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Ein Hauch von Weltgeschichte

Ausgabe #43 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter Faden-Leserinnen und -Leser,
in dem Wahl-Marathon-Monat September befinden wir uns gefühlt auf den letzten zehn Kilometern. Morgen in einer Woche finden die Bundestagswahlen statt, morgen vor einer Woche haben wir alle einen neuen Landrat, Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte gewählt. Die Wahlnacht werden wir in der Redaktion der Walsroder Zeitung sicherlich lange nicht vergessen. Aus der Erfahrung vieler Wahlnächte wusste ich, dass es besonders bei den Kommunalwahlen – erschwert in diesem Fall durch die Landrats- und Bürgermeisterwahlen – zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei der Stimmauszählung kommen kann. Wir hatten uns also auf extrem zeitlich knappes Arbeiten eigestellt. Was dann geschah, übertraf aber alles bisher Dagewesene. Die Auswahl der Stimmen der Landratswahl, die eigentlich nach einer Stunde beendet sein sollte, dauerte geschlagene vier Stunden. Statt um 19.30 Uhr war ich erst nach 22.30 Uhr wieder in der Redaktion, um mit der Schreibarbeit beginnen zu können.
Unterdessen saß mein Kollege Jens Reinbold immer noch im Kreishaus. Er sollte über die Kreistagswahlen berichten, und die Auszählung dauerte immer noch an. Genauso übrigens die der Bürgermeisterwahlen in Bad Fallingbostel, um die sich mein Kollege Manfred Eickholt kümmerte. Meine Kollegin Johanna Scheele, die zum ersten Mal eine Wahlnacht in der Redaktion erlebte, musste gegen 1 Uhr die Segel streichen: Die vollständigen Ergebnisse aus der Samtgemeinde Schwarmstedt, um die sie sich kümmerte, sollten noch sehr viel länger auf sich warten lassen. Genauso war es übrigens auch in den Samtgemeinden Rethem und Ahlden, wo der Kollege Dirk Meyland den schwersten Job von uns allen hatte: Er hatte zwei Bürgermeisterwahlen, zwei Samtgemeinderatswahlen und neun Wahlen von Räten der Mitgliedsgemeinden zu stemmen.
Nachts gegen 2 Uhr verließen wir hundemüde die Redaktion, hatten alles unter „Dach und Fach“, was von unserer Seite recherchiert, berichtet und kommentiert werden konnte. Die Kolleginnen im Digitalbüro hatten den ganzen Abend und die halbe Nacht auf unseren elektronischen Kanälen dafür gesorgt, dass die Netzgemeinde auf dem neuesten Stand war. Dennoch waren wir nicht ganz zufrieden, als wir uns für wenige Stunden verabschiedeten. Denn unser Anspruch war es ja, unsere Leserinnen und Leser vollständig zu informieren. Als wir am nächsten Morgen erfuhren, dass in einigen Wahllokalen bis morgens um 6.30 Uhr ausgezählt worden war, wurde das Ausmaß des „Desasters“ deutlich: So etwas war in der Geschichte der Kommunalwahlen im Heidekreis noch nie vorgekommen.

Die lange Nacht des Auszählens - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Mit einigen Tagen Abstand lässt sich sagen: Die Endergebnisse liegen nun vor, die von uns in der Wahlnacht gemeldeten Ergebnisse mussten nicht entscheidend korrigiert, sondern lediglich vervollständigt werden. Und dass Sorgfalt vor Schnelligkeit geht, macht das Bürgermeisterwahlergebnis in Bad Fallingbostel deutlich. Dort hatte der Sieger Rolf Schneider am Ende nur mit elf Stimmen die Nase vorn.
Da waren‘s nur noch elf - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Konzentrieren wir uns jetzt also auf die Bundestagswahlen. Deren Wahlkampf geht auf die Schlussgerade. Auch bei uns. Am kommenden Montag, 20. September, ab 19 Uhr übertragen wir auf unseren Seiten bei Facebook und Youtube eine Online-Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten unseres Wahlkreises. Spannend wird die Frage, wer unseren Wahlkreis als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag vertreten wird: der Herausforderer Carsten Büttinghaus (CDU) oder der amtierende Abgeordnete und Generalsekretär seiner Partei, Lars Klingbeil (SPD)? Vor vier Jahren konnte Klingbeil den Bundestrend umdrehen und bei viel Gegenwind den Wahlkreis deutlich für sich gewinnen. In diesem Jahr befindet sich seine Partei bundesweit in einer ungleich besseren Lage. Selbst wenn es bis zum Wahltag für sie ungünstig verlaufen sollte, liegen die beiden größeren Parteien höchstens gleichauf, von Rückenwind kann die CDU nur noch träumen. Das bedeutet auch für Herausforderer Büttinghaus, dass er noch mehr kämpfen muss und noch mehr Stimmen braucht, um seinen (über)mächtigen Gegner ernsthaft attackieren zu können.
Anfang und Ende des Afghanistan-Einsatzes
Apropos Klingbeil: Der hatte in dieser Woche prominenten Besuch in der Walsroder Stadthalle. Sein Freund, der Altkanzler Gerhard Schröder, unterstützte ihn im Wahlkampf und plauderte 90 Minuten über aktuelle und vergangene Politik, über Afghanistan, 9/11, über Podcasts und wünschenswerte Regierungskonstellationen. Man musste kein Schröder-Fan sein, um diesem Abend Kurzweil und Unterhaltung abgewinnen zu können. Ich persönlich spürte mal einen Hauch von Weltgeschichte, als ich den Mann auf der Bühne über seine Entscheidung im Jahre 2001 sprechen hörte, Deutschland in den Nato-Einsatz nach Afghanistan zu führen. Warum? Nur wenige Stunden zuvor war ich noch im Nato-Lager Oerbke gewesen. Dort werden gegenwärtig 108 Hilfesuchende aus Afghanistan betreut, die ihre Heimat Hals über Kopf verlassen mussten, weil die Taliban die Macht übernommen haben. Diese Menschen wären nie in Deutschland und bei uns im Heidekreis, wenn genau dieser (Alt)Bundeskanzler Schröder deutsche Soldaten damals nicht nach Afghanistan geschickt hätte. Selten erlebt man es, dass sich Weltgeschehen und große Geschichte sowie die Ereignisse vor der eigenen Haustür so unmittelbar begegnen.
Gerhard Schröder über Porzellanvasen, Podcasts und Putin - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ich wünsche Ihnen und uns ein angenehmes, wahlfreies Wochenende!
Rolf Hillmann
Die Bürgermeisterin lässt die Muskeln spielen - Meinung - Walsroder Zeitung
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