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Alles eine Sache der Kommunikation

Ausgabe #46 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
während im Heidekreis nach den Kommunalwahlen etwas Ruhe eingekehrt ist, schauen viele Menschen derzeit gespannt nach Berlin. Dort – nach den Bundestagswahlen – steht nun die Sondierung zwischen den Parteien an, und wenn nichts Außergewöhnliches passiert, wird Olaf Scholz der neue Bundeskanzler. Mittendrin ist der gerade im Heidekreis wiedergewählte Lars Klingbeil, der, so schätzen es jedenfalls Kenner der Berliner Politikszene ein, als Generalsekretär der SPD maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Sozialdemokraten den nächsten Kanzler stellen dürften. Dass sich Klingbeil womöglich Hoffnungen auf den Posten des Verteidigungsministers machen kann, hatte die WZ am Freitag berichtet.
Ein Grund, weshalb die CDU nun außen vor ist, sind offenbar die Indiskretionen, die aus den ersten Gesprächen zwischen den Christdemokraten, Grünen und FDP, an die Öffentlichkeit gelangten. Denn es ging zunächst darum, Vertrauen aufzubauen – und da sind „Durchstechereien“, wie es im Journalistenjargon heißt, nicht unbedingt hilfreich. Kommunikation an der falschen Stelle, wenn man so will.
Vertrauen ist auch immer ein Schlagwort, wenn es um das Gelingen des Projekts Heidekreis-Klinikum-Neubau geht. Nach dem ein mächtiger Streit um den Standort des Neubaus hohe Wellen geschlagen hatte, versprachen die HKK-Verantwortlichen nach dem erfolgten Bürgerentscheid vor allem eines: Sie wollen Vertrauen in das neue Projekt aufbauen.
Das funktioniert vor allem mit Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Fortgang der Planungen rund um das zukunftsweisende Vorhaben. Doch offenbar klaffen Anspruch und Wirklichkeit da derzeit (noch) weit auseinander. Denn am 30. September sollte eigentlich die Haushaltsunterlage Bau beim Land eingereicht werden. Diese dient als Grundlage dafür, was das Land an Kosten übernimmt. Stets hatten sämtliche Verantwortliche des HKK darauf hingewiesen, wie wichtig dieser Termin sei, mögliche Umplanungen in Hinblick auf einen anderen Standort seien deshalb unmöglich, weil die Zeit fehle.
Nun ist es (zumindest ein bisschen) anders gekommen. Erst auf WZ-Nachfrage im Sozialministerium kam ans Tageslicht, dass das HKK zwar pünktlich Unterlagen eingereicht hat, jedoch nicht vollständig. Was noch fehlt, ist die Detailplanung – worauf dann auch die konkrete Kostenschätzung fußt. Der Vorgang ist zwar kein Riesenskandal – vor allem vor den Hintergrund, dass auch die Landesstellen diese Entzerrung offeriert hatten –, aber die HKK-Verantwortlichen hätten es den Bürgern frühzeitig offensiv und nicht erst nach journalistischen Recherchen mitteilen und erklären müssen. Die Kommunikation hat an dieser Stelle versagt. Meine Kollegin Johanna Scheele hatte mit ihrer Nachfrage im Sozialministerium die Geschichte ins Rollen gebracht und die Ereignisse aufgeschrieben, ich habe den Sachverhalt in meinem Leitartikel kommentiert.

HKK-Neubau: Unterlagen werden später abgegeben - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ein Paradebeispiel, wie man Vertrauen aufs Spiel setzen kann - Heidekreis - Walsroder Zeitung
(Schwierige) Kommunikation spielt auch bei der Bürgerliste für Bad Fallingbostel eine Rolle. Offenbar schwelt seit langer Zeit ein Streit zwischen dem Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Steffen Ahrens, und dem Vereinsvorsitzenden Werner Schoppan. Der gipfelte kurz vor der Wahl in dem Versuch, Ahrens aus dem Verein auszuschließen. Auch wenn beide Rivalen das Gegenteil behaupten, war es doch ein Machtkampf. Die Vergangenheitsform „war“ erscheint hier richtig – denn offenbar hat Ahrens nun die Oberhand behalten. Schoppan, der die Bad Fallingbosteler Bürgerliste 2008 gegründet hatte und seitdem als Vorsitzender des Vereins fungiert, ist aus der Fraktion der Bürgerliste ausgetreten und strebt wohl nun die Auflösung des Vereins an. Es ließen sich keine Nachfolger für die Vorstandsarbeit finden, erklärt er seine Ankündigung. Ich habe mich des Themas angenommen – und auch in diesem Zwist spielt offenbar eine gestörte Kommunikation eine wichtige Rolle.
Bad Fallingbosteler Bürgerliste steht vor dem Aus - Walsroder Zeitung
Ein Meister der Kommunikation scheint dagegen Martin Schulz zu sein. Jedenfalls hat das mein Kollege Dirk Meyland so empfunden. Er war am Dienstag dabei, als der frühere EU-Parlamentspräsident die KGS Schneverdingen besucht hat. Der Besuch hatte einen wichtigen Hintergrund: Schulz ist fortan Pate der KGS, die den Titel „Europaschule in Niedersachsen“ trägt. Dirk Meyland schreibt: „Alle hängen förmlich an den Lippen des 65-jährigen Vorzeige-Europäers, der in seiner Wortwahl, Gestik, Bedächtigkeit, Klugheit eigentlich alle Kompetenzen eines großen Staatsmanns in sich vereint.“ Aber auch inhaltlich hatte der SPD-Politiker einiges zu sagen. Er nimmt jedenfalls in seiner Art der Kommunikation kein Blatt mehr vor den Mund.
Martin Schulz hält ein Plädoyer für Respekt, Toleranz und Würde - Schneverdingen - Walsroder Zeitung
Man muss allerdings nicht erst – wie Martin Schulz – 65 Jahre alt werden, um mit Kommunikation umgehen zu können. Denn die ersten Erfahrungen beginnen schon im Kindesalter – und zwar immer stärker in sozialen Medien und Messenger-Diensten. Eltern sind da manchmal ein wenig hilflos, wenn es um die Kontrolle oder Begrenzung von Instagram, Snapchat und Co. geht. Eine entsprechende Hilfestellung gab nun Moritz Becker von Smiley, einem Verein zur Förderung der Medienkompetenz, im Rahmen eines Vortrages im Gymnasium Walsrode. Er hatte einige spannende Ansätze dabei, meine Kollegin Silvia Herrmann hat ihm nicht nur als Mutter, sondern auch als WZ-Redakteurin genau zugehört und das anschließend für unsere Leser aufgeschrieben.
Die Macht der blauen Häkchen - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ich wünsche Ihnen ein kommunikatives, aber doch erholsames Wochenende.
Ihr Jens Reinbold
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