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Jetzt kommt die Generation Alpha

Was mit Medien
Jetzt kommt die Generation Alpha
Von Was mit Medien • Ausgabe #41 • Im Browser ansehen
Liebe Freundinnen und Freunde von Was mit Medien,
herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von unserem Newsletter rund um den Medienwandel. Vor allem auch an die vielen neuen Leser*innen, die sich seit der letzten Ausgabe angemeldet haben. Schön, dass ihr dabei seid.
Zum Mittwochmittag schauen wir uns an, wie der Ukraine-Krieg und die Generation Alpha den Medienwandel beeinflussen. Und es stimmt: Größer könnte der Spagat kaum sein. Aber hey, willkommen im neuen Normal von Medienschaffenden.

Wie tickt die Generation Alpha? 🧭
Podcast-Episode 721
Podcast-Episode 721
Worum es geht: Nach den Boomern, Millennials und der GenZ kommt jetzt die Generation Alpha. Dazu gehören alle, die nach 2010 geboren wurden. Sie wachsen in einer Welt mit Tablets, Sprachassistenten und Künstlicher Intelligenz auf.
Warum ist das interessant: Wenn wir das Wissen über die Generation Alpha und alle erwarteten technischen Veränderungen aus der Trendforschung zusammentragen, entsteht ein detailliertes Bild, wie der Alltag der Generation Alpha im Jahr 2035 aussehen kann. Den beschreiben die Innovationsmanagerinnen Lisa Zauner und Vanessa Beule in ihrem Zukunfts-Report vom WDR Innovation Hub. Hier geht es zum Report (PDF).
Was bedeutet das für Medien? Wie sieht in Zukunft die Arbeit der Redaktionen aus? Was können wir heute schon tun, um uns auf diese mögliche Zukunft vorzubereiten? Unser Gespräch mit Lisa und Vanessa hört ihr in der aktuellen Podcast-Folge 721.
Diese 5 Learnings möchten wir mit euch teilen:
1️⃣ Die Menschen der Generation Alpha sind das Gravitationszentrum ihres Selbst. Sie konsumieren, was ihnen zufliegt — und das seemles. Sprich: Sie hören unterwegs über In-Ear-Kopfhörer das weiter, was sie zu Hause begonnen haben. Später im Büro oder auf der Couch gibt es noch mehr Nachschub — dann aber via AR-Brille.
Personalisierung spielt bei eine große Rolle. Wenn sie morgens ins Bad gehen, sagen sie “Update News” und dann kommt das für sie relevante Nachrichtenupdate.
Ob wir es als Medienmarke schaffen, dort stattzufinden - oder ob es ein anderer Inhalteanbieter schafft, das ist die Herausforderung.
2️⃣ Sprachassistenten werden die neuen Gatekeeper. Sie begleiten durch den Tag — informieren, unterhalten, coachen. Der Markt wird jetzt schon besetzt. Die Trendforschung zeigt, dass künftig Avatare eine größere Rolle spielen.
Die Generation Alpha unterscheidet nicht mehr zwischen virtuell und real. Die Frage erscheint für sie so sinnlos, wie die Fragen an Digital Natives nach Online und Offline.
3️⃣ Spagat für Redaktionen — Datenlieferant vs. Persönlichkeiten. Die bisherigen Redaktionsstrukturen sind darauf ausgelegt, ein Produkt zu erstellen, das über verschiedene Kanäle ausgespielt wird.
  • Doch das Thema Entbündelung schreitet weiter voran. Es gehört künftig dazu, Inhalte so aufzubereiten, dass die über eine Art Datenbank von den Algorithmen ausgewählt und den Usern automatisiert zur Verfügung gestellt werden können.
  • Der Redaktionsbetrieb wird aber nicht zur reinen Datenbankpflege. Die Generation Alpha hat auch das Bedürfnis nach Persönlichkeiten und menschliche Präsentator*innen, die Inhalte, Informationen und Geschichten näher bringen. Diese Persönlichkeiten müssen aufgebaut werden — basierend auf den Alleinstellungsmerkmalen der Medienmarke und den Bedürfnissen der Zielgruppe.
  • Die Generation Alpha konsumiert keine Formate mehr, die Redaktionen aus der eigenen Bubble heraus entwickelt haben und der Zielgruppe einfach vorsetzen. Medien müssen lernen, neue Formate direkt mit der Zielgruppe zu entwickeln. Erste Usertestings sind schon bei kleinen Dingen wie Slogans oder Namen nötig.
4️⃣ Distribution & Zielgruppen — zwei große Vorteile für Medienmarken: Zugegeben, eine Welt in der Inhalte automatisiert distribuiert werden, klingt aus Redaktionssicht erschreckend. Gibt man nicht Kontrolle ab? Aber es gibt zwei große Vorteile:
  • Viele Menschen wissen oft gar nicht, wenn bei einem Sender oder eine Nachrichtenmarke Inhalte zur Verfügung stehen, die sie interessiert. Wer hat schon im Deutschlandfunk um 23 Uhr das Gespräch zu einem Lieblingsthema mitbekommen, wenn man nicht zufällig davon mitbekommen hat. Sprich: Es gibt die Chance, dass Algorithmen Menschen mit Medieninhalten zusammen bringen, die für sie eine hohe Relevanz haben. Oder aus User-Sicht: Mal angenommen ein Radiosender produziert im Monat 4000 Audios. Das kann ein User gar nicht erfassen. Die Algorithmen stellen eine Auswahl zusammen.
  • Algorithmen helfen auch bei der Produktion. Inhalte können in einfachere Sprache umgearbeitet werden und so werden sie auch zugänglich für Zielgruppen, die bisher keinen Zugang zu den Themen hatten. Die Zielgruppen werden also diverser.
Wir nehmen mit: Bisher ist das Zusammenstellen von Themen und die Wahl der Sprache ein ständiger Kompromiss: Es geht darum, einen großmöglichen gemeinsamen Nenner zu finden, um viele anzusprechen. Durch die Individualisierung können insgesamt aber mehr Menschen angesprochen werden.
5️⃣ Wann geht es los? Heute!
Das kling komplex und überwältigend. Lisa Zauner und Vanessa Beule sind aber optimistisch: “Wir haben noch Zeit und können die Medienzukunft mit gestalten”. Es gibt noch viele dicke Bretter zu bohren: Wie müssen die Inhalte künftig aufbereitet werden? Werden wir nur Datenlieferant sein, oder können wir auch die Algorithmen zur Auswahl bieten? Wie funktioniert die Automatisierung in der Produktion und Distribution?
Aber wir können auch schon klein anfangen: Indem wir drüber reden und auch die Hemmung gegenüber von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning verlieren. Beispielsweise eine App herunterladen, die automatisch einen Film auf dem Smartphone schneidet. So sammeln wir schon erste Erfahrungen von KI im redaktionellen Arbeitsalltag.
👉Oder bequem hören via SpotifyApple Podcasts oder der Was mit Medien-App (Android-Smartphone - iPhone)
Tipp: Generation Alpha — der KiKA-Podcast 🎧
Mit der aktuellen Podcast-Episode haben wir die Grundlage für unsere Begleitung der Generation Alpha gelegt. In den kommenden Monaten werden wir uns weitere Facetten anschauen. Passend dazu, möchten wir euch einen neuen Podcast vorstellen. Und zwar von KiKA, dem Kinderkanal von ARD &ZDF.
In diesem Jahr feiert der Sender den Start vor 25 Jahren. Passend dazu gibt es das neue Format: “Generation Alpha — der KiKA-Podcast” — darin steckt auch ein bisschen Was mit Medien.
1.) Worum geht es? Statt einen Blick zurück, wirft KiKA einen Blick in die Zukunft: Wie entwickelt sich die Lebenswelt der Kinder? In 25 Episoden geben Gesprächspartner*innen aus Gesellschaft, Medien oder Kultur Einblicke in relevante Zukunftsthemen der jungen Generation.
2.) Was ist das Besondere an diesem Format? Drei Dinge sind uns aufgefallen: Es ist das erste eigenständige Podcast-Angebot des KiKA. Dann ist es ein Format, dass sich nicht an Kinder, sondern Erwachsene richtet. Also an alle, die “was mit Kindern” machen. Von Eltern, über Erzieher*innen, bis hin zu weiteren Steakholdern, wie Politiker*innen. Drittens: Der KiKA feiert sich im Jubiläumsjahr nicht einfach selbst, sondern reflektiert mit dem Blick auf die Generation Alpha auch die eigene Rolle. Die Gespräche drehen sich um die Frage, welche Aufgabe und Verantwortung Medienmacher*innen übernehmen. 
3.) Wie viel Was mit Medien steckt in dem Podcast Moderiert wird das Format von Inka Kiwit (KiKA-Redakteurin und Podcasterin), Ann-Kathrin Canjé (Kultur-Journalistin beim MDR) und Daniel Fiene. Unser Host bringt somit den externen Blick rund um den Medienwandel mit in das Format.
4.) Warum interessant? 6 Folgen sind schon erschienen. Wir haben festgestellt: Welchen Einfluss die Generation Alpha auf den Medienwandel haben wird, ist nicht zu unterschätzen. Wir werden deswegen mit euch unsere Learnings teilen, empfehlen euch aber auch selbst, den Podcast zu abonnieren.
5.) Wo soll ich einsteigen? Mittwochs alle zwei Wochen gibt es eine neue Episode. Die werden im KiKA-Kommunikationsportal, im KiKA-Erwachsenen-Angebot, der ARD Audiothek und üblichen Podcast-Plattformen veröffentlicht. Zum Einstieg empfehlen wir euch Folge 3: Daniel im Dialog mit der Schauspielerin Maria Furtwängler (MaLisa-Stiftung) und der Journalistin Ferda Atamann (Neue Deutsche Medienmacher*innen) über Diversität. Wir lernen: “Diversität ist kein Schalter, den man drücken kann. Es ist ein Prozess.”
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Du möchtest die nächste Innovation auf dem Medienmarkt starten? Und Du könntest dabei noch Unterstützung gebrauchen? Dann bewirb Dich mit Deinem Startup für unser Media Innovation Fellowship. Wir bieten Dir im 6-monatigen Programm finanziellen & fachlichen Support im Gesamtwert von 30.000 €. www.journalismuslab.de/fellowship/  
Schwerpunkt: Der Ukraine-Krieg und Medien
Parallel zum Krieg in der Ukraine hat Russland das eigene Mediengesetz verschärft. Die Bundesregierung und Journalistenverbände sind deswegen noch stärker besorgt: Freie Meinungsäußerung sei praktisch unmöglich. Wir haben zwei Beispiele, wie wir von Deutschland aus, den Menschen in Russland den Zugang zu unabhängigen Informationen ermöglichen können.
Unabhängiger Journalismus in Russland 💡
Wie können sich Menschen in Russland nach der Verschärfung des Mediengesetzes unabhängig informieren? Stefan Melle von der NGO Deutsch-Russischer Austausch sagt: Das wird für die Menschen immer schwerer.
Zuletzt sind in dieser Woche Facebook und Instagram verboten worden — der Vorwurf der russischen Regierung: Sie verbreiten “extremistische” Inhalte.
Der Tipp von Stefan Melle, gehört in der aktuellen Podcast-Ausgabe:
Jeder der in Russland Bekannte, Freunde oder Verwandte hat —das sind Millionen, die diese persönlichen Kontakte haben—kann im zumindest im persönlich Gespräch erzählen, was sie sehen. Dass es sich nicht um eine Spezialoperation handelt, sondern um einen ganz schlimmen, offenen Krieg, der gegen die Städte, gegen das Land geführt wird, der unheimlich brutal und tödlich ist.
Die Meduza-Kampagne 💡
Das russische Exilmedium Meduza bezeichnet sich als das letzte unabhängige Online-Angebot. Doch: Die finanzielle Unterstützung von den Usern aus Russland kommt bei Meduza seit dem Start des Ukraine-Kriegs nicht mehr an.
Damit Meduza weiter berichten kann, benötigen die Redaktion 30.000 Ersatz-Zahler*innen, um weiter arbeiten zu können. Innerhalb von wenigen Tagen haben die Krautreporter geholfen, eine Crowdfunding-Kampagne aufzusetzen. Wir sind aufgerufen, die Arbeit zu unterstützen, damit sich die Menschen in Russland weiterhin unabhängig informieren zu können:
Aus der Community 🦄
🎧 Bonus-Audio Mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat es auch eine neue Diskussion um den Ausbau von Tagesschau 24 zu einem Nachrichten-Kanal gegeben. Darüber sprechen Daniel und Marvin Schade (Chefredakteur von Medieninsider) in der aktuellen Ausgabe von Was mit Insider — der monatliche Members-Only-Podcast von Was mit Medien und Medieninsider.
📻 Community-Event: Radiodogmen hinterfragt Ein enges Format, Musik-Tester, eine Wortlänge von 1:30. Warum gibt es diese Dogmen eigentlich? Und können die weg? Zusammen mit Christoph Flach hinterfragen wir diese Standards. Ihr könnt bei diesem Webinar am 4. April dabei sein.
📆 Tutzinger Radiotage 2022 Auch in diesem Jahr begleiten wir wieder diese Veranstaltung. Dennis Horn und Daniel Fiene dürfen in diesem Jahr wieder zum Programm-Team gehören. Jetzt steht das Datum fest: 5. bis 7. September an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Save the date! Wenn die Anmeldung startet, sagen wir euch bescheid.
🏆 Tickets für die Goldenen Blogger 2022 Vor 15 Jahren ging es mit einer Webcam auf dem Bügelbrett los — Daniel hat zusammen mit Thomas Knüwer und Franziska Bluhm die Goldenen Blogger ins Leben gerufen. Die Wohnzimmer-Zeiten sind vorbei. Am 4.4. findet die Gala im Museum für Kommunikation in Berlin statt. Wenn ihr vor Ort dabei sein möchtet: Hier gibt es die kostenlosen Tickets.
🔎 Crowd-Recherche Kennt ihr eine Trainerin, einen Trainer für journalistische Interviews, die besonders im Umgang mit kritischen Situationen im Live-Moment schulen? Dann antwortet uns doch bitte kurz auf diese Mail mit einem Tipp. Wir möchten uns in den nächsten Tagen damit beschäftigen, wie wir rund um den Ukraine-Krieg in Livegesprächen mit Herausforderungen umgehen können: Was tun, wenn eine Gesprächspartner*in auf einmal Propaganda verbreitet oder man nicht überprüfen kann, ob ein(e) Augenzeug*in die Wahrheit berichtet? Da sind wir für euren Input zur Recherche dankbar.
Bis zur nächsten Ausgabe wünschen wir euch eine mediale Zeit
Herr Pähler, Dennis und Daniel
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Podcast + Community + Events. Das Programm für deine Journey durch den Medienwandel. Mit @Fiene, @HerrPaehler & @Horn.

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