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Fake-News: Glauben Sie nicht alles!

Ausgabe #41 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und Leser,
Sie erinnern sich noch: Vergangene Woche schrieb ich an dieser Stelle, dass die Ankunft afghanischer Schutzsuchender bevorstehe. Da wusste ich noch nicht, wie viele überhaupt kommen werden, wie lange sie bleiben, wo genau sie untergebracht werden. Bei einer Pressekonferenz erfuhr ich, dass im Laufe des vergangenen Wochenendes rund 115 Frauen und Männer aus Afghanistan eintreffen würden. Dem war auch so. Derzeit leben rund 100 Geflüchtete, rund die Hälfte sind Kinder, in dem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geleiteten und vom DRK-Kreisverband Fallingbostel geführten Camp Ost in Oerbke.
In einem Sozialen Netzwerk bekam ich vergangenen Sonntag einen Kommentar zu meinem Aufruf, diese Menschen freundlich zu begrüßen. Sie hätten die vergangenen Tage und Wochen in großer Angst um ihr Leben verbracht. In diesem Facebook-Kommentar teilte der Verfasser mit, er habe „gerade eben“ afghanische Flüchtlinge in Gewändern, junge Männer, in Bad Fallingbostel gesehen. Sie sahen nicht traumatisiert aus. Es sei falsch, was ich geschrieben habe. Fast war ich versucht, darauf zu antworten, ließ es dann aber bleiben. Ich fragte mich, was uns diese Meinung sagen sollte? Weil die afghanischen Geflüchteten nicht dem Opferbild dieses Schreibers entsprachen, sollten sie wieder zurückgeschickt werden? Unterdessen behauptete eine bekannte AfD-Politikerin in einer Talkshow, dass „Hunderttausende“ aus Afghanistan Geflüchtete nach Deutschland kommen würden - was schon keine Übertreibung mehr war, sondern eine glatte Lüge.
Verwirrung, Angst und Misstrauen als Strategie
Apropos Lüge und Fake-News: Wussten Sie, dass Falschnachrichten (Fake-News) auch im Gehirn „verhaften“, auch wenn über ihre falschen Inhalte aufgeklärt wird? Denn das Gehirn löscht falsche Informationen nicht einfach wie auf Knopfdruck, wenn sie sich als falsch herausstellen, sondern hält weiter an ihnen fest. Mit diesem Phänomen, das sich schon der ehemalige US-Präsident in seinen Wahlkämpfen zu eigen machte und das wohl auch ein Grund war, warum er so oft log, befassen sich Wissenschaftler seit Jahren. Die Strategie, die dahinter steht, ist klar: Verwirrung stiften, Misstrauen schüren, Ängste und Aggressionen entfachen. Fake-News sollen Gesellschaften destabilisieren. Falschmeldungen werden bewusst in die Welt gesetzt, um politische Gegner zu schwächen. Auch im Bekanntenkreis erlebe ich immer wieder, dass mit vermeintlichen Fakten nur so um sich geschmissen wird, ohne sie zu hinterfragen. Die dümmste Antwort, die ich mal bekommen habe, als ich fragte, woher derjenige das denn wüsste, war: Das kann man überall nachlesen, das steht doch im Internet.
Warum schreibe ich das, ausgerechnet heute? Ganz einfach: In Deutschland und im Heidekreis tobt der Wahlkampf. Nun will ich weder den meisten Parteien noch den Wahlkämpfern in unserer Region unterstellen, dass sie mit Fake-News arbeiten, aber es liegen zumindest Bürgerentscheide hinter uns, bei denen es im Vorfeld mit der Wahrheit auch nicht so ernst genommen wurde. Ich kann mich noch daran erinnern, als es 2008 um die Fusion von Walsrode, Bad Fallingbostel und Bomlitz ging und auch erbittert darüber gestritten wurde, ob diese Fusion nun gut oder schlecht wäre. Das Ergebnis ist bekannt: Die Mehrheit in Bad Fallingbostel war gegen die Fusion, was das Scheitern der Pläne bedeutete. Bei einer Podiumsdiskussion der WZ in der Stadthalle wenige Tage vor der Abstimmung parkte ein großes Fahrzeug vor der Halle. Es war dekoriert mit einem Banner, auf dem sinngemäß stand: Bei einer Fusion werden die Bäder in Bad Fallingbostel geschlossen. Das waren schon vor 13 Jahren Fake-News. Von einer Bäderschließung war zu dem Zeitpunkt nie die Rede – und schon gar nicht explizit von denen in Bad Fallingbostel. Doch das Argument war immer wieder zu hören und hatte sicherlich auch Einfluss auf die Wahlentscheidung.
Podiumsdiskussionen: Noch sind Plätze frei
Nächstes Wochenende werden im Heidekreis Stadt- und Gemeinderäte, Bürgermeister und der Landrat neu gewählt. Parallel dazu geht der Bundestagswahlkampf weiter. Die WZ-Redaktion wird im Vorfeld und bei allen Wahlentscheidungen am Ball sein, aktuell berichten und versuchen, die notwendigen Informationen für eine fundierte Wahlentscheidung zu liefern. Ab Montag finden vier Podiumsdiskussionen zu den Bürgermeister- und Landratswahlen statt, zwei Wochen später eine zur Bundestagswahl. Nutzen Sie unsere Angebote, nehmen Sie an den Veranstaltungen teil (wenn es noch Plätze gibt) oder schauen Sie sich die Landratskandidaten bei der Liveübertragung im Internet an. Besonders würden wir uns über Fragen per E-Mail oder in den Kommentarspalten bei der Internetübertragung freuen.

WZ-Podiumsdiskussionen: Anmeldung erforderlich - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Zum Schluss möchte ich Ihnen zwei Lesehinweise geben: In unserer Wochenendausgabe berichtet meine Kollegin Johanna Scheele über Wolfgang Braun, der nach 67 Jahren seine Jugendfreundin wiedersehen möchte. Ob sich jemand auf den Artikel meldet? Lebt Hildegard noch? Gibt es ein Wiedersehen? Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Nach 65 Jahren: Wolfgang sucht Hildegard - Heidekreis - Walsroder Zeitung
In meinem Leitartikel befasse ich mich in dieser Woche mit Rassismus in der Sprache und ob es übertrieben ist, dass die N-, M- und Z-Wörter nicht mehr benutzt werden sollten. Klicken Sie einfach weiter unten auf den Kommentar.
Fast bin ich geneigt, Ihnen ein schönes Wochenende „im Altweiber-Sommer“ zu wünschen, frage mich aber, ob auch diese Bezeichnung noch zeitgemäß ist?
Egal: Genießen Sie die Sonne und erholen Sie sich!
Rolf Hillmann
Der Schokokuss kann nur der Anfang sein - Heidekreis - Walsroder Zeitung
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