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Es regnet Impfstoff

Ausgabe #53 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Rote-Faden-Leserinnen und -Leser,
man könnte denken, die Corona-Pandemie ist ein Lackmustest, um die Dummheit und Verworrenheit einiger Menschen besser sehen zu können. Der offenbar gefälschte Impfausweis von Werder-Bremen-Trainer Markus Anfang ist da – Achtung, Wortspiel! – noch nicht das Ende der nach oben offenen Blödheitsskala. In Österreich etwa nehmen manche Menschen nun Pferde-Wurmkuren zu sich – sie leiden zwar nicht an Wurmbefall, aber irgendjemand hat in irgendeiner Die-Impfungen-sind-Müll-Echoblase geschrieben, dass dieses Mittelchen gegen das Corona-Virus helfen soll.
Sie glauben, es geht nicht abstruser? Bitteschön: Vor einer Demonstration im Nachbarland gegen die Corona-Politik der dortigen Bundesregierung verbreitete sich das Gerücht, das Innenministerium würde Hubschrauber einsetzen, um die Menge von oben mit dem Biontech-Impfstoff zu beregnen, quasi als Schauer-Immunisierung. Doch nicht nur von oben sollte die Gefahr kommen. Aus der Kanalisation würden die Demonstranten aus den Kanaldeckeln heraus durch die Schuhsohle zwangsgeimpft werden. Dass etliche Demonstranten Regenklamotten und hohe Stiefel mit Absatz trugen, kann da natürlich auch nur Zufall sein.
Aber auch hierzulande kann man sich mitunter nur entsetzt fragen, was mit manchen Menschen nicht stimmt. Aus dem Bekanntenkreis gibt es die Geschichte, dass ein Gruppenleiter einer Schicht seine Mitarbeiter auf die Testpflicht am Arbeitsplatz vorbereitete. Fünf von diesen 17 Kollegen waren zu dem Zeitpunkt ungeimpft. Einer dieser fünf stand umgehend auf und kündigte. Am nächsten Arbeitstag, als die Testpflicht einsetzte, meldeten sich die Ungeimpften allesamt krank.
Diese Beispiele zeigen, wie schnell sich Teile einer Gesellschaft in einer Stresssituation absondern, ja, sich regelrecht radikalisieren. Anderes Beispiel: In meiner Facebook-Zeitleiste teilen einige bis dato wirklich unaufgeregte und seriöse „Freunde“ plötzlich Inhalte von Russia Today. Angeblich, weil der „Medien-Mainstream“ hierzulande ja gesteuert sei. Nur um das einzuordnen: Russia Today wird zu 100 Prozent vom russischen Kreml finanziert, es dient der der Regierung als Instrument der russischen Außenpolitik. Wie kann man nur auf die Idee kommen, dass diese RT-Berichte ungeschminkt die Wahrheit zeigen?
Wir haben uns diese Woche – übrigens nicht staatsfinanziert – wieder für Sie im Landkreis umgeschaut, wie die Corona-Pandemie sich entwickelt und welche Auswirkungen das hat. Meine Kollegin Johanna Scheele etwa schaute bei einem Impftermin vorbei – und sah dabei vor allem eine lange Warteschlange.

Die “Impf-Schlangen” werden immer länger - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Zuhause bleiben müssen hingegen jene Menschen, die im Zuge einer infizierten Person in Quarantäne müssen. Was da genau gilt, hat mein Kollege Dirk Meyland zusammengetragen.
Corona: Quarantäne - und nun? - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Und schließlich habe ich im Leitartikel klar Stellung bezogen – und zwar für eine Impfpflicht in Deutschland.
Das große Missverständnis um die Freiheit - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Auch abseits der anhaltenden Pandemie tut sich im Heidekreis einiges. Da gibt es etwa ein Politiktalent aus Buchholz, das in der SPD Karriere machen könnte. Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten ist Aynur Colpan bereits, nun auch Bürgermeisterin von Buchholz. Rolf Hillmann hat sich mit der jungen Frau getroffen.
Die “alte Tante SPD” und ihre ungewöhnliche “Nichte” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ein weniger schöner Anlass zu berichten, ist der Prozess gegen einen 35-Jährigen, der im Mai in Bispingen seine Partnerin und ihre zwei Kinder ermordet haben soll. Vor dem Lüneburger Landgericht gab es gleich zu Beginn der Beweisaufnahme eine Überraschung. Ich war für die WZ in Lüneburg dabei.
Prozess um Dreifachmord in Bispingen: Richter verliest vermeintliches Geständnis - Bispingen - Walsroder Zeitung
Mithäftling spricht von Kontrollverlust beim Angeklagten - Walsroder Zeitung
Viel Lesestoff also für Sie in einer grauen Herbstzeit, in der die Corona-Pandemie so manche Veranstaltung unmöglich macht. Das ist zwar schade: Aber so bleibt Ihnen mehr Zeit zum Lesen der WZ. Nutzen Sie diese Möglichkeit – und schreiben Sie den Kollegen und Kolleginnen oder mir gerne Ihre Anmerkungen.
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Jens Reinbold
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