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"Ein Sammelsurium von Rabauken"

Ausgabe #45 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
jetzt ist der Wahlmonat September zu Ende; Landrat, Bürgermeister, Kreistag, Stadt- und Gemeinderäte und sogar der neue Bundestag sind gewählt. Was jetzt folgt, sind einige Wochen des vermeintlichen Stillstands, bis sich die neuen Gremien konstituieren und die neuen Chefs ihre Büros in den Rathäusern und im Kreishaus beziehen. Auf Bundesebene hat die hohe Zeit der Emissäre und Verhandlungsführer begonnen. In diesem Zusammenhang kommt diesem Wochenende eine wichtige Bedeutung zu. In Berlin werden sich die Verhandlungsteams der Parteien möglicher zukünftiger Regierungskoalitionen treffen.
Bei diesen Treffen wie auch bei der Zusammenarbeit zwischen Menschen, die neu gewählt wurden, geht es nicht nur um die Suche nach Gemeinsamkeiten, sondern vor allem auch um Formulierungen, Worte, Sprache. Welche entscheidende Rolle Worte spielen, konnte ich gerade wieder am eigenen Leibe erfahren. Im Vorfeld der Bundestagswahl, genauer am Sonnabend vergangener Woche, widmete ich den beiden aussichtsreichsten Direktkandidaten unseres Wahlkreises jeweils eine Seite. Wenige Tage vor der Wahl begleitete und beobachtete ich sie - und fasste meine Eindrücke in einer besonderen journalistischen Form, in einem Feature, zusammen. Dabei steht der persönliche Eindruck, die szenische Beschreibung, die Vermittlung von Atmosphäre im Vordergrund. Der Leser soll quasi durch die Augen und Ohren des Schreibers das Beschriebene wahrnehmen können.
Den späteren haushohen Wahlkreissieger Lars Klingbeil begleitete ich unter anderem zu einem Besuch bei der Bürgerinitiative Krelingen. In dem Feature schrieb ich am Tag vor der Wahl:
„Diese Bürgerinitiative ist ein kritischer Haufen, der einfach nicht akzeptieren will, was die Stadt Walsrode oder der Landkreis mit ihrem Dorf vorhaben. Ein Wald solle platt gemacht werden, damit ein Industriegebiet entstehen kann. Außerdem soll der jagdliche Schießstand auf fragwürdige Weise saniert und mit einem hohen Schutzwall aus belastetem Erdreich umgeben werden. Als das Gespräch nicht den Verlauf nimmt, den sich die Mitglieder der Bürgerinitiative wünschen, sprechen sie unverhohlen eine Drohung aus. `Wir werden uns Unterstützung suchen, wo wir sie bekommen´, sagt ausgerechnet Dieter Heitmann, ein SPD-Urgestein und früherer stellvertretender Bürgermeister von Walsrode. Das hört der Bundestagsabgeordnete und -kandidat nicht gern und wird deutlich: `Ich bin hier, um euch zu verstehen. Aber wenn ihr meint, dass ich sofort eurer Meinung sein muss, habt ihr euch getäuscht.´ “
Als ich das schrieb, kam mir nicht in den Sinn, dass die Formulierung „kritischer Haufen, der nicht akzeptieren will ….“ völlig missverstanden werden könnte. Jedenfalls dauerte es nicht lange, da gab es Leserbriefe. Nur ein Beispiel einer „Übersetzung“ aus einem Leserbrief: „Die Bürgerinitiative sei ein Sammelsurium von Rabauken, die unberechtigter Weise gegen sakrosankte Beschlüsse von Stadt oder Landkreis aufbegehren“ – so oder so ähnlich wurde die Passage aus meinem Feature verstanden. Gemeint war meinerseits natürlich, dass es sich um Dorfbewohner, Menschen, Leute handelt, die um ihr Dorf kämpfen und sich Beschlüsse von Stadt und Landkreis nicht gefallen lassen wollen.
Hätte es jetzt nur einen Leserbrief gegeben, hätte ich innerlich einen Haken gesetzt - aber es war gleich eine ganze Reihe mit ähnlichem Inhalt. Natürlich kennen wir das Phänomen, dass sich Leute absprechen und eine Leserbriefkampagne starten, um ihrer Kritik, Forderung und Selbstwertgefühl mehr Geltung zu verschaffen. Aber in diesem Fall wunderte ich mich über die Missdeutung dessen, was ich geschrieben und gemeint habe, doch sehr. Sicherlich hätte es charmantere Formulierungen gegeben, aber einen „kritischen Haufen“ mit einem „Sammelsurium von Rabauken“ gleichzusetzen, das ist so, als wenn man unterschiedliche Sprachen spricht. Ich frage mich, wer so verbissen seine Meinung vertritt, ist der überhaupt zu Kompromissen fähig? Nun denn, selbstverständlich wurden alle Leserbriefe veröffentlicht, und wir werden die weiteren Aktivitäten der Bürgerinitiative auch weiterhin begleiten.
Widmen wir uns wichtigeren Themen. Nach anderthalb Jahren Pandemie schloss vor wenigen Tagen das Impfzentrum im Heidekreis in der Heidmark-Halle. Zwar sind wir noch weit von einer ausreichenden Grundimmunisierung der Bevölkerung entfernt, doch zuletzt kamen kaum noch Menschen, die sich impfen lassen wollten. Will man bisher Ungeimpfte erreichen, muss man andere Wege gehen. Arbeitgeber bieten mittlerweile schon Prämien an, wenn sich ihre Mitarbeiter impfen lassen. Mobile Impfteams sind unterwegs, um die Impfung zu den Menschen zu bringen. Mein Kollege Jens Reinbold hat die kurze Geschichte des ersten Impfzentrums im Heidekreis Revue passieren lassen.

Heidmark-Halle: Nach 100.000 Impfungen ist Schluss - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Zu Gast bei einer besonderen Autorenlesung war unsere Mitarbeiterin Paula Muche. Wo unterschiedliche Herkünfte, Kulturen und Eigenarten zusammenkommen, kann es schon mal zu Missverständnissen kommen: Von ihren persönlichen Erlebnissen erzählen Samer Tannous und Gerd Hachmöller in ihrem Bestseller. Bei der Lesung in Walsrode gab es für die Zuhörer viel zu lachen – aber auch Stoff zum Nachdenken.
Wenn syrische Lebensweisen und deutsche Eigenarten aufeinandertreffen - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Eine besondere Personalie beschäftigt derzeit die BLBF, die Bürgerliste für Bad Fallingbostel. Dort soll der erfolgreichste Kommunalpolitiker der Gruppierung rausgeschmissen werden, weil es Probleme mit dem Vorsitzenden des politischen Vereins gibt. Bei einer nichtöffentlichen Versammlung konnten sich die anwesenden Mitglieder noch nicht zu diesem rabiaten Schritt durchringen. Lesen Sie hier das Ergebnis meiner Recherche.
Entscheidung vorläufig vertagt - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen unserer Wochenend-Ausgabe – ob gedruckt oder digital. Wenn Sie Interesse an meinem Leitartikel haben, klicken Sie ihn einfach unten an. Ansonsten wünsche ich Ihnen ein erholsames erstes Herbstwochenende.
Rolf Hillmann
Die Zeit der “Lahmen Enten” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
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