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Was macht gute Newsletter aus? 📧

Revue
 
 

Was mit Medien

6. Oktober · Ausgabe #20 · Im Browser ansehen
Podcast + Community + Events. Das Programm fĂĽr deine Journey durch den Medienwandel. Mit @Fiene, @HerrPaehler & @Horn.

Liebe Podcast-Freunde,
in einem Newsletter über eine Podcast-Ausgabe informieren, in der es um Newsletter geht. Das ist ziemlich Meta. Aber das gehört bei einem Medienmagazin dazu.
Newsletter waren nie weg, erleben aber gerade mit Blick durch die redaktionelle Brille eine Renaissance. Während viele Medien die letzten Jahre Newsletter hauptsächlich als Linkschleuder eingesetzt haben, hat der Newsletter als journalistische Gattung Hochkonjunktur.
In Deutschland noch vereinzelt, in den USA stärker verbreitet, gibt es einen unübersehbaren Trend: Journalist*innen verlassen ihre eigenen Häuser und machen sich mit ihrem Newsletter selbständig. Heute Nacht erschien die erste Ausgabe des ehemaligen The-Verge-Mitarbeiters Casey Newton, der seinen Social-Media-Newsletter The Intercept aufgibt und jetzt selbstständig den Newsletter Platformer herausgibt. Die 20.000 Leser*innen darf er mitnehmen. Wieviele wohl bezahlen werden?
Aber auch viele Publisher entdecken derzeit den Newsletter als Kanal, um neue Zielgruppen zu erschlieĂźen und der Leserschaft Pop-up-Medien zu bieten. Ă–ffentlich-rechtliche Angebote hinken bei diesem Thema (noch?) hinterher.

Michaël Jarjour, was macht gute Newsletter aus? 📧
Michaël Jarjour (Foto: Mirjam Kluka)
Michaël Jarjour (Foto: Mirjam Kluka)
Unseren kleinen Newsletter verschicken wir seit 2016 über Revue. Das ist ein Start-up aus den Niederlanden, das sich auf den Versand redaktioneller Newsletter konzentriert. Das Team von Revue gibt auch den sehr lesenswerten wöchentlichen Newsletter “This Week in Newsletter” heraus. Wir haben Revue-Mitarbeiter Michaël Jarjour in unseren Podcast eingeladen und ihn gefragt: Was macht gute Newsletter aus?
Das sind unsere fünf Take Aways aus dem Gespräch:
💡Bezahlnewsletter können bis zu 90% Öffnungsrate erreichen. Gute kostenlose redaktionelle Newsletter erreichen 50% Öffnungsrate.
💡"Mir wird zu viel auf die Öffnungsrate und die Größe der Liste geschaut, dabei ist es noch wichtiger, wieviele Leute regelmässig den Newsletter öffnen. Wir nennen sie Engaged Readers“, erklärt Michaël Jarjour. Engagierte Leser*innen haben eine stärkere Bindung und sind auch offener für Werbung oder für Paid-Angebote.
💡Viele Newsletter lassen neue Abonnenten liegen, weil sie keine Anmeldemöglichkeit im Newsletter haben. Oft werden Newsletter aber weitergeleitet und bei den dann erreichten Personen gibt es eine höhere Bereitschaft, den Newsletter zu abonnieren.
💡Redaktionen können gute Newsletter einsetzen, um neue Leser*innen an die eigene Marke zu binden. So bietet Madsack viele lokale Newsletter an und hat auch einen Covid-19-Newsletter gestartet, der direkt auf ein großes Interesse stieß. Mit dieser "Engagement-Maschine” konnten neue Leser*innen für eigene Bezahl-Angebote gewonnen werden. Grundsätzlich funktioniert es gut, wenn Redaktionen einen Pop-up-Newsletter zu einem Thema anbieten, zu dem es in dem Moment eine große Nachfrage gibt und die Leserschaft nach mehr Informationen sucht, beobachtet Jarjour. Ein ähnliches Beispiel liefert die Republik aus der Schweiz. Das Paid-Magazin konnte mit seinem kostenlosen Corona-Newsletter 25.000 Leser*innen erreichen. Viele meldeten sich dann auch für das digitale Magazin an.
💡Newsletter ist ein persönliches Medium. “Wenn ihr Leute für eure Newsletter einstellt, dann holt euch Radio-Leute. Die können besonders gut so schreiben, wie gesprochen wird.” Außerdem versteht Jarjour Newsletter nicht, in denen eine Chefredakteur ein kurzes Vorwort schreibt, sich dann verabschiedet und dann die Inhalte aufgelistet werden. “Das ist doch keine B-Ware. Und es wirkt komisch, wenn man sich mitten im Brief verabschiedet. Leider ist die Praxis weit verbreitet.”
Hier könnt ihr die aktuelle Podcast-Episode direkt hören: Auf wasmitmedien.de, bei Apple Podcasts oder Spotify.
Netzwende-Award: 10.000 Euro fĂĽr eure Projekte đź’¸
Arbeitest du an einem Projekt, dass sich um eine besser informierte digitale Gesellschaft kümmert, eine konstruktivere Debattenkultur im Netz fördert oder eine resiliente Zukunft für Journalist*innen ermöglicht?
Aktuell läuft die Ausschreibung des VOCER Netzwende-Awards. Zusammen mit der Rudolf-Augstein-Stiftung und ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius wird der Preis zum vierten Mal verliehen. Prämiert werden digitale Projekte, Initiativen, Organisationen und Start-ups, denen mit ihren Projekten ein gesellschaftlicher Impact gelingt.
Neben dem Hauptpreis von 10.000 Euro gibt es auch noch einen 1.000-Euro-Preis fĂĽr eine Konzeptskizze, die im Rahmen des Vocer Millennial Labs entstanden ist.
Neugierig? Lust etwas einzureichen? Das geht auf der Homepage des Netzwende-Awards.
Fundstück: Deutsches Wort für Podcast? 🎧
Plant eure Redaktion noch einen Morgen-Podcast? Dann aber schnell auf den Markt damit. Der WDR hat vor ein paar Tagen den “0630 by WDR Aktuell”-Podcast gestartet, gestern hat Radio Eins (vom RBB) sein Format “wach & wichtig” das erste Mal über die Feeds geschickt. Steingart führt seit Monaten die Podcast-Charts an und unser Daniel hat schon 2016 mit dem Aufwacher ein Morgenformat für die Rheinische Post entwickelt, bevor die New York Times mit “The Daily” an den Start ging.
Bei der Gelegenheit ist uns der Tweet eines RBB-Mitarbeiters aufgefallen:
Matthias Gindorf
Wir überlegen gerade in der Redaktion, wie wohl "Podcast" ins Deutsche übersetzt werden könnte? Vorschläge bisher: "Lade-Beitrag" oder "Abruf-Beitrag". Andere Ideen? @Dudenverlag @_gfds_ @VDS_weltweit @FestFlauschig @janboehm
Hier hat das Jahr 2006 angerufen und an alte Diskussionen erinnert: Ein Podcast ist eben kein Audio, das geladen oder abgerufen wird. Ein Podcast ist ein abonnierbares Format. Es ist eine Serie an Audios, die automatisch zur Hörerschaft gelangen. Vielleicht ist es deswegen gar nicht so einfach einen anderen Begriff zu finden. 2020 ist es schon ein Kulturbegriff.
Auf der anderen Seite: Das Bessere ist ja immer Feind des Guten. Wenn jemand eine bessere Bezeichnung hat, dann sind wir sehr neugierig. Denn zumindest den ersten Teil des Wortes nutzt ja heute auch niemand mehr. Was macht dein guter alter iPod?
Für die Community: Der komplette Podcast 📲
Beim Hören der aktuellen Ausgabe merkt ihr es: Bei unserer Retrospektive und Diskussion der Inhalte (inklusive Rant gegen über das Aus von Marieke Reimann bei Zeit Online, nachdem sie als Chefredakteurin Ze.tt (Update: Sorry, wir hatten zunächst Bento geschrieben) abgewickelt hat) fällt die Bezahlschranke. Wie angekündigt, gibt es seit Anfang Oktober die ganzen Folgen nur noch für unsere Supporter.
🌟 Wenn du schon Supporter von “Was mit Medien” bist, kannst du hier die komplette Folge hören und unseren Bonus-Feed abonnieren.
🌟Wenn du noch kein Supporter bist, kannst du Entdecker*in, Visionär*in oder Disruptor*in in unserer Community werden. Schon mit 5 Euro im Monat kannst du unsere Arbeit unterstützen.
Aus der Community 🗣️
Inspiration und was euch und uns gerade beschäftigt:
Konrad Weber aus unserer “Was mit Medien”-Community macht sich nach neun Jahren beim SRF selbstständig, um andere beim digitalen Wachstum zu unterstützen. In seinem Blog beschreibt Konrad, wie er sich während der Corona-Krise selbständig machte. Er bietet auch einen Newsletter zur digitalen Transformation an, den wir euch empfehlen möchten.
Welches Projekt beschäftigt euch gerade? Welcher Link hat euch zuletzt rund um den Medienwandel inspiriert? Wir veröffentlichen an dieser Stelle Notizen aus der Community. Mailt an posthorn@wasmitmedien.de.
Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die neue Podcast-Ausgabe am Freitag: Wir wollen uns mit der Rolle der US- und deutschen Medien im US-Präsidentschaftwahlkampf beschäftigen. Wenn ihr uns Input mit auf dem Weg geben möchtet, schreibt uns gerne.
Mediale GrĂĽĂźe
Dennis, Daniel & Herr Pähler
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