicht klar, was Dobrindt unter einer “konservativen Revolution” meint, aber es ist doch erstaunlich, mit welchen Worten hier auf einmal in den Massenmedien hantiert wird.
2. Um noch kurz bei der Revolution zu bleiben: Was schnell aus den Augen gerät, ist die Tatsache, dass die CSU - also die Partei, in der Dobrindt aktiv ist und übrigens laut Wikipedia die drittgrößte Partei nach Mitgliederzahlen in Deutschland, diese CSU also ist während der letzten Legislaturperiode (2013-2017) nicht nur in Bayern (absolute Mehrheit), sondern auch auf Bundesebene (im Verbund mit der CDU) an der Regierung beteiligt gewesen. Sie hätten folglich sehr viele Punkte ihrer Revolution bereits in der Politik/Gesetzgebung einbringen können!
Übrigens: Wer selber das System ist, sollte nicht zur Revolution (Abschaffung des Systems) aufrufen, oder? Was uns zum nächsten Gedanken bringt…
3. Die Rhetorik, die Dobrindt ansonsten bemüht, sieht die bürgerlich-konservativen Menschen stattdessen in einer Opferrolle. Die Geflüchteten, die Globalisierung, der Klimawandel - das alles passiert mit diesen Menschen, ohne dass sie selbst Schuld daran haben. Sie inszenieren sich (un)bewusst als abgehängt von der schnelllebigen Entwicklung und müssen jetzt von uns abgeholt werden.
4. Lange Zeit habe ich gedacht, dass wir diesen Menschen einfach mehr zuhören müssten. Ihre Lage besser verstehen. Ihre Sorgen und Ängste besser in der Gesellschaft und Gesetzgebung berücksichtigen. An das Gute in ihnen appelieren. Doch damit macht man es sich zu einfach: Menschen, die rassistische Kommentare im Netz posten, Menschen, die in der Öffentlichkeit PoC (People of Colour) angreifen, Menschen, die sich angeekelt abwenden, wenn LGBTQ (Lesben-Schwule-Bi-Trans-Queer) in der Öffentlichkeit für gleiche Rechte eintreten - diese Menschen sind nicht nur Opfer.
Leider - und das bestätigt sich für mich immer mehr - ist Zuhören und Verstehen nicht der eine Weg der Lösung, denn wir öffnen damit einen Raum in der Diskussion, der von Rechten schamlos ausgenutzt wird. Während sie sich auf die Meinungsfreiheit berufen, um ihre Parolen salonfähig zu machen, ist es nicht in ihrem Interesse, die selbe Meinungsfreiheit allen anderen Gruppen zuzugestehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Zusammenstoß rechter Verlage und Demonstrant_innen auf der Buchmesse im Herbst 2017:
Frankfurter Buchmesse: Die Auseinandersetzung mit den Rechten - SPIEGEL ONLINE
Und können wir dann tun? Meine 10-Punkte-Liste für mehr gesellschaftliches Engagement.
Wenn aber zuhören nicht hilft und die “andere Seite” öffentlich zu einer Revolution aufruft, was sollen wir dann tun? Können wir überhaupt als Einzelpersonen etwas verändern? Wie können wir uns dem veränderten Klima in Deutschland entgegenstellen und den öffentlichen Diskurs mitgestalten?
Mario Sixtus 馬六 🇪🇺🇭🇰
Auf Facebook sagte gerade jemand, man solle die Rechten nicht bekämpfen, das mache sie nur stärker, weil es ihnen Aufmerksamkeit bringe. Man solle ihnen mit Liebe begegnen. Sorry, aber das ist für mich privilegiert-weltfremdes Gequatsche! (Thread)
11:02 PM - 6 Jan 2018
1. Für mich am wichtigsten: Eingreifen und Widerrede leisten. In privaten Unterhaltungen werde ich jetzt schneller hellhörig bei rassistischen/ausländer- und minderheitenfeindlichen Gedanken und weise auch gezielter darauf hin. Manchmal führt das zu unangenehmen Situationen, aber ich möchte nicht zur schweigenden Mehrheit gehören.
2. Ergänzend dazu: Argumente gegen die gängigen Vorurteile parat haben. Eine gute Übersicht zu Geflüchteten/Migrant_innen gibts bei ProAsyl.
3. Nicht ganz so einfach: Kritisch darüber nachdenken, welche eigenen Vorurteile man hat bzw. hatte und ob/wann diese die eigenen Handlungen beeinflussen. Zum Beispiel gegenüber Obdachlosen, Frauen mit Kopftüchern, Familien mit vielen Kindern, Menschen mit Migrationshintergrund, Geflüchteten mit Smartphones usw. Dazu gehört übrigens auch Sprache wie die Verwendung des N-Wortes oder anderer Begriffe, die heute nicht mehr zum Sprachgebrauch gehören sollten!
4. Passend dazu: Mit Menschen ins Gespräch kommen, die anders als man selber leben und vor allem ihren Geschichten zuhören. Literatur von Menschen aus Minderheitengruppen lesen (so genannte Own Voices - Literatur). Die eigene Blase, in der wir uns tagtäglich bewegen, bemerken und verstehen, dass Alltag, Wünsche, Träume und Hindernisse im Leben ganz unterschiedlich für jede_n aussehen können - und manchmal ähnlicher sind, als du vielleicht erwartest. Ich las zuletzt eine Langzeitreportage der Zeit über eine syrische Familie: “Angekommen”.
5. Statt Rechten lieber diesen Menschen eine Stimme in der Öffentlichkeit geben, ihnen bzw. ihren Anliegen zu Aufmerksamkeit verhelfen und sie unterstützen, z.B. durch ehrenamtliches Engagement. Wir sprechen viel zu häufig über bestimmte Bevölkerungsgruppen ohne sie als Betroffene überhaupt selber zu Wort kommen zu lassen!
6. Organisationen (finanziell) unterstützen, die sich für demokratische Vielfalt und Teilhabe einsetzen, z.B. Kleiner Fünf oder Verlage gegen Rechts.
7. Rechte Argumentation besser verstehen, z.B. mit der Broschüre “Naturschutz gegen Rechtsextremismus” oder dem lesenswerten Buch “Gegen den Hass” von Carolin Emcke. Wer mehr über erlebten Rassismus lesen möchte, schaut z.B. auf Elifs Blog vorbei.
8. Mitglied in einer Partei, einem Verein oder einer Organisation werden, die sich für die Themen einsetzen, die dir wichtig sind. Ich denke z.B. über eine Mitgliedschaft bei den Grünen nach. Spannend finde ich auch die Idee des Refugee Buddy Networks.
9. Lernen, dass Diversität keine Bedrohung, sondern eine Chance für unsere Gesellschaft und Zukunft ist, z.B. in der Arbeitswelt. Kritisch nachfragen, wenn etwa wenig (keine) Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund etc. zu Diskussionen eingeladen oder bei Veranstaltungen anwesend sind.
10. An einer (oder vielen) Demonstrationen teilnehmen, die fortlaufend stattfinden. Bestimmt auch in deiner Stadt.
Weitere tolle Ideen (und Projekte) liefert die Internetseite des Aktionsbündnis “Was machen”, das sich im Vorfeld der Bundestagswahl formiert hatte und sich mit gesellschaftlichem Engagement beschäftigt.
Zum Abschluss: Was bedeutet Einmischung für dich?
Was bedeutet Einmischung für Dich, Kübra Gümüsay? - YouTube
Zum Abschluss möchte ich dich noch auf das kurze Video (unter 1min) der Heinrich Böll Stiftung hinweisen, in dem Kübra Gümüşay erklärt, was Einmischung für sie bedeutet.
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