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BLNKID: A kind of Tiramisu, Frieden als Serie, der Louvre im Internetz, kein Tanzverbot

BLNKID: A kind of Tiramisu, Frieden als Serie, der Louvre im Internetz, kein Tanzverbot
Von Jens Stoewhase • Ausgabe #4 • Im Browser ansehen
Karfreitag – das heißt für mich eigentlich jedes Jahr nur die gleiche Diskussion auf Twitter über das Tanzverbot. Tatsächlich kann uns das in diesem Jahr wirklich schnuppe sein. Wir machen uns hier einen locker flockigen Abend mit Tiramisu und einer Folge „Mord mit Aussicht“. Das ist eine ehemalige Vorabendserie aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit einem wirklich feinen Humor und einem noch viel besseren Ensemble. Nach drei Staffeln war dann Schluss, weil die Produktion gestrafft werden sollte und das Team der SchauspielerInnen keinen Bock auf Hektik hatte.
Im Prinzip ist diese Serie kompletter Mumpitz und trotzdem ein großer Spaß, wenn man weiß, dass da mal drei Jahre hintereinander die Kartoffeln vor der Glotze saßen und ordentlich den Spiegel vorgehalten bekamen.
Wir schauen die Serie zu viert, weil wir mal in der Vulkaneifel im Urlaub waren und die ganzen kleinen, leicht bekloppten Geschichten in der Eifel spielen – im fiktiven Ort Hengasch im Landkreis Liebernich.
Spaß muss sein.

A KIND OF TIRAMISU
Mit etwas Abstraktionsvermögen kann man sich das Endprodukt vorstellen.
Mit etwas Abstraktionsvermögen kann man sich das Endprodukt vorstellen.
Ich bin großer Fan von Tiramisu. Allerdings bin ich in Sachen Rohei ein echter Schisser. Erst recht, wenn ich Tiramisu auf eine Gartenparty mitbringen soll. Genau deshalb hab ich ein paar Mal an einem perfekten und sicheren Tiramisu-Rezept herumgetüftelt, dessen Ergebnis ich auf eine heiße Sommerpartei mitnehmen konnte, ohne für irgendwelche Post-Party-Krankschreibungen dank Gammel-Ei zur Verantwortung gezogen zu werden.
Gleichzeitig sollten auch sämtliche Kids völlig unbedarft davon löffeln können. Die Challenge war also: kein Ei, kein Kaffee, kein Alkohol. Deshalb werden PuristInnen und ItalienerInnen völlig berechtigt Einspruch erheben, wenn ich das, was ich da präsentiere, Tiramisu nennen würde. Ergo: Ich nenne es nur „A Kind of Tiramisu“. Okeee?
Los geht’s!
Zutaten
350 ml Sahne
250 g Mascarpone
200 g Biskuits
50 g Puderzucker
1 Päckchen Vanillezucker
15 g Instant-Kakaopulver
150 ml Milch
Zubereitung
  1. Ich nutze Instantkakao, ich hab es aber für den kräftigeren Geschmack auch schon mit reinem Kakaopulver gemacht: Etwas Wasser aufkochen und das Pulver darin auflösen. Dann die Milch draufgeben, umrühren und abkühlen lassen.
  2. Sahne mit dem Puder- und dem Vanillezucker aufschlagen, wenn sie fast steif ist, dann gebe ich die Mascarpone dazu und lasse alles von der Küchenmaschine schlagen, bis es fest am Löffel kleben bleibt.
  3. Biskuits in einer flachen Schüssel dicht nebeneinander legen. Ich plane immer zwei „Etagen“ für meine Tiramisuvariation.
  4. Die untere Lage der Biskuits lasse ich die Kakaomilch aufsaugen. Dann gebe ich die Hälfte der Creme drüber und streiche sie glatt.
  5. Im nächsten Schritt lege ich die zweite Schicht Biskuits drüber und verarbeite den Rest der Creme.
  6. Zum Schluss gebe ich etwas Zimt drüber, das gibt noch einen kleinen Kontrast im Geschmack. Nun aber ab in den Kühlschrank für ca. 3 Stunden. Ferddich.
Kleiner Hack: Dieses Mal hab ich noch geröstete Mandelsplitter auf die erste Schicht gegeben und dann erst die Biskuits für die zweite Schicht platziert. Warum? Weils es knacken soll.
LOUVRE OLÈ
Kunst macht kreativ. Kunst anschauen und bewundern versetzte mich in der Vergangenheit schon öfter in eine Art Rauschzustand. So muss ich beinahe jedes Mal, wenn ich in der Berliner Gemäldegalerie war, hinterher draußen vor dem Museum laut losjubeln. Ich kann gar nicht anders. So sehr füllt mich das Gesehene mit Freude, vor manchen Bildern hab ich dann schon mal spontan Pipi in den Augen.
Jetzt können wir alle nicht wirklich reisen, die Galerien und Museen sind geschlossen. Aber der Louvre in Paris hat seine Sammlungen – wohl über 480.000 Exponate digitalisiert und bietet auf seiner Webseite kostenlose Onlinetouren an. Vier Touren sind es bisher. Ich kann es nur empfehlen. Hier geht es los >>
Ich will kein Spielverderber sein, aber erst kürzlich hab ich wieder eine Doku zu Raubkunst gesehen und saß wieder fassungslos vor dem Fernseher. Ich verstehe nicht, wie Museen sich bis heute zieren, offensichtlich geraubte Kunst zurückzugeben. Das ist natürlich kein spezielles Thema für den Louvre, aber letztlich eben doch. Kann man hier beim Deutschlandfunk nochmal nachhören, wenn man mag.
SCHAUT “FRIEDEN”!
Allein diese Illu zur Serie ist der Hit!
Allein diese Illu zur Serie ist der Hit!
Das Leben ist nicht schwarz oder weiß, oft ist es grau schattiert. Und genau diese Grautöne können sehr viel schmerzlicher sein, denn sie bieten kaum Halt. Und in ihnen spiegelt sich Tag für Tag auch die eigene Ohnmacht. Diese Ohnmacht hat die Serie „Frieden“ eingefangen. Kurz nach dem 2. Weltkrieg beschreibt sie das Leben in der vermeintlich neutralen Schweiz. Die Geschäfte mit den Nazis und die miesen Geschäfte mit den Opfern der Naziherrschaft holen das Land ein, gleichzeitig geht das Business einfach weiter. Auf der anderen Seite nimmt das Land überlebende Kinder des Holocausts auf. Und genau diese Kinder wurden auch in der Realität zum Spielball einer Politik, die der Schweiz das Ansehen retten sollte.
Die Klammer dieser 6-teiligen Serie bildet dann doch ganz klassisch eine Familiengeschichte. Meiner Herzensdame ist die gesamte Story zu dicht erzählt. Ich hingegen fand die jeweils etwas über 50 Minuten langen Episoden konsequent erzählt, für mich überflüssiges Nebengeplänkel wurde konsequent weggelassen, die ProtagonistInnen durch die Geschichte vorangebracht.
„Frieden“ ist die wohl teuerste Serie der SchweizerInnen, so sollen die sechs Folgen etwa achten Millionen Franken gekostet haben. Die Drehbuchautorin Petra Volpe hat wohl 9 Jahre an dem Stoff gearbeitet, der zunächst nur ein Film werden sollte. Ich bin froh, dass es eine Serie wurde. Und gleichzeitig hoffe ich, dass es keine 2. Staffel geben wird. Denn in der ersten wurde alles so konsequent erzählt, dass es keine Fortsetzung braucht.
Ich wünsche mir eher ein Pendant von deutscher Seite, das die Flucht der Nazis und insbesondere die Rückkehr von hochrangigen Nazis in Amtsstuben, Firmenvorstände und Geheimdienste thematisieren würde. Denn eines wird durch „Frieden“ perfekt deutlich: Geld ist noch immer die einfachste Motivation für die Kollaboration mit dem Teufel.
AMY MACDONALD LIVE IN RUDOLSTADT
Amy Macdonald hab ich recht früh für mich entdeckt. Damals suchte ich bei iTunes nach Live-Aufnahmen von KünstlerInnen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass man erst über die Live-Aufnahmen checken kann, ob jemand gut ist oder nicht. Meint halt jemand, der keinerlei Instrumente spielen kann …
Jedenfalls entdeckte ich so eine Live-EP von Amy Macdonald. Die Stimme bekam mich gleich und die folkigen Popsongs waren in der Liveinstrumentierung sehr toll. Leider sind die Studioalben der Künstlerin absolut totproduziert und – meiner Meinung nach – so auch optimiert für jeden Mainstreamsender. Das macht das Publikum auf den Konzerten der Sängerin auch echt anstrengend.
ABER – es gibt ja noch so wunderbare Festivals, wie das in Rudolstadt. Ich durfte als Tourmanager der Ohrbooten in den Nullerjahren selbst das großartige Flair dieses liebevollen folkig angehauchten Wochenendes in Thüringen erleben. Und genau dort hat 2017 auch Amy Macdonald gespielt. Ich ärgere mich heute noch, dass ich damals zu bequem war, einfach kurzfristig dorthin zu fahren und live dabei zu sein. Ich saß dann damals vor dem Fernseher und zog mir die Live-Übertragung rein. Heute fiel mir wieder ein, dass man sie auf Youtube nachschauen kann.
Deshalb sei hiermit jedes Tanzverbot aufgehoben. Ich wünsche fröhliches Popowackeln zu 90 Minuten Amy Macdonald live auf dem Rudolstadt-Festival >>
BONUSTRACK
Ein besonderes Privileg des Älterwerdens ist für mich das Erfahren von neuen Forschungserkenntnissen insbesondere aus der Geschichts- und Kunstforschung. Ich finde es jedes Mal faszinierend, wenn es neue Forschungsergebnisse gibt, die das bisher Gelernte über den Haufen schmeißen. Da wurde ein Bild anders gemalt als bisher gedacht oder es stellt sich heraus, das es auch von einem anderen Menschen gemalt wurde.
So war ein etwas anderes Beispiel für mich: Ich wusste bisher wenig über Frauen in der Kunst. Und dann gibt es zum Bauhaus-Jubiläum die Doku „Bauhausfrauen - im Schatten der Männer“ und du weißt: Verdammte Hacke, die Welt ist eben nicht so, wie sie von der Wissenschaft aktuell beschrieben wird, sondern die Wissenschaft beschreibt, was sie über die Welt aktuell weiß und wofür sich bisher vorwiegend forschende Männer interessiert haben.
Durch das Älterwerden erfuhr ich auch erst vom Hitler-Stalin-Pakt. In der DDR spielte der in meinem Geschichtsunterricht keine Rolle, erst recht nicht die Aufteilung Polens in diesem Pakt. Erst durch den Zugang zu westlicher Literatur und Dokus erkannte ich die Ambivalenz der Sowjetunion wirklich. Das war nicht ganz unwichtig für meine weitere politische Bildung und Verortung.
Was mich eigentlich zu diesem Bonustrack getriggert hat, war jedoch ein Artikel aus der letzten Woche. Da wurde nämlich geschrieben, dass ein Team von Forschenden eine Stele, die bereits 1890 in einem Torfstich im Ural gefunden wurde, wohl nicht nur 9.500 sondern eher 12.100 Jahre alt ist. Kurz zusammengefasst ist diese neue Datierung ein mittelschweres Beben für die Forschung. Denn nun muss das Thema Kultur und Kunst bei womöglich nicht sesshaften Völkern dieser Zeit neu bewertet werden.
Wie cool ist das denn bitte?! Es zeigt doch, dass nichts in Stein gemeißelt ist, nur weil es bisher schlüssig belegt wurde.
In diesem Sinne – habt ne gute Zeit und Euch lieb!
Jens
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Jens Stoewhase

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