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Was mit Medien #465: Heute schalten wir UKW ab

Revue
 
Ich melde mich ab. In den Sommerurlaub. Kollege Dennis Horn übernimmt, während ich mit Kind, Camper u
 

Was mit Medien

September 2 · Issue #3 · View online
Das Medienmagazin auf Deutschlandfunk Nova. Frisch im Radio jeden Donnerstag um 20:03 Uhr - danach als Podcast. Mit @Fiene und @HerrPaehler und manchmal @Horn.

Ich melde mich ab. In den Sommerurlaub. Kollege Dennis Horn übernimmt, während ich mit Kind, Camper und Kegel in Norwegen unterwegs bin. Ein letztes Mal kann ich dort noch mein Autoradio gebrauchen. Ab 2017 ist dort Schluss mit UKW. Für die Skandinavier ist das digitaler Fortschritt. Für deutsche Touristen mit ein Zwangs-Medien-Detox. Wie schön. Hochachtungsvoll und eine mediale Zeit, Euer Herr Pähler. 

#465: Heute schalten wir UKW ab
Sendung #465 vom 01. September 2016
Die erste Meinung ...
... kommt heute von Kai Gniffke:
Der Chef von ARD-aktuell hat dem Branchendienst MEEDIA im Interview gesagt: “Ich sehe in sozialen Medien keine Bedrohung für Qualitätsjournalismus. Sie helfen uns dabei, Informationen zu gewinnen und sie dann den Nutzerinnen und Nutzern - nach einer sorgfältigen Prüfung - plattformgerecht zur Verfügung zu stellen.”
Die zweite Meinung kommt heute von Dennis Horn: “Und wie soziale Medien eine Bedrohung sind. Deshalb nämlich, weil einem Teil der Nutzer das Verständnis dafür fehlt, dass Medien mit ihren Informationen oft erst später um die Ecke kommen, nämlich nach ebendieser sorgfältigen Prüfung. Statt solche Bedenken einfach wegzuwischen und zu behaupten, soziale Medien seien per se keine Bedrohung, wäre es besser, dass wir als Medienmacher noch öfter erklären, wie wir eigentlich arbeiten - und dieses Handwerk auch unserem Publikum beizubringen, damit es auch im Netz und in den sozialen Medien weiß, welche Accounts journalistisch sauber arbeiten und welche nicht.”
Was mit Digitalradio
Maik Elster (SWR) hat die letzten 5 Jahre für das Digitalradio kommuniziert
“Während das Fernsehen mit der Linearität durch Streamingdienste vor einer Herausforderung steht, hat das Radio das Problem nicht. Live ist bei der Radionutzung ein wichtiger Aspekt. Die Hörer schätzen es als Tagesbegleiter — mit digitalem Standard entspricht das heute auch dem, was ich von einem Medium erwarte.” 
Am Montag war ARD Digitalradiotag. Viele DRadioWissen-Hörer haben uns mit viel gutem Feedback, aber auch mit Fragen überrascht. Maik Elster haben wir als Digitalradio-Fragenbeantworter eingeladen und jede Frage beantwortet. Hier ist unser Protokoll:
F: Warum gibt es keinen DAB-Empfänger, den ich in den Aux-In-Eingang meines Dampfradios stöpseln kann? A: Es gibt Digitalradio-Adapter, sehen aus wie Mini-Wetter-Station, haben Aux-Ausgang und kosten rund 40 Euro.
F: Gibt es noch Geräte im Verkauf mit einem falschen technischen Standard? A: Das gibt es in Deutschland zum Glück nicht mehr. Radios aus Großbritannien haben noch einen alten Standard. Wichtig: DAB+.
F: Wie sieht es aktuell mit der Abdeckung aus? A: Es werden 95% der Deutschen erreicht. Fast 90% der Fläche. Die Programmvielfalt variiert noch von Bundesland zu Bundesland. Die Privatsender zögern oft noch.
F: DAB+ für Autos sind oft teuer und meist nur im Bundle mit Navi verfügbar. Ist das so teuer? A: Bei den meisten Autos in Deutschland muss man die Option “Digitalradio” für rund 190 Euro kaufen. 
F: Die Datenrate von DAB+ erreicht nicht die Bandbreite des Audiosignals von UKW — stimmt das? A: Selbst bei einer X-Tausend-Euro-Highend-Anlage kann sich Elster nicht vorstellen, dass es wesentlich anders klingt, weil die Signalaufbereitung die gleiche sein wird. Wenn der Nutzer einen qualitativen Vorteil haben will, empfiehlt Elster DVBS. Das ist das Satelliten-Signal in der Qualität des Studioausgangs. 
F: DAB+ ist keine Alternative zum Zivilschutz — stimmt das? A: Es gibt erfolgreiche Tests, wie in Bayern. Im Krisenfall kann Digitalradio die Bevölkerung informieren. Im Ernstfall kann ein ausgeschaltetes Radio eingeschaltet werden. 
F: Welche Geräteneuheiten gibt es auf der IFA? A: Es gibt Geräte die alle Standards integriert haben — zum Beispiel auch CDs. Das stillt das Bedürfnis von Klassikmusikhörer. Auch Multiroomsysteme sind Thema.
F: Bei DVB-T kommt DVB-T2 und die alten Geräte werden überflüssig. Kann das DAB+ auch passieren? A: Nein. Das ist jetzt ein weltweiter Standard.
F: Bundesmux? Landesmux? Multimux? Was ist das? A: Der bundesweite DABplus-Multiplex (=Bundesmux) überträgt die bundesweiten Programme. Jedes Bundesland hat regionale Programme, die über den Landesmux übertragen werden.
F: Wo bleibt das Lokalradio? A: Technisch sind die möglich. In Bayern gibt es Metropolmuxe. 
F:  Wann wird UKW in Deutschland abgeschaltet? A: Es gibt noch kein Abschaltdatum. Aber es ist klar, dass es den Parallelbetrieb von UKW und Digitalradio nicht bis in alle Ewigkeiten geben wird.
Was mit IFA
Dennis Horn hat alle Buzzwords mitgebracht, die wir zur IFA wissen müssen
Heute beginnt die 56. Internationale Funkausstellung in Berlin. 
Hier ist unsere Buzzword-Vorhersage:
Randlos: Die TV-Hersteller buhlen nicht nur um den flachsten und schärfsten Fernseher, sondern konzentrieren sich in diesem Jahr auf das Display mit möglichst wenig Rand. 
Nanopartikel: Die gibt es zum Beispiel bei Samsung. Die Pixel werden immer kleiner. Dadurch gibt es mehr Farben und einen stärkeren Kontrast. Das Display ist heller. Der erste Eindruck: Du schaust auf ein Blattpapier.
DVB-T2: Das ist der neue Standard für das Antennenfernsehen. Die Öffentlich-Rechtlichen stellen ihr Angebot auf der IFA vor. Am 29. März 2017 ist Start des HD-Regelbetriebs. Die HD-Programme der Privatsender gibt es nur verschlüsselt. 
Augmented-Reality: Microsoft hat seinen Stand verfünffacht (hat sich aber von der CeBIT zurückgezogen) und zeigt ausgewählten Gästen seine Hololens, eine Datenbrille. Lenovo zeigt ein Smartphone, welches die Raumvermesseungstechnik Tango von Google eingebaut hat. Ich filme einen Raum und kann Möbel reinprojizieren. Das funktioniert. Das hat auch Reiz für den Journalismus.
Relevanz der IFA: “Viele in Deutschland haben von der IFA noch ein verstaubtes Bild und schauen auf den Mobile-World-Congress oder auf die CeBit, die inzwischen ja schon völlig verloren hat. Für das Ausland und die internationalen Konzerne ist die IFA mit die wichtigste Messe. Das bekommen viele in Deutschland nur nicht mit”, sagt Dennis Horn.
In diesem Jahr ist die Messe ausgebucht, ein Teil findet auf dem re:publica-Gelände in der Station statt. “Es trumpfen alle auf der Messe auf, es gibt einen Kampf um Aufmerksamkeit. Ab dem kommenden Mittwoch spricht aber keiner mehr drüber, wenn Apple dann sein iPhone präsentiert. Das hat der Konzern geschickt gemacht”, sagt Horn.
Was mit Social-Reporter der Olympia-Mannschaft
Vassili Golod war der erste Social-Live-Reporter für die Olympia-Mannschaft
Der Journalist Vassili Golod ist gerade aus Rio zurück. Im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbunds war er Facebook-Live-Reporter für die Olympia-Mannschaft. Alleine auf Facebook gab es täglich zwei Stunden-Programm von der Olympiamannschaft - insgesamt mit einer Reichweite von 15 Millionen Kontakten. Vassili schätzte die Nähe zu den Sportlern und dass er die Fragen der Fans weiterleiten konnte: “Ich war der verlängerte Selfie-Stick der Menschen, die nicht dabei sein konnten.”
War das Journalismus? Oder PR? “Ich habe es als Journalismus gesehen. Ich habe mich sehr gut vorbereitet und in die Sportarten eingearbeitet. Ich habe die Fragen gestellt, die ich für richtig gehalten habe.” Waren Fragen ausgeklammert? “Natürlich kamen auch Fragen wie: Wie sind die Bedingungen im olympischen Dorf? Was sagt ihr zur Situation in Rio? Wie steht ihr zu den Dopinggeschichten? Das wurde von den Fans gefragt. Ich habe die Fragen den Sportlern gestellt. Die haben geantwortet.”
Einen größeren Blick hinter die Kulissen des Social-Reporters gibt es bei uns im Podcast.
Tipp: Höre "Was mit Medien" auch als Podcast — zum Beispiel über iTunes.
Die Sendung nachhören:
Audios: Der Digitalradio-Fragenbeantworter · DRadio Wissen
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Eine Stunde was mit Medien · DRadio Wissen
P.S.: Woche 3 von unserem Newsletter. Heute war der Text etwas ausführlicher. Ist das so gut? Oder lieber kürzer? Wir freuen uns auf eine kurze Antwort :-)
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