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Schlimmer geht immer

Ausgabe #85 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
wie heißt es so schön: Schlimmer geht immer. Unter dieses Motto stelle ich nachträglich die jüngsten Arbeitswochen bei uns in der Redaktion. Seit Anfang des Sommers plagen uns immer mal wieder krankheitsbedingte Ausfälle, von denen wir hofften, dass das mal aufhört. Doch im Gegenteil – eine Stütze unserer Redaktion laboriert nun schon seit Wochen mit und an den Folgen ihrer Corona-Infektion; mich selbst hatte es auch erwischt. Und als ich wieder genesen war, meldete sich eine weitere Redakteurin mit Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber ab. Am nächsten Tag zeigte ihr Schnelltest den berühmt-berüchtigten zweiten Strich. Und weil all das noch nicht reichte, folgte auch noch ein weiterer Redakteur, der sich dann am vergangenen Sonntag bei mir meldete und berichtete, dass sein Schnelltest auch „positiv“ sei. Da wir aber auch mitten in der Urlaubszeit sind, kamen mein Kollege und Stellvertreter Jens Reinbold und ich uns vor wie bei dem Zählreim-Lied, das mit zehn Akteuren beginnt, und wo es dann irgendwann heißt „ … da waren es nur noch fünf.“
Doch die Redaktion der WZ wäre nicht diese Redaktion, wenn sie nicht ungewöhnlich stark zusammenhalten würde. Meine Kollegin Sarah Langemeyer, die am Wochenende schon in den Urlaub gefahren war, meldete sich und sagte, dass sie vorsichtshalber ihren Laptop mitgenommen habe. Und so schaltete sie sich am Montag quasi aus dem österreichischen Homeoffice zu, um zu helfen. Meine Kollegin Märit Heuer, seit Wochen mit Fieber, bot ebenfalls ihre Hilfe an und arbeitete stundenweise aus dem Homeoffice. „Alle“ anderen letzten Mohikaner krempelten die Ärmel hoch, übernahmen Aufgaben, die sie zum Teil seit Jahren nicht mehr gemacht hatten, und trugen ihren Teil dazu bei, dass die WZ und ihre digitalen Produkte weiter in der gewohnt soliden Qualität erschien. Und obwohl ich es schon aus anderen Phasen wusste, kann ich auch dieses Mal diesem verdammt starken Team nur Danke sagen.
Schlimmer geht immer. Dieses Motto gilt auch bei dem, was wir seit Jahren und in diesem Sommer verstärkt in den USA und in England erleben. Die amerikanischen Republikaner und die englischen Konservativen haben sich mit Trump und Johnson an dauerlügende Populisten ausgeliefert, und trotz des Überfalls auf das Kapitol in Washington und des Brexits in England, bei dem nicht ein Versprechen eingehalten wurde, scheinen die Mitglieder dieser Parteien nicht aufzuwachen. Besonders die Entwicklungen in den USA, wo ultrarechte Richter die Grundwerte der liberalen Gesellschaft torpedieren, wo 18-Jährige zwar Schnellfeuerwaffen, aber kein Bier kaufen dürfen und wo sogar das Abtreibungsrecht gekippt wurde, besonders diese Entwicklungen machen einem angst und bange. Wenn diese Demokratien ins Wanken geraten – und diese Sorge ist angesichts der Absicht des Supreme Courts berechtigt, das Wahlrecht grundlegend zu verändern – dann gehen auch in Europa bald die Lichter aus.
Und das alles erleben wir in einer Zeit, während der in der Ukraine weiter der russische Angriffskrieg tobt, die Weltwirtschaft durch zusammengebrochene Handelsketten wankt, die Erdgas-Versorgung für den nächsten Winter mehr als unsicher ist, die Preise für Energie und Lebensmittel drastisch steigen und immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze rutschen. Nebenkostenabrechnungen und Mieten werden zu unbezahlbaren Kostenfallen. Und so sehr die „Zeitenwende“-Rede von Kanzler Olaf Scholz am 27. Februar aufrüttelte, so ernüchternd perspektivlos ist das, was der Kanzler gegenwärtig von sich gibt. Auf die Frage in einer Talk-Show, wie den Menschen geholfen werden kann, kommen Sätze wie diese: „Wir sind gewillt zu gucken, was man unternehmen kann, um Unternehmen zu stützen“ oder „Wir sind fest entschlossen, niemanden alleine zu lassen.“
Werfen wir zum Abschluss noch einen kleinen Blick auf den Heidekreis: Mit Spannung erwarten wir am kommenden Dienstag die Entscheidung des Kreistages zum Bau des neuen Heidekreis-Klinikums. Fast zwei Jahre nach der Grundsatzentscheidung, die Planungen voranzutreiben, und gut ein Jahr nach dem Bürgerentscheid mit der Standort-Festlegung muss der Kreistag jetzt entscheiden, ob mit dem vorliegenden Finanzierungskonzept (und einem Eigenanteil von rund 56 Millionen Euro) die konkrete Umsetzungsphase gestartet werden soll. Nach der Finanzierungszusage des Landes in Höhe von knapp 200 Millionen Euro scheint ein „Go“ des Kreistages als sicher – die Frage ist nur, mit welchem Ergebnis. Es wäre schön, wenn sich auch möglichst viele Kreistagsabgeordnete aus dem Nordkreis zu einem klaren „Ja“ durchringen könnten. Denn der Erfolg des Projekts wird auch davon abhängen, ob es von Anfang an von vielen gewollt wird. Eine Haltung, die die Befindlichkeiten der Vergangenheit in den Mittelpunkt stellt, wäre fatal. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Ehepaar Thorey-Elbers/Elbers zu. Silke Thorey-Elbers ist Kreisvorsitzende, Otto Elbers ist Kreistagsabgeordneter. Er war das Gesicht des Bürgerbegehrens und des Widerstandes im Nordkreis gegen den Standort Bad Fallingbostel. Wenn beiden etwas an der Einheit des Landkreises und an dem Heidekreis-Klinikum liegt, stimmen sie für den Neubau – ohne Wenn und Aber. Wir dürfen gespannt sein.
 
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Rolf Hillmann

Die Scheu vor einem Paradigmenwechsel im Straßenverkehr - Meinung - Walsroder Zeitung
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