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Wann ist der beste Zeitpunkt, aufzuhören?

Ausgabe #32 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Leserinnen und Leser,
ich kann mich noch gut an die großen Fußballchampionate erinnern, die in meiner Kindheit übertragen wurden, bei denen ich mitzitterte und tagelang litt, wenn das deutsche Team ausgeschieden war. Fast als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an das für mich „schlimmste“ Fußballereignis dieser Art. Es war der 17. Juni 1970, Fußballweltmeisterschaft in Mexico. Deutschland verlor in der K.O.-Runde nach der Verlängerung 4:3 gegen Italien – und ich durfte das Spiel nicht sehen, weil es zu spät übertragen wurde und ich noch zu klein war. Allerdings konnte man den Sprecher im Fernsehen hören, und ich lag, saß, kniete, flehte und fieberte im Bett mit der deutschen Mannschaft mit. Am Ende verloren die Deutschen durch ein Tor, das der legendäre „Gianni“ Rivera in der 111. Minute erzielte. In der Erinnerung ist es mir so, als wenn ich wochenlang nicht mehr lachen konnte. Am vergangenen Dienstag, als die Deutschen im EM-Achtelfinale gegen England ausschieden, dachte ich an jenen Fußballabend vor 51 Jahren. Dieses Mal kniete, flehte und fieberte ich nicht, sondern ließ das über mich ergehen, was ich vorausgesehen habe: Eine ideenlose Mannschaft, die am Ende in der regulären Spielzeit zurück nach Hause geschickt wurde. Nach 15 Jahren endete damit eine Bundestrainer-Ära, deren Zenit längst überschritten war. „Jogi“ Löw hat es vielleicht heimlich bereut, dass er nicht schon 2014 als Weltmeister zurücktrat. So war er ein bestes Beispiel für das, was die Engländer „destroy his own legend“ bezeichnen.
Warum erzähle ich Ihnen das und hole so weit aus? Ganz einfach: Auch Landrat Manfred Ostermann stand vor der schweren Entscheidung, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren oder seine Karriere zu beenden. Diese Woche hat er das Ergebnis seiner Überlegungen öffentlich gemacht: Er sei in den vergangenen Wochen oft gefragt worden, ob er wieder antrete, sagte der Mann, der den Landkreis seit 14 Jahren führt. Seine Antwort lautete: „Ja, ich kandidiere!“ Ob das eine gute Entscheidung war oder ob auch er dabei ist, seine eigene Legende zu zerstören, wird er am Abend des 12. September beurteilen. Sein Herausforderer ist keiner, den man mal eben im Vorbeigehen schlägt. Im Gegenteil. Der amtierende Präsident der Landesaufnahmebehörde Jens Grote ist ein Mann, dem man den Landratsposten zutraut – zudem wird er auch noch von einem breiten Parteienbündnis unterstützt. Lesen Sie dazu auch weiter unten meinen Leitartikel.

Landrat Ostermann: “Ja, ich trete wieder an!” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ein anderer Mann, der für den Heidekreis eine geradezu schicksalhafte Rolle spielt, ist der Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums. Seit zwei Jahren trägt Dr. Achim Rogge die Verantwortung für das Unternehmen. In diesen zwei Jahren kam es zu einer spürbaren Reduzierung des Defizitausgleichs durch den Landkreis. Aber weckt das nicht auch weitere Erwartungen? Welche Ziele sind realistisch – und welche nicht? Ich sprach mit Dr. Rogge nach der jüngsten Gesellschafterversammlung.
“Zwei Jahre nach dem Umzug ist Schwarze Null möglich” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Um Veränderungen im Heidekreis-Klinikum ging es auch bei einem Pressetermin, den ich gestern Vormittag besuchte: Die Abteilung für Chirurgie/Traumatologie beziehungsweise Orthopädie/Endpoprothetik wird aufgeteilt in zwei Fachabteilungen mit eigenen Chefärzten. Dies ist unter anderem möglich, weil es gelang, einen Spezialisten vom Allgemeinen Krankenhaus Celle in den Heidekreis zu holen: Dr. Serkan Özkir, der den Bereich der planbaren Operationen im Bereich der Endoprothetik ausbauen soll – wieder ein wichtiger Schritt auf dem Weg ins Gesamtklinikum.
Zwei neue Chefärzte am Heidekreis-Klinikum - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Wie kommt der Einzelhandel, wie kommt die angeschlagene lokale Wirtschaft, wie kommen Unternehmen am Ende der dritten Welle der Corona-Pandemie möglichst schnell wieder auf die Beine? Diese Frage stellten sich Stadt Walsrode, Walsroder Stadtmarketing, Kreissparkasse und Walsroder Zeitung. So wurde die Idee geboren, Walsroder Geschäftsleute filmisch in Szene zu setzen. Es entstanden Portraits, die sehr berühren. Der Zuschauer lernt die Menschen hinter den Geschäften kennen. Die einzelnen Filmsequenzen sollen schon bald online abrufbar sein – und zwar in Kombination mit einem 360-Grad-Rundgang durch die einzelnen Geschäfte. Meine Kollegin Alessa Hachmeister war bei der Premiere dabei.
Walsroder Unternehmen im Filmportrait - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Auf dem Lande droht die Ärzteknappheit. Es werden schon vielerorts Konzepte und Modelle aufgelegt, wie es gelingt, junge Allgemeinmediziner als Hausärzte in die Provinz zu holen. Meine Kollegin Alessa Hachmeister stöberte ein besonders gelungenes Beispiel einer Nachfolge auf und traf sich mit Dr. Luiza Leica, die den Walsroder Arzt Horst Schlenker ablöst. Insgesamt 29 Jahre lang hat sich der Allgemeinmediziner in seiner Hausarztpraxis in Walsrode um die Patientinnen und Patienten gekümmert. Nun gibt er die Praxis offiziell ab.
Dr. Luiza Leica löst Horst Schlenker ab - Heidekreis - Walsroder Zeitung
In der Pandemie sind und waren es besonders die Kinder und Jugendlichen, die große Opfer nicht für sich selbst, sondern hauptsächlich für die Risikogruppen bringen mussten. Deshalb hatte die SPD im Kreis die Idee, auch in diesem Jahr eine Sommerschule anzubieten – allerdings nicht wie im letzten Jahr, nur an wenigen Schulen, sondern mit Landkreis-unterstützung flächendeckend. Das Ergebnis ist ernüchternd. Alle Schulen seien angeschrieben worden, erklärte Landrat Manfred Ostermann meinem Kollegen Jens Reinbold, der das Thema aufarbeitete, aber es habe nur vier Antworten gegeben. Die KGS in Schwarmstedt sagte eine mögliche Sommerschule ab, zu groß sei der Aufwand, zu strapaziert das Personal. Die anderen drei Antworten kamen eben von jenen Schulen, die bereits im vergangenen Jahr eine Sommerschule angeboten hatten – und dies auch wieder tun wollen. Welche Schulen das sind und warum sie sich dazu in der Lage sehen und andere nicht, lesen Sie hier:
Keine Lust auf Sommerschule - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Da uns die Qualen gestresster Fußballfans durch das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft erspart bleiben, wünsche ich uns allen ein entspanntes Wochenende.
Rolf Hillmann
Was hilft mehr: Amtsbonus oder Rückenwind durch Politik? - Heidekreis - Walsroder Zeitung
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