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Keine Nachfragen, bitte

Ausgabe #18 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Planungssachstand des möglichen neuen Gesamtklinikums, Kriminalstatistik, Kreistagssitzung – und immer wieder Bürgerbegehren und Bürgerentscheid: Diese Woche, liebe Leserinnen und Leser, hatte es in sich. Und ich bin ganz ehrlich: Ein paar freie Tage zu Ostern werden wohl allen Beteiligten gut tun. Denn was ich mit großer Sorge beobachte, ist eine zunehmende Emotionalisierung der Auseinandersetzung um den Standort des Krankenhauses, von dem keiner weiß, ob es je gebaut wird. An den unsachlichen, feindlichen und an manchen Stellen gar nicht mehr entschuldbaren Ton in den Sozialen Netzwerken hat man sich ja schon fast gewöhnt, aber auch Pressemitteilungen der Initiatoren des Bürgerbegehrens rufen bei mir immer häufiger Irritation hervor. Da geht es scheinbar nur noch um Deutungshoheit und Verurteilungen, nicht mehr um Informationen.
Fast ist man geneigt, zu resignieren. Vor wenigen Minuten erhielt ich nun eine E-Mail der Initiatoren des Bürgerbegehrens, also derjenigen, die den Kreistagsbeschluss zum Standort des Klinikums bei Bad Fallingbostel durch den Bürgerentscheid am 18. April zum Kippen bringen wollen. Wir hatten sie zu einer Online-Podiumsdiskussion am 15. April eingeladen; diese Veranstaltung sollte live ausgestrahlt werden. Das wäre das erste Mal gewesen, dass die breite Öffentlichkeit die Möglichkeit gehabt hätte, nicht nur diese Herren direkt zu erleben, sondern auch Fragen per Chat in der Sendung zu stellen. Zu viert hätten die Herren auf dem Podiums sitzen sollen; ihnen sozusagen gegenüber Landrat Ostermann, HKK-Geschäftsführer Dr. Rogge und die Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und Sebastian Zinke. Aber Sie merken schon, ich schreibe die ganze Zeit im Konjunktiv. Diese Veranstaltung wird nun nicht stattfinden, weil die Initiatoren mit dem Hinweis abgesagt haben, dass sie eine unfaire Behandlung erwarten.
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich laut loslachen: Sie hätten doch bloß ihre üblichen Statements und Anschuldigungen aufsagen müssen. Und dass ich (wir) sie unfair behandeln würden, diese Unterstellung entbehrt jeglicher Grundlage. Vielleicht hätten sie sich mal bei den Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Kurhaus in Bad Fallingbostel erkundigen sollen: Diese nutzten das Angebot der vorproduzierten und während der Podiumsdiskussion eingespielten Videoclips, sie saßen auf dem Podium und vertraten offensiv ihre Meinung - von mir und meinem Kollegen Manfred Eickholt zwar kritisch, aber immer fair befragt: Und am Ende gewann die Bürgerbegehren-Seite.
Warum wir als Zeitung und Veranstalter die Absicht gehabt haben sollten, diese Herrschaften vorzuführen, ist mir ganz und gar schleierhaft. Allerdings hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass sie die Einladung zur Podiumsdiskussion nicht gerne angenommen hatten. Die Anfragen zur Produktion eines Videoclips beantworteten sie schon nicht mehr, was bei mir den Eindruck aufkommen ließ, dass sie die Veranstaltung absagen werden. Und auch die Frage, was denn Gegenstand ihrer Pressekonferenz am Freitag, 26. März, um 9 Uhr sein sollte, wurde nicht beantwortet. Bilden Sie sich selbst ein Urteil darüber. Für mich geht das in dieselbe Richtung wie die Tatsache, dass die Kommentarfunktion auf der Facebookseite des Bürgerbegehrens von Anfang an deaktiviert wurde: Keine kritischen Nachfragen, bitte!
Über den Sachstand der Planungen und den Architektenwettbewerb für den (möglichen) Neubau hatten in dieser Woche Klinikleitung und Fachleute informiert. Besonders interessant war zu hören, dass rund 2000 Verbesserungsvorschläge und Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Entwurfsplanungen eingeflossen sind. 

HKK-Neubau in Dorfmark “ist faktisch unmöglich” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Während die Kommunen im nördlichen Heidekreis in Sachen Gewerbeansiedlung noch weitgehend auf Einzelkämpfertaktik setzen, feierte „im Süden“ ein Bündnis gerade Geburtstag, das eine gewaltige Bilanz vorweisen kann: Deltaland. Seit zehn Jahren arbeiten die Städte und Samtgemeinden Walsrode, Bad Fallingbostel, Ahlden und Rethem sowie die Kreissparkasse und der Industriepark zusammen, um einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu bilden. Sie wissen, dass internationalen Betrieben, die sich ansiedeln wollen, die Gemeindegrenzen egal sind. Mein Kollege Dirk Meyland hat aufgeschrieben, was Deltaland ausmacht und schon bewegt hat.
Zehn Jahre Deltaland: Wirtschaftsförderung nun im Quadrat - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Und während sich „die Alten“ über den Krankenhausstandort streiten, wundern sich nur noch die Jungen, die mit dem Nord-Süd-Konflikt gar nichts anfangen können. Meine Kollegin Märit Heuer wohnte einer Informationsveranstaltung des Heidekreis-Klinikums bei und hat sich angehört, was junge Leute zu diesem Thema sagen. Tolle Zitate hat sie dabei aufgefangen.
HKK-Neubau: Wie denken junge Leute darüber? - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Seit fast drei Monaten streiken Bauern in Berlin, weil ihnen bürokratische und andere Vorgaben langsam, aber sicher im übertragenen Sinne die Luft zum Atmen rauben. Nur was passiert, wenn gut geführte deutsche Höfe dicht machen müssen? Wer kontrolliert dann, unter welchen Bedingungen die importierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse produziert wurden? Märit Heuer hat mit Streikenden und Betroffenen gesprochen. Lesen Sie dazu nicht nur den Artikel, sondern auch ihren Kommentar am Ende dieses Newsletters.
Landwirte wollen Insektenschutzpaket stoppen - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Und während die Gräben zwischen dem „Nord-“ und dem „Südkreis" gegenwärtig immer tiefer werden, plant der Landkreis ein Projekt, das die Städte Soltau, Bad Fallingbostel und Walsrode im wahrsten Sinne des Wortes verbinden soll: In diesem und im kommenden Jahr soll ein Fahrradweg zwischen Meinern, Riepe und Kroge gebaut werden. Das neue Teilstück bietet den Anschluss an den vorhandenen Weg Richtung Soltau und an Radwege Richtung Dorfmark, Visselhövede und Bomlitz. Der Landkreis hat mit 23 betroffenen Grundstückseigentümern gesprochen, um die erforderlichen Flächen kaufen zu können. Alle haben ihr Einverständnis erklärt. Es gibt also tatsächlich auch noch gute Nachrichten.
Neuer Radweg verbindet drei Städte - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Lassen wir uns also die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht nehmen – und damit meine ich nicht nur die weiteren harten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, sondern auch das „Klima“ in unserem Landkreis.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!
Rolf Hillmann
Wo sind die Perspektiven für die regionale Landwirtschaft? - Meinung - Walsroder Zeitung
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