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Ringe unter den Augen

Ausgabe #6 • Im Browser ansehen
Steilpass
„Let the games begin!“, ertönt es am heutigen Freitag wieder: Olympisches Feuer frei für Tokio. Doch der Anstieg auf den - bei Sportlern in aller Welt begehrtesten - Medaillen-Olymp findet diesmal als reine TV-Veranstaltung oder, wie Kritiker gerne stichelnd ergänzen, „reine TV-Kommerzveranstaltung“ statt. Olympia findet angesichts des Corona-Hotspots in der japanischen Hauptstadt ohne Zuschauer auf den Rängen, deren Anfeuerungen und farbenfrohes Ambiente doch eigentlich das Salz in der Suppe für jeden Sportler und jede Sportlerin bedeuten, statt. Egal ob Weltklasse-Star oder kleiner Amateur.
Im Sport vor Ort freuen sich die Beteiligten dagegen wieder umso mehr über direkten Beifall für ihre Leistungen nach der langen entbehrungsreichen Coronazeit. Doppelt begeisternd wirkt es, wenn dann auch noch ein junges lokales Sport-Ass auf der großen internationalen Sportbühne mitmischt und dabei von der größten Zuschauerkulisse ihres Lebens förmlich zu atemberaubenden Leistungen getragen wird: Die erst 16-jährige Ronja Funck erlebte dies als absolute Senkrechtstarterin bei der Leichtathletik-U20-Europameisterschaft in Tallinn (Estland). Gegen deutlich ältere Konkurrentinnen begeisterte die junge, mutige Walsroder Gymnasiastin im anspruchsvollen 3000-Meter-Hindernislauf auf Anhieb mit dem Vorstoß an die europäische Nachwuchsspitze und erfreute damit nicht nur die Bundestrainer.

Nach dem EM-Triumph noch das Zeugnis abholen - Walsroder Zeitung
Doch man muss gar nicht ganz so hoch schauen, um auch im lokalen Sport besonderes Begeisterungsvermögen zu entdecken. Auch kleine Vereine auf dem Dorf bieten häufig eine Plattform für ganz besonderes Engagement und eine achtenswerte spezielle Note, wie die WZ-Serie „Mein Verein ist Spitze“ in der aktuellen Folge wieder offenbart:
Plattschnacker-Sport und fliegende Fäuste - Walsroder Zeitung
„Platt“ wären aber gewiss auch die meisten Sportler vor Ort, wenn sie sich an das „Sportgerät“ heranwagen würden, mit dem der nur 1,65 Meter kleine und ganze 67 Kilo leichte Sagris Isayan mal eben fast das Doppelte seines Körpergewichtes im Stoßen über Kopfhöhe stemmt. Der gebürtige Armenier, der seit vielen Jahren in Munster lebt, jubelte zusammen mit seinem Soltauer Trainer, dem Fitnessexperten und Ex-Dorfmarker Handballer Valentin Horstmann über einen Spitzenplatz im Gewichtheben bei der digital ausgetragenen WM der Masterklasse, wie Kollege Heiko Oetjen in seinem Bericht erläutert.
Sagris Isayan wiegt 67 Kilo und hebt 191 Kilo - Walsroder Zeitung
Also dann: Vorsicht vor olympischen Ringen unter den Augen nach allzu mächtigem „Fernseh-Spiele“-Konsum in den kommenden Tagen und lieber mal die Sportler vor Ort in wohltuender Frischluft-Präsenz anfeuern und hinterher lesen und wissen, was los ist im Sport vor Ort.
Viel Spaß dabei wünscht
Thomas Künning
 
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