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Ausgabe #20 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Leserinnen und Leser des Roten Fadens,
wenn ich ganz ehrlich bin, dann zähle ich die Tage. Nein, nicht bis zum nächsten Urlaub, sondern bis zum Bürgerentscheid am 18. April, wenn die Bürgerinnen und Bürger im Heidekreis über den Standort eines möglichen Krankenhaus-Neubaus abstimmen sollen. Warum ich die Tage zähle, fragen Sie sich (mich)? Ganz einfach: Weil ich in meinem bisherigen Berufsleben in unserem Landkreis noch nie so viel Spaltung, Anfeindung, Verkürzung, Verdrehung und Unehrlichkeit erlebt habe wie bei dem Thema. Schon allein der Satz, den ich oben geschrieben habe ( „… Bürger sollen über den Standort eines möglichen Krankenhaus-Neubaus abstimmen“) ist inhaltlich mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar falsch.
Denn abgesehen davon, dass es bei dem Konflikt zwischen den Initiatoren des Bürgerbegehrens und ihren Unterstützern auf der einen Seite und allen, die nicht ihrer Meinung sind, auf der anderen, kaum noch um den Standort geht, ist die Frage, die es beim Bürgerentscheid mit Ja oder Nein zu beantworten gilt, irreführend. Denn sie gaukelt vor, dass es eine echte Standort-Alternative zu den bereits getroffenen Entscheidungen und Planungen eines möglichen Gesamtklinikums bei Bad Fallingbostel gäbe. Nach allen vorliegenden Informationen und Hinweisen wäre die Chance auf eine Förderung dieses Neubaus aber vertan, wenn der Bürgerentscheid morgen in einer Woche „positiv“ endet.
Bis zum Tag der Abstimmung wird es aber noch viel an Auseinandersetzung und gegenseitigen Überzeugungsversuchen geben. Unser Haus hat sich entschieden, trotz der Absage der Initiatoren des Bürgerbegehrens, an unserer Podiumsdiskussion teilzunehmen, eine Online-Veranstaltung zu machen. Am Donnerstag, 15. April, werden der Landrat, der Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums sowie die Landtagsabgeordneten aus dem südlichen Heidekreis zu Gast sein und versuchen, noch einmal alle strittigen Punkte und Fragen zu klären. Ich lade Sie ein: Schalten Sie sich ein, schauen und hören Sie zu und bilden Sie sich eine Meinung.

WZ bittet zum Live-Talk - Heidekreis-Klinikum - Walsroder Zeitung
Eine der wesentlichen Streitfragen beim Bürgerentscheid ist „die Machbarkeit von Dorfmark“, also die Frage, ob Dorfmark als alternativer Standort überhaupt in Frage kommt oder käme, wenn der Bürgerentscheid Erfolg hätte. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens beharren ungeachtet völlig ungeklärter raumordnerischer und Grundstücksfragen darauf, dass in Dorfmark gebaut werden könnte – und auch eine Förderung würde es dann noch geben, behaupten sie. Dem widersprechen alle Verantwortlichen, Experten und Entscheider. Eine, die es wissen sollte, ist die niedersächsische Sozialministerin Daniela Behrens, mit der mein Kollege Jens Reinbold genau zu diesen Streitfragen ein Interview geführt hat. Und wer glaubte, die Ministerin habe nur am Rande von dem Konflikt im Heidekreis gehört, der sieht sich getäuscht. Daniela Behrens kennt die Standpunkte und hat sich auch zu den Aspekten der Entfernung und Akzeptanz geäußert.
HKK-Bürgerentscheid: Nun äußert sich die Ministerin - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Unterdessen, wir bleiben beim Thema, hat sich auch der Betriebsrat des Heidekreis-Klinikums zum Neubau- und Standort-Streit klar positioniert. Ihm ist das „Wo“ sehr viel weniger wichtig als das „Ob“ – nicht wo das neue Klinikum gebaut werde, sei für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von existenzieller Bedeutung, sondern dass es überhaupt gebaut wird. Unsere Reporterin Johanna Scheele hat eine Online-Veranstaltung dazu verfolgt. Lesen Sie Ihren interessanten Bericht.
HKK-Mitarbeiter: “Wir wollen nicht verkauft werden” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Welche gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen die Spaltung des Heidekreises durch dieses Thema bereits hat, wird am derzeitigen Zustand der Kreis-CDU deutlich, die tief zerstritten ist. Einen Aufruf zur Distanzierung von Angriffen auf eigene Kreistagsabgeordnete, allerdings aus dem Südkreis, beantworteten Stadt- und Ortsverbände aus dem Nordkreis demonstrativ mit einschlägigen Presseerklärungen, in denen sie sich klar hinter die Initiatoren des Bürgerbegehrens stellen und auch kein Wort der Kritik an der Verunglimpfung von Kreistagspolitikern aus eigenen Reihen fanden – eher im Gegenteil. Und auch der der Versöhnung dienende und Brücken bauende „Osterbrief“ des Kreisvorsitzenden Gerd Engel wurde scharf kritisiert. Lesen Sie dazu auch meinen aktuellen Leitartikel, dessen Link sie am Ende des Newsletters öffnen können.
Kreis-CDU vor der Zerreißprobe - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ja, ja, da war früher doch alles besser – oder? So lautet jedenfalls der Name einer Serie in der WZ, in der die Redaktionsmitglieder in unregelmäßigen Abständen Bereiche des Lebens aufgreifen und diese mit früher vergleichen. Meine Kollegin Märit Heuer (29) ist Jagdscheininhaberin und stammt aus einer Waidmanns-Familie. Mit Opa, Oma und Papa hat sie über das „frühere“ Jägerleben, über Kleidung, Regeln und geschriebene bzw. ungeschriebene Gesetze gesprochen. Sprachlich und inhaltlich ein Lesegenuss – auch wenn man Nicht-Jäger ist!
Mit Promille und Patronen - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Mit diesem am Ende schönen Lesetipp wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende – ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich habe es nötig!
Rolf Hillmann
Verrohte Sprache - und vor allem Diffamierung statt Differenzierung - Meinung - Walsroder Zeitung
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