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Nachrichten und Naturnutzung – wie viel ist noch gesund?

Ausgabe #81 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
Medienwissenschaftler haben 1000 Bundesbürger befragt und zudem sogenannte „Tiefeninterviews“ geführt, um herauszufinden, was die Nachrichten über Ukrainekrieg, Corona-Pandemie und Klimawandel mit den Menschen machen. Demnach breite sich zunehmend Nachrichtenmüdigkeit aus, noch schlimmer: Es wachse der Trend zum Wegsehen. Die Symptome der Mediennutzer reichten bis zum Burnout. Je länger der „Horror“ anhält, desto geringer ist offensichtlich die Bereitschaft, aktuelle Entwicklungen weiter zu verfolgen und sich auf dem Laufenden zu halten. Selbstverständlich kann das auch eine Reaktion auf zu viele schlechte Nachrichten sein – einfach die reale Welt ausblenden. Und Psychologen raten schon lange, den Nachrichtenkonsum nicht zu übertreiben und nicht permanent die Nachrichten- und Ereignissender zu verfolgen. Sich allerdings gar nicht mehr zu informieren, ist wohl auch keine Lösung.
Zwar haben wir es im Heidekreis und in unserem Verbreitungsgebiet weniger mit den ganz alarmierenden und schrecklichen Nachrichten zu tun, aber dennoch passiert in der Region genug. Genauer gesagt sogar so viel, dass die Feuerwehr in Walsrode einen „Rekord“ vermelden musste. Sie registrierte in der vergangenen Woche bereits Vorfall Nummer 149 in diesem Jahr. Zum Vergleich: Die Gesamteinsatzzahlen der Vorjahre bewegten sich insgesamt zwischen 136 und 156. Rund um die Uhr wurden die freiwilligen Brandschützer zu Feuer, Unfällen, Hilfeleistungen oder der Beseitigung von Sturmschäden gerufen. Das alles stellt selbstverständlich auch Beruf, Familie und Gesundheit auf eine harte Probe. 
Mit „Moin, moin, sind gut in Kovel angekommen“, meldete sich einer der Alltagshelden aus unserer Region, der Vorsitzende der Kinderhilfe Kovel, Michael Haacke, aus der gut 1200 Kilometer entfernten Stadt in der Ukraine. Am vergangenen Sonnabend war er mit 21 Ukrainerinnen in die Stadt nordwestlich des derzeit von Russland angegriffenen Landes aufgebrochen. Mit im „Gepäck“ hatten sie zahlreiche Spenden und Hilfsgüter, aber auch einen voll ausgestatteten Rettungswagen, gespendet von DRK und Kinderhilfe-Verein. Am Montag haben „wir den Krankenwagen an das Central Krankenhaus übergeben. Im Gegenzug geht das etwas ältere Modell an die Front“, berichtete Haacke für die WZ aus Kovel. Die Situation vor Ort sei ruhig, zwar gebe es eine Ausgangssperre zwischen 23 und 5 Uhr und Checkpoints vor der Stadt, aber bislang keinen Luftalarm.
Wenn es um die Energiewende im motorisierten Verkehr geht, könnte Walsrode demnächst eine Schlüsselrolle im norddeutschen Raum einnehmen: Die Firma GP Joule aus dem nordfriesischen Reußenköge plant, in den kommenden zwei Jahren eine Wasserstofftankstelle im A27-Park zu errichten. Das Unternehmen wird auf einem etwa 5000 Quadratmeter großen Grundstück einen siebenstelligen Euro-Betrag in die Hand nehmen – und damit in Bezug auf die Energiewende gewaltig in Vorleistung gehen. Das Angebot richtet sich vor allem an den Schwerlastverkehr – bis zu 500 Kilometer Reichweite sollen mit der dahinterstehenden Technik der Brennstoffzelle bei Lkw möglich sein. Ein Problem ist das aktuell noch sehr dünne Tankstellennetz. Deutschland ist europaweit zwar Vorreiter mit knapp 100 Angeboten (in ganz Europa sind es nur 130), dennoch müssen Fahrten gut geplant werden. Weiteres Manko: Die Brennstoffzellen-Technik ist teuer, die Produktionskosten sind nach wie vor sehr hoch.
Wann kommt es schon einmal vor, dass Bomlitz im Radio erwähnt wird und sogar eine „Spitzenposition“ in ganz Deutschland einnimmt? Grund dafür war der Spritpreis an Tankstellen in Benefeld und Bomlitz am vergangenen Mittwoch, als der Preis für einen Liter Diesel dort plötzlich auf 1,69 Euro fiel. Zum Vergleich: Im nordrhein-westfälischen Willich kostete der Liter Diesel an einer Tankstelle zeitgleich 2,50 Euro – also satte 81 Cent mehr pro Liter. Selbst im Vergleich zu Anbietern in Walsrode war der Treibstoff noch 30 Cent günstiger.
Mit der Frage, wie viel Nutzung die Natur eigentlich verträgt, befasse ich mich in meinem aktuellen Leitartikel. Dahinter stehen die Diskussionen über das kommerzielle Nutzugsverbot des Walsroder Stadtwaldes Eckernworth und die Probleme der Bootsstation in Dorfmark, die vor dem Aus steht. Nach meiner Meinung sind die Verordnungen, Handhabungen und Erlasse der Kommunen noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie schaffen stattdessen Ungleichheiten, werfen mehr Fragen als Antworten auf und sollten auf jeden Fall noch einmal nachgesteuert werden.

Wald und Natur schützen - aber mit Augenmaß - Meinung - Walsroder Zeitung
Ich verabschiede mich nun in einen kurzen Urlaub und wünsche Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende.
Rolf Hillmann
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