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Tobias Sammelsurium der Woche #06/2022

Tobias Dehler
Tobias Dehler
Guten Morgen {{first_name}},
ist dir schon mal aufgefallen, wie sehr wir in Deutschland von lieben Freunden umzingelt sind? So grau, so nasskalt, so zäh der Jahresanfang auch sein mag, plötzlich wird es bunt, weil uns die Niederländer Tulpen senden. Gibt es ein hoffnungsfroheres Signal für den Frühling?
Die Belgier haben uns gezeigt, dass eine in Fett geworfene Kartoffel zu Fritten wird, was eindeutig besser ist als eine Salzkartoffel. Die Erleichterung, nach den nervtötenden Kilometern der Eifellandstraßen endlich wieder Zivilisation zu erleben, verbindet uns mit den freundlichen Luxemburgern.
Crêpes, Savoir-vivre, Schüleraustausch, Rotwein und Provence sind die Schlagwörter, wenn ich an meine französischen Freunde denke. Mit den Schweizern ist es eher “tough love”, aber so ein bisschen Rivalität hilft ja, nicht bräsig zu werden.
Piefke hin oder her, wer den Wiener Schmäh mit Wörtern wie Glatzentischler kennengelernt hat, möchte doch nicht mehr “Ciao, Baba” sagen müssen. Wer dampfende Knödel an der Moldau genossen hat, bei den Dänen sich über tolle Wörter wie “Piskefløde” und den ewigen Klassiker Lego freuen kann, wer glücklich ist, dass die Schweden erkannt haben, dass wir Deutsche Bastler sind (und uns deswegen landesweit in blauen Kisten mit Material versorgen), wer dankbar ist, dass es keine Grenzkontrollen und keine Roaminggebühren mehr gibt, der kommt nicht umher zu erkennen, dass unser Europa eine große Sache ist.
Die Nacht ist immer am dunkelsten, bevor es hell wird, genauso wie der Winter. Wir sind umzingelt von lieben Freunden. Das dürfen wir uns nicht von Putin zerstören lassen – wegen der Menschen, aber auch wegen der Tulpen.
Dir ein friedliches Wochenende!
T.

Gezwitscher der Woche
Jenny Nordbak
My 3 yo said goodnight to all of us tonight and then in the dark I heard her little voice say, “Goodnight myself. I love you. [pause] I love you too.”

Don’t let anyone take that from you, little one.
Fünf fürs Wochenende
Mach mal Kunst
Auf Notizzettel zu kritzeln soll ja die Konzentrationsfähigkeit steigern. Digital geht sowas mit Minimator, einer kleinen webbasierten Zeichen-App, mit der du, am besten auf dem Tablet, doodlen kannst. Sieht toll aus und ist hinterher auch noch animiert.
Mach mal Oper
Mein letzter Opernbesuch war eine konzertante Aufführung von Strauss’ “Die Frau ohne Schatten”. So sehr ich von den Stimmen und der Musik fasziniert bin, so sehr möchten mein Hintern und mein Kopf nach drei Stunden an die frische Luft. Bayreuth wäre wohl nichts für mich. Es müssen ja vielleicht nicht immer drei Stunden sein, aber eine eigene Oper zu erschaffen wäre doch cool, oder? Das geht jetzt vierstimmig mit Blob Opera von Google. Wir haben schallend gelacht.
Mach mal locker
Von Annelie Keil hatte ich noch nie gehört. Die Ätherwellen des Internets spülten sie zu mir. Angeklickt, hängen geblieben und dann kommt ein Satz zum Auf-der-Zunge-zergehen-lassen: „Das Leben muss nicht halten, was ich mir von ihm verspreche". So quietschvergnügt wie diese Frau möchte ich mit 83 auch sein.
» Zur ARD-Mediathek (18 Minuten)
Mach mal ruhig I
“Erde an Papa …”, sagte K2 diese Woche zu mir, als ich mal wieder auf mein Handy blickte. Das saß. Viele Facetten des modernen Lebens belasten unser Miteinander und zerstören unsere Konzentrationsfähigkeit. Wir müssen unseren Verstand zurückgewinnen, so lange wir das noch können, schreibt Johann Hari im Guardian. Ich fürchte, er hat Recht.
Mach mal ruhig II
Passend dazu, das was Wolf Lotter sagt:
Die Transformation zur Wissensgesellschaft braucht vor allem eins: Ritalin für Kopfarbeiter. Es ist Zeit, Aktionisten und Aufmerksamkeitsdiebe, die Störer der eigenen Wissensarbeit rauszuschmeißen – und sich wieder neu zu konzentrieren.
Speakers’ Corner
Home - Sweet cosy home
von Stephanie Hoffmann
Mein Zuhause ist mein Schutzraum und mir heilig, wenn man sich von der zur Zeit aus den Angeln gehobenen Welt zurückziehen will. In ihr bin ich geborgen, geschützt vor Hitze oder Kälte. Und dann ist das plötzlich nicht mehr soooo…Heizungsausfall, 36 Stunden, natürlich am Wochenende. Wie schnell mein Ort der Gemütlichkeit den Charme eines zugigen Wartehäuschen bekommt, merke ich, während ich meine Hände ins warme Spülwasser tauche. Natürlich kommt der Handwerker, es ist nur ein kleiner Defekt und die Heizung bullert sofort wieder, alle Ventile bis zum Anschlag geöffnet. Und während ich merklich auftaue, kommt die Demut. Wie muss sich ein Flüchtender fühlen, ohne Perspektive, bald wieder wohlig warme Wände um sich zu spüren? Beim Jammern bin ich jedenfalls mal wieder ein Stüfchen tiefer getreten.
Danke, Steffi, für das Eröffnen der Speakers’ Corner!
Speakers’ Corner sind ca. 555 Zeichen (*räusper*) und eine Überschrift für deine Gedanken. That’s it. Anonym oder nicht, entscheidest du. Dabei gelten die Regeln des Originals aus London – die britische Königin und die königliche Familie sind tabu. Einsendungen mit dem Betreff “Speakers’ Corner” an tobdeh@gmail.com.
Gedanke der Woche
“Morgens unter der Dusche ist immer die Zeit der großen Thesen.” – Benjamin von Stuckrad-Barre
Bild der Woche
Frage der Woche
Kontrollieren mich die Tatsachen?
Buch der Woche
Das Buch der Woche fällt aus wegen Nebels. Nächstes Mal empfehle ich dir dann Samstagabendhelden. Oder du kaufst es jetzt einfach so. Allein der Text über Udo Lindenberg lohnt sich. Link wie immer hier:
Hat Dir diese Ausgabe gefallen? Ja Nein
Tobias Dehler
Tobias Dehler @tobdeh

Eine kleines, eklektisches Sammelsurium von Texten, Bildern und Gedanken, die mir diese Woche über den Weg gelaufen sind. Manchmal banal, manchmal provozierend, aber immer mit einem Lächeln im Gesicht geschrieben. Kommt jeden Freitag früh um acht in dein Postfach. Schön, dass du dabei bist!

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Tobias Dehler, c/o tangolima GmbH, Freiheitstr. 185-187, 42853 Remscheid