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Von Zeit, Aufregern und bösen Träumen

Ausgabe #13 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Geht es Ihnen auch so? Mit Irritation blicke ich auf den Kalender, denke, „gestern“ war doch noch Neujahr – und in Wirklichkeit ist der Februar auch schon wieder fast vorüber. Die Zeit rast - und das im Lockdown. Oder sogar wegen des Lockdowns? Denn während uns früher als Kinder sechs Wochen Sommerferien wie eine Ewigkeit vorkamen, empfinden wir heute Monate, halbe und ganze Jahre wie wenige Wochen. Irgendwo habe ich gelesen, dass das mit der Wahrnehmung alles Neuem und - dem gegenüber - dem täglichen Tagein-Tagaus zusammenhängt. Kinder erfahren täglich Neues, und die Addition dessen führt dazu, dass sie eine ganz andere Zeitwahrnehmung haben als Erwachsene, deren Leben ganz selbstverständlich wesentlich einförmiger verläuft. Somit lautet wohl die Faustformel: Viel Erleben – langsame Zeitwahrnehmung, wenig Erleben – schnelle Zeitwahrnehmung.
Wie dem auch sei, die Woche ist schon wieder vorbei, und ein Thema, dem ich gar nicht so große Bedeutung beigemessen hatte, erwies sich als großer „Aufreger“. Der Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums hat sich Ende Januar gegen Corona impfen lassen, jenseits jeglicher Prioritätenlisten des RKI. Das hatten wir in einer Umfrage zutage gefördert, worauf es schon zum vergangenen Wochenende Leserreaktionen gab. In den vergangenen Tagen kamen etliche dazu, sodass wir in der heutigen WZ-Printausgabe wieder zwei randvolle Seiten mit zum Teil sehr interessanten Leserbriefen haben. Unter der Woche meldete sich der Geschäftsführer noch selbst zu Wort und erklärte beziehungsweise ließ erklären, warum ausgerechnet er frühzeitiger geimpft worden sei als andere. Außer einer kurzen Reaktion des Aufsichtsratsvorsitzenden, dass er Verständnis für die Irritationen habe und er es begrüße, dass der Betroffene selbst Stellung beziehe, gab es keine Reaktionen aus der Politik. In anderen Landkreisen schlugen ähnliche Vorfälle höhere Wellen.

Dr. Rogge doch kein Impfdrängler? - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Seit einigen Jahren gibt es viele Naturfreunde, die sich über die Rückkehr des Wolfes freuen und darin eine Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts sehen. Aber wie so viele große Konflikte und Themen der Gegenwart spaltet auch „der Wolf“ die Gesellschaft – in die, die sich freuen und in die, die gerade glauben, böse zu träumen. Denn für sie ist der Wolf ein Raubtier, der Weidetiere aus purer Mordgier tötet – vielleicht so wie am Donnerstag in Nordkampen, wo vermutlich ein Wolf über einen Gehegezaun prang (oder sich unterdurch grub) und vier von fünf Stück Damwild tötete. Die Besitzer des Wildgatters waren entsetzt. Die Tiere, die sie bis zum Vorabend noch regelmäßig gefüttert und betreut hatten, lagen mit aufgerissenen Bauchhöhlen auf der Weide.
Vier Stück Damwild in einem Gehege gerissen - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Zwar kein „Skandälchen“ und auch noch kein Aufreger-Thema, aber auf jeden Fall Gesprächsstoff sind die Warnau- und Bomlitz-Brücken in der Eibia, dem malerischem, 200 Hektar großen Naherholungsgebiet im Herzen der „großen“ Stadt Walsrode inklusive ehemaliger Gemeinde Bomlitz. Im jüngsten Newsletter habe ich auf die Problematik hingewiesen, die mein Kollege Jens Reinbold herausgearbeitet hatte – nämlich dass vier von fünf Brücken abgängig sind und entweder nicht mehr ersetzt werden sollen oder ihr Neubau unverständlich teuer wird. Jetzt ist der Reporter persönlich in die Eibia aufgebrochen, hat sie erwandert und dabei herausgefunden, dass die gegenwärtige „Brückenpolitik“ unzureichend ist. Die Formel „aus fünf mach’ zwei“ wird dazu führen, dass die Eibia als unverzichtbares Naherholungsgebiet an Reiz und Bedeutung verliert. Seine Bestandsaufnahme ist sehr lesenswert:
Auf der Suche nach “Überbrückungshilfen” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Von unserer Jüngsten im Reporterteam und ihrer glänzenden Reportage über eine Zeitungsausträgerin, die sie im tiefsten Frost und hohen Schnee begleitete, Johanna Scheele, hatte ich Ihnen vergangene Woche berichtet. Heute möchte ich Sie auf eine weitere, berührende, großartig geschriebene Reportage aus ihrer Feder aufmerksam machen: Johanna war zu Besuch im Lorishof in Benefeld, einer Seniorenwohnanlage. Im Dezember starben zehn der Bewohner und Bewohnerinnen nach einer Covid-19-Infektion. Im Gespräch mit Mitarbeitenden spürt unserer Reporterin der Frage nach, wie Bewohner, Pflegerinnen und Pfleger das erlebt haben. Was dabei herauskam, ist ein Gefühlsmix aus Lachen und Weinen, eine eindrückliche Beschreibung, wie Menschen in Zeiten großer Bedrohung und Trauer zusammenrücken.
Ein Einblick: “Corona im Seniorenheim” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Vergangene Woche waren für das Wochenende noch Tiefsttemperaturen und klirrend kalter Winter angesagt. Heute und morgen erwartet uns Frühlingswetter – ich freue mich sehr drauf, die Winterkleidung etwas beiseite legen zu können - Sie auch?
Ihr Rolf Hillmann
Wo beginnen Vorteilsnahme und Korruption? - Meinung - Walsroder Zeitung
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