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Nichtgeimpfte werden ungeduldig

Ausgabe #27 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Freunde des „Roten Fadens“,
in diesen Tagen kehrt ein wenig Normalität zurück in den Alltag. Restaurantbesuche sind wieder möglich, das Einkaufen unterliegt nur noch wenigen Einschränkungen und – vielleicht das Wichtigste – die Kinder gehen ab Montag wieder täglich zu Schule.
Wir erinnern uns: Vor genau einem Jahr hatte der Heidekreis einen Inzidenzwert von zwei, insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt lediglich drei Personen mit dem Corona-Virus infiziert. Die Schulen blieben trotzdem drei weitere Wochen geschlossen, auch das „normale“ Leben war stark eingeschränkt. Heute liegt der Inzidenzwert achtmal so hoch, auch wenn er tendenziell eher sinkt als steigt. Wir haben viel gelernt in den vergangenen 52 Wochen, aus heutiger Sicht etwa wirkt es nahezu grotesk, sich eine einfache Stoffmaske vor das Gesicht zu klemmen. FFP2-Masken sind da wohl angebrachter.
In weiteren 52 Wochen, also im Mai 2022, spielt das Virus hoffentlich keine große Rolle mehr im gesellschaftlichen Leben. Womöglich wird das Händeschütteln ausfallen, ansonsten wird hoffentlich der Vor-Pandemie-Zustand wieder einkehren – mit allem, was dazugehört: Feiern, Urlaub, Freunde treffen.
Die Impfungen spielen dabei eine große Rolle. Aktuell ist fast die Hälfte der „Impffähigen“ in Deutschland mit der ersten Dosis versorgt, in einer Woche wird dann die Priorisierung aufgehoben. Schon jetzt steigt die Ungeduld einiger, die noch keinen Impftermin haben. „Jeder ist sich selbst der nächste“, sagt der Walsroder Hausarzt Dr. Schlake und erzählt von den Erfahrungen in seiner Praxis, in der das Telefon kaum mehr stillsteht. Unsere Redakteurin Johanna Scheele hat mit ihm und seiner Kollegin Christiane Rösler gesprochen.

Corona-Impfung: Hausärzte geraten unter Druck - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Um dieses Thema dreht sich auch der Leitartikel von meiner Kollegin Märit Heuer. Denn im gleichen Maße, wie Ungeimpfte ungeduldig werden, geraten Geimpfte in einen Rechtfertigungszwang. Ein wenig Argwohn macht sich in der Gesellschaft breit: Warum ist der schon geimpft und ich noch nicht? Wann wird aus Argwohn Neid – und ist es nicht eher so, dass man sich über und für jeden freuen sollte, der das Vakzin erhalten hat?
Geimpfte, Ungeimpfte, Mediziner: Alle sind im Rechtfertigungszwang - Meinung - Walsroder Zeitung
Angesichts der Pandemie ist etwa ein Thema wie der Klima- und Umweltschutz etwas in den Hintergrund gerückt. Bemühungen, Artenvielfalt zu erhalten und Klimaziele einzuhalten, klingen nach bundespolitischer Bühne, dabei kann im Prinzip jeder seinen Anteil leisten. Das eigene Mobilitätsverhalten zu überprüfen, gehört dazu – aber auch die Gartengestaltung. Sogenannte Schottergärten, die Hauseigentümer anstatt von Grünflächen anlegen, wirken da kontraproduktiv. Sie können kein Wasser speichern, heizen die Luft auf – und Insekten finden dort kaum Brauchbares. Doch was die wenigsten wissen: Diese Gärten sind in Niedersachsen auch gar nicht zulässig, die Landesbauordnung untersagt explizit das Anlegen solcher Flächen. Trotzdem sind sie bislang stillschweigend hingenommen worden, die Stadt Walsrode will dem allerdings nun einen Riegel vorschieben.
Was genau die Stadtverwaltung vorhat, habe ich zusammengetragen.
Stadt Walsrode nimmt Schottergärten ins Visier - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ohnehin verboten sind Graffiti an Gebäuden – zumindest dann, wenn der Eigentümer das nicht möchte. Die Samtgemeinde Ahlden und die Gemeinde Hodenhagen haben jedenfalls keine Zustimmung erteilt, dass das Badehäuschen und das ehemalige Bauhofgebäude am Volkslohgelände in Hodenhagen immer wieder mit Graffiti verunstaltet werden. Die Gemeinde hat nun eine Belohnung für Hinweise ausgelobt, die zu den Sprayern führen. Kleine Randnotiz dabei: Mit den dort aufgesprühten Worte “Ich bin der nette Mann” sowie “Himmel, Arsch und Zwirn” und einem “BÖ” konnten weder die Verantwortlichen in der Gemeinde und Samtgemeinde, noch unser Redakteur Dirk Meyland zunächst etwas anfangen. Erst nach Veröffentlichung wurde deutlich, dass es sich beim Täter offenbar um einen Fan der Rockband „Böhse Onkelz“ handeln könnte. Insofern gibt es nun eine Spur.
Graffiti in Hodenhagen: Wer ist der “nette Mann”? - Ahlden - Walsroder Zeitung
Bleiben Sie munter – und freuen Sie sich über die zurückgewonnenen Freiheiten.
Jens Reinbold
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