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Nach dem Urlaub ist vor der Wahl

Ausgabe #39 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
 
als ich vor vier Wochen den letzten Newsletter an Sie schrieb, lag ein dreiwöchiger Urlaub vor mir – aber auch dieses Mal hat sich die Erfahrung bewahrheitet: Kaum hat der Urlaub begonnen, so ist er (gefühlt) auch schon wieder vorbei. Und als ich dann am zweiten Arbeitstag bei einer großen Wahlkampfveranstaltung des CDU-Kanzlerkandidaten war, gehörten die freien Wochen unwiederbringlich der Vergangenheit an. Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder, zitierte ich im Geiste Goethes Faust, als ich die Wahlkämpfer dort vor mir sah - wohlwissend, dass die nächsten sechs Wochen extrem arbeitsreich werden. Denn in drei Wochen finden die Kommunalwahlen samt Bürgermeister- und Landratswahlen statt, zwei Wochen später die Bundestagswahlen. Für uns in der WZ-Redaktion bedeutet das fast jeden Tag Ausnahmesituation, denn parallel zu den aktuellen Ausgaben müssen wir die Wahlberichterstattung und die vielen zusätzlichen Informationsangebote wie beispielsweise Podiumsdiskussionen vorbereiten.
Aber es gibt ja nicht nur Wahlkampf, sondern auch die vielen regionalen und überregionalen Ereignisse, die außergewöhnlich sind. Was in Afghanistan gegenwärtig passiert, ist erschütternd und wirft unzählige Fragen auf. Es macht aber auch wieder deutlich, wie schnell Auswirkungen internationaler Politik vor unserer Haustür stattfinden können. Wie schon vor sechs Jahren könnten schon bald Flüchtlinge, diesmal aus Afghanistan, nach Oerbke kommen. Eine Aufnahme von afghanischen Ortskräften und ihren Familienangehörigen ist im Ankunftszentrum Bad Fallingbostel-Oerbke derzeit zwar nicht vorgesehen, wie eine Sprecherin des Niedersächsischen Innenministeriums auf Anfrage der Walsroder Zeitung mitteilte. Aber Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hat öffentlich neben Friedland eben doch Bad Fallingbostel als möglichen Ort für die Aufnahme ausgeflogener Menschen aus Afghanistan genannt. Für mich ist es absolut nicht unwahrscheinlich, dass neben dem Ankunftszentrum auch „Oerbke-Ost“ für die Aufnahme von bis zu 1000 Flüchtlingen genutzt wird. So weit ist es zwar noch nicht, aber wie gesagt – es sollte mich nicht wundern. Lesen Sie einstweilen den Bericht meines Kollegen Manfred Eickholt, der dazu recherchiert hat.

Vorerst keine afghanischen Ortskräfte im Ankunftszentrum Bad Fallingbostel-Oerbke - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Der Kommunalwahlkampf „tobt“ auf den Straßen, und ein Thema droht dabei vereinnahmt zu werden, obwohl es eigentlich nicht zum Wahlkampf taugt: Die Einrichtung einer Integrativen Gesamtschule. Die Schulleiter von drei Oberschulen und der Kreisschulausschussvorsitzende luden deshalb zu einem Gespräch ein. Die Schulleiter lehnen die Einrichtung einer IGS strikt ab. Einerseits befürchten sie, dass ihre Schulstandorte geschwächt werden. Andererseits sehen sie die IGS nicht als Lösung, um das Gymnasium Walsrode, in dem es an Platz mangelt, zu entlasten. Aktuell läuft eine Strukturanalyse im Landkreis. Die Ergebnisse sollen im November der Öffentlichkeit präsentiert werden und zeigen, wie es mit der Schullandschaft weitergehen soll. Aktuell scheint die Tendenz der Kreispolitik ganz klar in Richtung einer IGS zu gehen. Die OBS-Schulleiter sehen ihre Befürchtungen auch deshalb bestätigt, da auch keine Elternbefragung geplant ist. Beim letzten Versuch, eine IGS einzurichten, war herausgekommen, dass die Eltern gar keinen Bedarf dafür sahen. Meine Kollegin Johanna Scheele hat sich in dieser Woche mit diesem Thema befasst, lesen Sie dazu ihre Artikel:
Streitfall IGS: Rektoren der Oberschulen melden sich zu Wort - Heidekreis - Walsroder Zeitung
FDP/BU lehnt IGS im Heidekreis ab - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Corona und kein Ende? Seit Montag gelten schon wieder leicht verschärfte Einschränkungen, weil die Zahl der Neuinfizierten ansteigt und der Schwellenwert von 35 drei Tage in Folge überschritten wurde. Dieser Trend ist bundesweit erkennbar. Unterdessen haben es die Menschen selbst in der Hand: Wer sich impfen lässt, so der Leiter des Kreisgesundheitsamtes Dr. Andreas Happersberger, schützt sich und andere. Auch führende Mitglieder des Corona-Krisenstabs im Heidekreis appellieren an die Bewohner: „Lassen Sie sich impfen!“ Manfred Eickholt sprach mit Dr. Happersberger und anderen Verantwortlichen.
“Impfen ist das einzige, was hilft” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Wie tolerant ist Walsrode? Diese Frage stellt sich im Zuge eines ganz außergewöhnlichen Projekts, das in Walsrode realisiert werden soll. Erst wollte Thorsten Lampe einen Christopher Street Day in Walsrode veranstalten. Nun scheint daraus ein Vielfaltsprojekt zu werden, das noch größer werden könnte. Zusammen mit dem Kunstverein Walsrode will Thorsten Lampe gleich mehrere Tage der Vielfalt zu zelebrieren. Johanna Scheele traf sich mit Lampe und stellt das Projekt vor.
Statt CSD soll der Tag der Vielfalt gefeiert werden - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Mit dem Thema Wahlen und dem Eindruck, dass sich immer weniger Menschen für die Mitgestaltung von Politik und Lebensraum interessieren, habe ich mich übrigens auch in meinem Leitartikel auseinandergesetzt. Klicken Sie einfach den Link am Ende des Newsletters an.
Einstweilen wünsche ich Ihnen ein angenehmes, spätsommerliches Wochenende!
Rolf Hillmann
Von Wahlstress, Bürgerpflicht und blutig erkämpftem Recht - Heidekreis - Walsroder Zeitung
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