metroscope - Stadt von Morgen

Von Michael Fabricius, Alexander Gutzmer und Céline Lauer von metroscope

50 Jahre BMW-Hochhaus

#74・
78

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„Einmal Ikone bitte“ – wenn es nur so einfach wär
Zum Jubiläum nutzten die Akrobaten von "Bandaloop" den Vierzylinder als Tanzpartner. Foto: Nicolai Schneider
Zum Jubiläum nutzten die Akrobaten von "Bandaloop" den Vierzylinder als Tanzpartner. Foto: Nicolai Schneider
Der Begriff der „Ikone“ ist im Architektursegment ein gebräuchlicher. Vor allem natürlich, weil Unternehmen gern welche bauen würden. Aber so einfach ist das nicht. Den Ikonenstatus vergeben nicht Architekten oder Bauherren, sondern Gesellschaft und Medien – und zwar nach Jahren oder Jahrzehnten. Eine Architekturikone ist ein Gebäude, das als Bild in unterschiedlichen Medien präsent ist, das auch die Phantasie der Menschen beflügelt, also immer wieder vor unseren geistigen Augen auftaucht. Eine Gebäude vor allem aber, das Architekten, Bauherren und Entwickler anregt, seine Architektursprache weiterzuspinnen, seine baulichen Impulse aufzunehmen, vielleicht auch, es selbst weiterzubauen. Ein Gebäude also, das im bauökonomischen wie kulturellen Sinn „anschlussfähig“ ist.
Für den BMW-Vierzylinder in München-Nordschwabing treffen all diese Zuschreibungen unstreitig zu. Auch insofern passt es, dass das Unternehmen den 50-jährigen Geburtstag des Firmensitzes gerade mit einiger Opulenz und viel Prominenz beging. Markus Söder war gekommen, Pritzker-Preisträger Francis Kéré hielt die Laudatio. Medial ist dieses Gebäude für Kulturschaffende wie bildende Künstler oder Filmemacher bis heute hochattraktiv. Sogar in einen Horrorfilm hat es Einzug gehalten – in den (hervorragenden) Streifen „Suspiria“ des Italieners Dario Argento.
Den grundlegenden Beweis Richtung Anschlussfähigkeit hatte freilich noch Architekt Karl Schwanzer selbst erbracht. Er erweiterte den in der Ausschreibung festgelegten Auftrag nämlich kurzerhand um einen Museumsbau, den er mit formaler Eigenständigkeit versah, dennoch aber auch in den vom Hochbau vorgegebenen räumlichen Rhythmus einfügte. Das Museum wurde tatsächlich gebaut und bildet nun mit dem Vierzylinder und dem anschließenden Parkhaus auf der einen Seite sowie der in den nuller Jahren dazugekommenen BMW-Welt auf der anderen eine Achse.
Dieser Ost-West-Achse gesellt der Konzern nun eine neue Nord-Süd-Tangente hinzu, im Rahmen des Um- und Ausbaus des BMW-Werks. Die Architekturbüros OMA und 3XN verwirklichen gemeinsam eine Umgestaltung, die nicht nur den Haupteingang verlegt und neu definiert, sondern die vor allem auch das Werk stärker mit der Stadt verschränkt. Das ist nötig. Als das BMW-Werk geplant worden war, umgab das Gelände noch primär grüne Wiese. Durch das rapide Wachstum der letzten Dekaden hat sich die Stadt München nun aber quasi um das Werk herum gelegt. Das stellt planerisch neue Anforderungen.
Sicherlich hatte es im Vorfeld auch Überlegungen gegeben, die Produktion aus Schwabing heraus zu verlegen. Aber die Idee einer urbanen Produktion ist natürlich sehr viel zeitgemäßer und im Sinn der kurzen Wege auch nachhaltiger. Und sie kann zumindest Teil einer Antwort darauf sein, wie der kriselnde Kosmos (Innen-)stadt seine eigene Mischung neu erfindet, um vielleicht doch gestärkt aus der momentanen Krise des Urbanen hervorzugehen.
Die Planungen für das neue Werksgelände im städtischen Kontext. Quelle: BMW Group
Die Planungen für das neue Werksgelände im städtischen Kontext. Quelle: BMW Group
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