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Gräben und Abgründe

Ausgabe #22 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Fast 14 Monate nach Beginn der Covid-19-Pandemie gilt ab heute eine weitere Verschärfung des Bundesinfektionsgesetzes, auch bekannt als „Bundesnotbremse“. Trotz Testen und Impfen ist ein realistisches Ende der Pandemie nicht in Sicht. Das gilt auch für den Heidekreis, wo die Inzidenzwerte zum Teil bei über 300 (Schwarmstedt), zum Teil aber auch bei null liegen.
Daran wird das Dilemma im Kleinen wie im Großen deutlich: Es gibt bundesweite Hotspots mit dramatischen Werten, aber auch Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Städte wie Flensburg, wo die Zahl der täglichen Neuinfektionen verschwindend gering ist. Der Heidekreis hat in Schwarmstedt reagiert und Schülerinnen und Schüler sowie Kindergartenkinder nach Hause geschickt. Die Situation ist dort alarmierend, da es schon seit Wochen nicht gelingt, den Infektionsherd, der lokal bekannt ist, in den Griff zu bekommen. Meine Kollegin Johanna Scheele und mein Kollege Manfred Eickholt haben sich des Themas angenommen, vor Ort recherchiert und auch den Landrat befragt.

Corona: In Schwarmstedt wird schon “gebremst” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Es war ein Zufall, aber dennoch hätte die Terminabfolge nicht besser sein können: Einen Tag nach dem verlorenen Bürgerentscheid zum Standort für das neue Heidekreis-Klinikum trafen sich in Bad Fallingbostel, keine zwei Kilometer vom potenziellen Bauplatz entfernt, die Juroren des Architektenwettbewerbs, berieten sich zwei Tage lang und ließen schließlich weißen Rauch aufsteigen: Einheitlich, einhellig und einstimmig hätten sie sich auf einen Entwurf für das neue Krankenhaus geeinigt, erklärte am Nachmittag des vergangenen Dienstags der Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums, Dr. Achim Rogge. Die Fachleute bestätigten dem Entwurf Ästhetik, hohe Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. 
Siegerentwurf erhält einstimmiges Votum der Jury - Heidekreis-Klinikum - Walsroder Zeitung
Und als das Preisgericht zum Ende kam, saßen wiederum wenige Hundert Meter entfernt zwei Männer bei frühlingshaften Temperaturen auf einer Terrasse und praktizierten „Versöhnung über den Gräben“. Ein Nein-Sager und ein Ja-Sager, das waren die „verfeindeten Lager“ aus dem Nord- bzw. Südkreis beim Bürgerentscheid, die sich nur als Gegner aus dem sozialen Netzwerk Facebook kannten, trafen zusammen, tauschten sich aus und bewiesen, dass es trotz heftiger Streitigkeiten und Anfeindungen auch eine gemeinsame Zukunft in „einem“ Heidekreis geben kann. 
Wenn sich Ja-Sager und Nein-Sager “analog” zum Bier treffen - Heidekreis-Klinikum - Walsroder Zeitung
Lesen Sie dazu auch meinen heutigen Leitartikel am Ende des Newsletters und in der Walsroder Zeitung, der sich mit dem Krankenhaus-Neubau als liebgewonnenes „Spaltungsthema“ befasst, an dem bestimmte Kräfte auch weiterhin ein großes Interesse haben.
Welche menschlichen Abgründe es eben auch in diesem Heidekreis gibt, erleben die Prozessbeobachter, die gegenwärtig jede Woche der Verhandlung vor dem Landgericht in Lüneburg folgen, wo ein junger Mann angeklagt ist, im vergangenen Sommer ein Lehrerehepaar in Neuenkirchen getötet zu haben. Mein Kollege Jens Reinbold ist für die WZ und ihre Leser ständig vor Ort, um die Entwicklung des Prozesses live zu beobachten.
Er berichtete seinerzeit schon über den Mord an einer Kassiererin in einem Getränkemarkt in Rethem, für den ebenfalls ein junger Mann schuldig gesprochen wurde. Auch damals war er oft erschüttert und betroffen von dem, was bei der Verhandlung zu Tage trat. In diesem Fall sei es aber noch schlimmer, berichtete er in der Redaktionskonferenz. Da geht es um eine toxische Beziehung einer seinerzeit 15-Jährigen zum mutmaßlichen Mörder, um narzisstische, mindestens aber soziopathische Züge von jungen Menschen, bei denen man sich fragt, was in deren Kindheit und Jugend alles schiefgelaufen sein mag.
Neuenkirchener Mordprozess: “Maurice L. war der Freundin fast hörig” - Walsroder Zeitung
Aber es gibt auch gute Nachrichten aus der Region: „Auch direkt vor unserer Haustür in Niedersachsen sind viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht“, steht auf der Website von „Artenglück“ zu lesen. Hinter dem Start-up stehen junge Leute, Felix Schulze-Varnholt, Christoph Thieße und Lara Boye. Sie wollen aktiv werden und gegen das Tier- und Pflanzenarten-Sterben etwas unternehmen - und zwar bunt, summend und duftend: mit Blühfeldern. 
“Artenglück” startet in die erste Blühsaison - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Und auch eine Never-Ending-Story neigt sich derzeit tatsächlich ihrem Ende entgegen – man höre und staune. Nach jahrelangen Streitigkeiten, ob überhaupt und wenn ja, wie das Rathaus in Rethem saniert werden soll, steht jetzt der Wiedereinzug vor der Tür. Das historische Gebäude ist mit einem siebenstelligen Finanzaufwand komplett saniert worden. Nur noch wenige Tage, dann erfolgt der Umzug, die Arbeiten im Inneren sind so gut wie abgeschlossen. Dirk Meyland war vor Ort und konnte sich von einer gelungenen Sanierung überzeugen.
Rethemer Rathaus: “Rückumzug” steht bevor - Heidekreis - Walsroder Zeitung
20 Grad, ein laues Lüftchen und Sonne – so könnte spätestens morgen das Wetter werden. Das wünsche ich Ihnen (und mir) – und vor allem etwas Ruhe und Erholung!
Rolf Hillmann
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - Meinung - Walsroder Zeitung
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