Viel Wind um nichts

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Ausgabe #88 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen- und -Leser,
da flattert uns eine Pressemitteilung ins Haus, was in einer Tageszeitungsredaktion etwas Alltägliches ist. Verbände, Organisationen, Institutionen, Parteien, Gewerkschaften – sie alle haben etwas mitzuteilen und wenden sich an uns, damit wir ihre Neuigkeiten verbreiten. Selbstverständlich werden diese Pressemitteilungen aufmerksam gelesen und sorgfältig bearbeitet. So geschehen auch in der vergangenen Woche, als eine Tierrechtsorganisation uns mitteilte, dass sie Anzeige erstattet habe gegen den Betreiber einer Schliefenanlage im Heidekreis. Nur zur Information: Schliefenanlagen sind künstlich angelegte Röhrensysteme, die einem Fuchsbau nachempfunden sind und zur Jagdhundeausbildung genutzt werden. Auch lebende Füchse kommen dabei zum Einsatz.
Alle, die nicht mit Jagd zu tun haben, waren an der Stelle schon raus. Die einzige mit Jagdschein in unserer Redaktion ist meine Kollegin Märit Heuer. Also bat ich sie, sich das mal näher anzuschauen. Am nächsten Tag hatte die benachbarte Tageszeitung das Thema schon aufgegriffen. Ich war verärgert, denn ich lasse mir nicht gerne Themen vorsetzen. Ein kurzes Gespräch mit der Kollegin ergab, dass wir die Geschichte dennoch machen wollten, denn bei ihrer Recherche hatte Märit Heuer schon früh den Eindruck bekommen, dass da etwas nicht stimmen könne. Und in der Tat. Mehrere Telefonate und Gespräche später ist klar: Eine Schliefenanlage scheint es im Heidekreis gar nicht zu geben.  Niemand scheint etwas darüber zu wissen. Auch die Tierschutzorganisation selbst nicht. Bei ihr hat meine Kollegin ebenfalls nachgefragt. Den genauen Standort würde sie nicht kennen, lautet die Antwort. Stattdessen gibt die Organisation ihre Informationsquelle preis: Die Existenz einer Schliefenanlage im Heidekreis geht aus einer älteren Anfrage beziehungsweise Antwort des ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne) hervor. Leider liegt das mehr als zehn Jahre zurück.
Neben der Suche nach der Schliefenanlage im Heidekreis geht es im Artikel aber auch um die Frage von Sinn oder Unsinn der Fuchsjagd an sich, dazu kommt eine Vertreterin des Nabu zu Wort – und der Jägerschaftsvorsitzende aus Celle berichtet von seinen ganz eigenen, bitteren Erfahrungen mit Aktivistinnen und Aktivisten …

Peta klagt gegen Schliefenanlage im Heidekreis - aber gibt es die überhaupt? - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Am Ende der langen Recherche und der aufrüttelnden Pressemitteilung der Tierrechtsorganisation steht fest: Viel Wind um nichts. Zu einer Schliefenanlage oder anderen Methoden der jagdlichen Ausbildung mag jeder und jede stehen, wie er oder sie möchte. Bei der Kampagne der Tierrechtsorganisation ging es aber wohl nicht in erster Linie darum, konkrete Anlagen zu brandmarken und auf staatsanwaltlichem Wege möglichst schließen zu lassen – sondern schlicht und einfach um Aufmerksamkeit. Anzeige gegen Betreiber von Anlagen zu erstatten, die es gar nicht gibt, ist – je nach Standpunkt – albern oder unseriös. Auf jeden Fall stellt es die Glaubwürdigkeit in Frage. Ganz abgesehen davon: Wie erstattet man eigentlich eine Anzeige, wenn man weder den Namen des Betreibers hat, weil es den gar nicht gibt, noch weiß, wo sich die Anlage überhaupt befindet, weil es diese auch gar nicht gibt? Tatsache: Mit Tierschutz ist viel Geld zu verdienen – und je größer eine Organisation, desto größer ist auch der Bedarf an Einnahmen, um laufende Ausgaben, Gehälter und Kampagnen zu finanzieren.
Mit diesem kleinen Einblick hinter die Kulissen unserer Redaktion und der Empfehlung, auch den Leitartikel dieser Woche aus der Feder meiner Kollegin Märit Heuer zu lesen, wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende!
Rolf Hillmann
Zwischen Freizeitstress und Rückfahrticket in den Lockdown - Meinung - Walsroder Zeitung
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