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Abschied, Neustart und vierte Welle

Ausgabe #49 • Im Browser ansehen
Roter Faden – der Wochenrückblick
Liebe Roter-Faden-Leserinnen und -Leser,
während die Herbstferien zu Ende gehen, werden in diesen Tagen in vielen Büros in den Rathäusern und in der Kreisverwaltung Möbel gerückt. Bürgermeister, die ausscheiden oder nicht wieder gewählt wurden, räumen ihre Schreibtische ab. Sie hatten gestern ihren letzten Tag und haben idealerweise ihren Nachfolgern nicht nur ein aufgeräumtes Büro, sondern auch einen gut bestellten Arbeitsplatz übergeben. Ob Munster, Soltau, Bad Fallingbostel oder in der Samtgemeinde Rethem: Ab Montag sind die „Neuen“ am Runder.
Wir haben in unserer gedruckten Zeitung und in unseren digitalen Medien die bisherigen Amtsinhaber zum Teil noch mal zu Wort kommen lassen oder den Neuen schon mal einen Besuch abgestattet, um sie unseren Leserinnen und Lesern noch besser vorzustellen. In einigen Fällen fanden Abschiedsfeiern statt, manchmal verschwanden die bisherigen Rathausbosse aber auch stillschweigend, sozusagen durch die Hintertür, ohne sich zu verabschieden. Gleiches gilt übrigens auch für den bisherigen Landrat Manfred Ostermann, der nur einen handverlesenen Gästekreis zu seinem letzten (halb-)öffentlichen Auftritt zugelassen hatte. Dazu gehörten nur zwei oder drei Kreistagspolitiker*innen und ganz wenige Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung. Dafür waren umso mehr Vereins- und Verbandsvertreter geladen. Die Presse als Vertretung der Öffentlichkeit war komplett ausgeschlossen. Deshalb bleibt nur auf diesem Wege dem Mann, der 14 Jahre die Geschicke des Heidekreises gelenkt hat, alles Gute zu wünschen.

Plötzlich Soltaus Bürgermeister - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Voige: “Ich gehe zufrieden aus dem Amt” - Rethem - Walsroder Zeitung
Rolf Schneider startet als Bürgermeister der Kreisstadt - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Bevor Ostermanns Nachfolger Jens Grote nun am Montag seinen Dienst antritt, gab es bereits einen Wechsel an der Spitze des wohl wichtigsten Fachbereichs in der Kreisverwaltung: Cornelia Reithmeier hat die Leitung des Amtes für Service und Finanzen von Andreas Pütz übernommen, der Ende September nach sage und schreibe 49 Dienstjahren in Ruhestand getreten war.
Mit der neuen „Personalchefin“ und Fachbereichsleiterin hat eine Frau die Verantwortung übernommen, die Arbeitswissenschaften studiert hat und die Kreisverwaltung aufgrund ihrer bisherigen Einsatzbereiche „von der Pike auf“ kennt. In einem Interview hat sie auf die großen Herausforderungen des 850 Köpfe zählenden Verwaltungsapparates hingewiesen. Besonders interessant war ihre Aussage im Hinblick auf Fluktuation, Fachkräftemangel und demografischer Wandel: „Facettenreiche Interessenlagen und Lebenswirklichkeiten finden sich überall. Fragmentierte Lebensläufe stellen keine Besonderheit mehr dar, damit müssen wir als Kreisverwaltung und als Arbeitgeber umgehen.“ Im Klartext hieß das: Es kommt nicht nur darauf an, die passenden Arbeitskräfte zu finden, sondern sie auch durch „weiche“ Faktoren zu halten. Dazu gehören die Möglichkeit zum Homeoffice und mobilen Arbeiten sowie flexible Arbeitszeit- und Arbeitsort-Modelle – diese, so Cornelia Reithmeier, schafften mehr Raum für die Arbeitsgestaltung und individuelle Bedürfnisse.
Ein neues Gesicht - aber nur für die Öffentlichkeit - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Am nächsten Freitag, 5. November, konstituiert sich der neue Kreistag. Bis dahin läuft in unseren Produkten noch die Reihe über „Kreistags-Dinos“ – wie wir sie in der Redaktion freundlich bezeichnet haben –, über Kreistagspolitiker*innen, die viele Jahre und Jahrzehnte dem Kreistag angehörten und die nun aus der Politik ausscheiden.
In diesen umfangreichen Artikeln von meiner Kollegin Märit Heuer und mir wird die Karriere dieser Menschen beschrieben, ihre Selbstdisziplin und ihr Arbeitsethos. Mindestens uns ist beim Besuch dieser „Dinos“ und beim Schreiben noch mal klar geworden, was für fleißige und hochverdiente Politiker dem Gremium schon bald nicht mehr angehören werden. 
Gudrun Pieper: “Es war für mich eine Ehre” - Heidekreis - Walsroder Zeitung
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Einer der bedeutendsten Kreispolitiker geht in Rente - Heidekreis - Walsroder Zeitung
Ansonsten scheinen wir uns in der Corona-Pandemie auf eine vierte Infektionswelle zuzubewegen. Trotz Impfungen und einer insgesamt (noch) geringen Auslastung der Intensivstationen steigt die Inzidenzzahl von Tag zu Tag – in manchen Regionen sogar erschreckend. Im Heidekreis verläuft diese Entwicklung noch moderat – aber das kennen wir schon aus den anderen Wellen. Derzeit liegt die Inzidenz noch unter 40 – aber Vorsicht: Auch in unserer ländlichen, vergleichsweise schwächer betroffenen Gegend hatten wir schon Inzidenzwerte von 130. Und auch die Zahl der Corona-Toten von weit über 100 in Heidekreis sollte eine Mahnung sein.
Umso unverständlicherweise ist die hohe Zahl an Impfverweigerern, die laut Forsa-Umfrage auch nicht bereit sein werden, sich impfen zu lassen, wenn die Intensivstationen wieder an ihre Grenzen stoßen. Sie haben immer noch nicht begriffen, dass es nicht alleine um sie selbst, sondern um die ganze Gesellschaft, um überlastete Ärzte und Pflegekräfte, um Risikopatienten und Kinder geht, für die es noch gar keinen Impfstoff gibt. Im Grunde genommen verwundert mich die Haltung dieser Impfverweigerer nicht - passt sie doch in unsere egomanische, von völlig abwegigen Partikularinteressen bestimmte Zeit.
In diesem Zusammenhang würde es mich auch freuen, wenn Sie meinen Leitartikel lesen würde, der Ihnen unten als Link bereitgestellt wird.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!
Rolf Hillmann
Wie digitale Massenmedien virtuelle Realitäten zaubern - Meinung - Walsroder Zeitung
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