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Was mit Medien #467 - Raus aus der Glaubwürdikeitskrise

Revue
 
Klassenfahrt! Ihr konntet euch bewerben, um mit uns zu den Tutzinger Radiotagen zu fahren. Die Auswah
 

Was mit Medien

September 16 · Issue #5 · View online
Das Medienmagazin auf Deutschlandfunk Nova. Frisch im Radio jeden Donnerstag um 20:03 Uhr - danach als Podcast. Mit @Fiene und @HerrPaehler und manchmal @Horn.

Klassenfahrt! Ihr konntet euch bewerben, um mit uns zu den Tutzinger Radiotagen zu fahren. Die Auswahl des Teams war nicht leicht. Heute bin ich beeindruckt, was die Truppe die letzten Tage gerockt hat. Die sechs jungen Journalisten haben sich erst Samstag kennengelernt und in den letzten Tagen ein tolles Blog und eine tolle Radiosendung gestemmt — die Botschaften sind nicht nur für Radiomenschen interessant. Denn, so nachdenklich habe ich die Journalisten auf den Radiotagen noch nie erlebt. Seit einem Jahr wird die mediale Glaubwürdigkeitskrise durch die Flüchtlingsdebatte befeuert. In einem Jahr findet die Bundestagswahl statt. Wie können Journalisten da ihren Job besser machen? Antworten, gibt es in diesem Newsletter. Euer @Fiene.

#467: Raus aus der Glaubwürdigkeitskrise
Sendung #467 vom 15. September 2016 bei DRadioWissen.
Das Crossmedia-Team der Tutzinger Radiotage
Von links nach rechts: Eileen Amberg, Daniel Krause, Niels Bula, Marcel Sommer, Oskar Vitlif, Dennis Horn, Daniel Fiene, Martin Heller und Sarah Kunst.
Die erste Meinung ...
... kommt heute von Dennis Horn
“Wenn es bei Radio und Fernsehen um Online und Social-Media geht, dann wollen alle immer ‘Mehrwert’, 'Mehrwert’, 'Mehrwert’. Dabei ist das einer dieser Begriffe, mit denen wir uns in die Tasche lügen. Mehrwert führt dazu, dass Online zur Resterampe wird. 
Folgendes passiert immer wieder. Ich gehe als Reporter zu einem Termin, notiere die wichtigen Dinge und mache meine Aufnahmen und erinnere mich dann daran, dass mein Chefredakteur noch 'was mit Mehrwert’ will. Also stelle ich ein paar Fragen mehr, mache ein paar Fotos mit meinem Handy und fahre dann in die Redaktion und baue dort zuerst mein Stück für das Programm und dann kümmere ich mich um die Webseite. Wofür aber kaum Zeit bleibt. Also kippe ich alles, was ich habe, ins Netz. Den Text zum Beitrag, die Rohversion der Interviews, eine kleine Bilderstrecke. 
Die wichtigste Frage ist doch: Was erwarten unsere Nutzer in einem bestimmten Kanal von uns? Was erwarten sie, wenn sie unser lineares Programm einschalten? Was erwarten sie, wenn sie unsere Webseite besuchen? Was erwarten sie, wenn sie unserer Facebook-Seite ein 'gefällt mir’ spendieren? Wir sollten Antworten auf diese Fragen suchen, statt ständig von 'Mehrwert’ zu sprechen.”
Lest auch den Text von Dennis: Mehrwert hat keinen Mehrwert!

Was mit skeptischen Mediennutzern
Wahlforscher Richard Hilmer mit einem Realitätscheck für Medienmacher:
“Diejenigen, die sich als rechts begreifen, sind Medien gegenüber besonders skeptisch”, zeigt die Wahlforschung von Richard Hilmer. “Dass die höhere Wahlforschung in Mecklenburg-Vorpommern auch ein Gewinn für Rechtspopulisten bedeutet, hat uns nicht überrascht.”
“Neue Protestparteien leben vor allem von der Aufgeregtheit der Männer.” 
“Die Unionswähler sind im Vergleich von Zuversicht und Skepsis die zuversichtlichsten aller Wähler.”
Vom Crossmedia-Team:
» Politikforscher Hilmer: AfD lebt „von der Aufgeregtheit der Männer“
Was mit Anti-Hasskommentar-Maßnahmen
Medienwissenschaftlerin Caja Thimm von der Uni Bonn mit Strategien gegen Hass:
“Es gibt eine Art Kokon in den sozialen Netzwerken. Flüchtlingskritische Posts werden positiv kommentiert und das enthemmt die Nutzer. Wie kommt es denn, dass jemand wirklich ein Facebook-Post mit der Überschrift ‘Ich bin Rassistin und bekenne mich dazu’ mit einem Mashup eines extrem rassistischem Ausschwitz-Fotos unter Klarnamen veröffentlicht? Das scheint für den Nutzer unproblematisch zu sein. Diese Leute fühlen sich aufgehoben. Sie haben nicht das Gefühl, dass sie öffentlich sanktioniert werden. Im Gegenteil: Sie werden für ihren Mut bewundert.”
“Die Rolle von Journalisten wandelt sich. Sind sie wirklich zuständig jeden wirren Kommentar oder jeden Irrläufer oder politisch kritischen Kommentar zu beantworten? Kann das die Aufgabe von Online-Journalisten sein? Da habe ich viele Fragezeichen.” 
Vom Crossmedia-Team:
» Wie sollten Journalisten mit Hasskommentaren umgehen? – Caja Thimm im Interview
„Je rassistischer, desto mehr Reaktionen“ – Caja Thimm über Flüchtlingsdiskurse in Sozialen Netzwerken
» 8 Tipps zur Interaktion mit problematischen Nutzern
Was mit Ine Dippmann
Ine Dippmann, politische Korrespondentin für MDR Info im Freistaat Sachsen.
“Mir ist noch kein anderer Weg eingefallen, als auf irrationale Ängste mit Rationalität zu antworten.”
Vom Crossmedia-Team:
» Lotsen oder Getriebene? Journalisten in der Glaubwürdigkeitskrise – die Podiumsdiskussion im Liveblog
Was mit Meinungsfreiheit für Moderatoren
Journalistikprofessor Axel Buchholz: Dürfen Moderatoren Meinung zeigen äußern?
“Der Moderator ist nur eine Rolle des Journalismus. Wenn ich meine Meinung sagen möchte, dann tue ich das natürlich im Kommentar, der Darstellungsform, die dafür da ist. Ich glaube, dass die Vermischung der Darstellungsformen auch dazu beiträgt, dass Journalismus von manchen als unglaubwürdig angesehen wird.”
In einem Jahr ist schon Bundestagswahl - Niels Bula hat Formatideen dokumentiert:
» 6 Formatideen für die Bundestagswahl
Was mit Fehlerkultur
Tipps von Christoph Ebner, Leiter des SWR-Studios in Freiburg:
“Mich umgibt umstark der Vorwurf, dass wir nicht frei entscheiden können und dass wir Systemmedien sind. Es hilft sich zu überlegen, wie wir transparent vorgehen. Wir sollten mit unseren Hören, Zuschauern und Usern in Kontakt treten. In den Redaktionen sollten wir deutlich machen, wie wir über die Wahl berichten.” 
“Wir sind nicht stark im Zugeben von Fehlern. Die Veränderung der Kommunikation in der Gesellschaft führt dazu, dass wir klar machen müssen, was schief läuft. Sonst wird uns direkt vorgeworfen, dass wir Dinge verheimlichen, weglassen oder über etwas falsch berichtet haben. Wenn ein Fehler passiert, müssen wir dazu stehen und ihn korrigieren.”
Vom Crossmedia-Team:
» Wie kann Radio glaubwürdiger werden? – 7 Tipps für Journalisten
Radiomacher machen sich Gedanken über crossmediale Formate
» Scrollytelling: „Pageflow-Produzenten müssen Multitalente sein“
Was mit Snapchat-Journalismus
Richard Gutjahr mit einer Botschaft an Snapchat-Skeptiker:
“Zum Obama-Besuch habe ich mir auch die 20-Uhr-Tagesschau und die Tagesthemen mit dem Hintergrundbericht angeschaut. Ich fühlte mich durch Snapchat besser informiert. Die akkreditierten Journalisten vor Ort waren so eingesperrt und konnten nur an der Leine berichten. Die Snapchat-Journalisten haben auch den inoffiziellen Teil abgedeckt und konnten aus den Blickwinkeln aller Nutzer berichten — selbst von der snappenden Wurstverkäuferin, als Obama sich ein Wienerwürstchen kaufte. Ich finde alle naiv, die sagen: Auf Snapchat ist kein Journalismus möglich.”  
» Mit diesen 5 Tricks werdet ihr zum Snapchat-Star!
» Journalismus bei Snapchat? – Richard Gutjahr im Interview
Was mit Virtual Reality
Webvideo-Experte Martin Heller (intoVR) ordnet die neuen Videoformen ein.
“Erkenntnis des Tages: Radiomenschen stehen unglaublich früh auf, springen in Seen, können um acht schon viel reden”, sagt der Videomann als Gast auf der Radiotagung.
Über Virtual-Reality-Produktionen: “Die Kamera ist der Kopf unseres Users. Entsprechend vorsichtig müssen wir damit umgehen.”
Warum Radiosender 360-Grad-Videos, Livestreams und Virtual Reality nicht komplett ignorieren können: “Wir werden irrelevant, wenn wir nur auf einen Medienkanal setzen”
Warum monothematische Videos wichtig sind: “Nachrichten in 100 Sekunden als Video auf der Website sind Unsinn. Die Website ist ja schon die Nachrichtenübersicht.”
Was auf Facebook-Seiten von Medien wirklich gefragt ist: “Emotionaler Content läuft besser als ‘Einerseits-Andererseits-Content’.”
Vom Crossmedia-Team:
» Neue Instrumente im Radio: Livestream und Virtual Reality
» 360-Grad-Video für Radiomacher – Martin Heller im Interview
Die Sendung nachhören:
DRadioWissen-Hörer als Nachwuchsjournalisten · DRadio Wissen
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