Profil anzeigen

Was Corona für das Schweizer Musikbusiness bedeutet

Rewind – Der Wochenrückblick von Negative White
Was Corona für das Schweizer Musikbusiness bedeutet
Von Negative White • Ausgabe #32 • Im Browser ansehen
Eine kurze Analyse.

Liebe*r Leser*innen, wir wissen, dass dieses eine Thema schon allen aus den Ohren raushängt: Das Coronavirus. Manche halten es für reine Panik, andere machen sich ernsthafte Sorgen.
Betroffen sind jedoch viele von uns, denn durch das Epidemie-Gesetz wurden bereits zahlreiche Konzerte verschoben oder gar ganz abgesagt. Darunter auch das essentielle m4music Festival, das grösste Branchentreffen der Schweiz.
Das führt zu existenziellen und komplexen Problemen: Die Musiker*innen erhalten keine Gage, die Manager und Booker keine Provisionen, die Clubs und Hallen bleiben auf ihren Fixkosten sitzen, die freien Angestellten haben keine Einsätze und freischaffenden Kulturjournalisten können keine Artikel schreiben und haben keine Aufträge.
Der Kulturbetrieb – weit über die Musik hinaus – ist gefährdet. Gemäss diversen Quellen, mit denen wir gesprochen haben, sind die Ticketverkäufe massiv eingebrochen. «Ich glaube, dass einige diese Krise nicht überleben werden», sagt ein Branchenkenner.
Von ungefähr kommt diese Aussage nicht: Kulturbetriebe sind nicht auf Rosen gebettet. Oft gehen die Rechnungen geradeso auf. Jeder verlorene Veranstalter, jede Location ist ein herber Verlust an Diversität.
Ungewissheit und ein voller Kalender
Das gewichtigste Problem ist aber die fehlende Planung. Der Bundesrat und das Bundesamt für Gesundheit geben ihre Weisungen nur für kurze Zeitabschnitte aus. Das bedeutet, dass die Veranstalter nicht langfristig denken können.
Auch wenn es ein krasser Schritt wäre: Die bessere Lösung wäre es, schlicht alle Konzerte für eine längere Periode abzusagen.
Aktuell werden die Konzerte verschoben – oft mit unbekanntem Datum. Was heisst das genau? Möglicherweise stehen im Herbst unzählige Nachholdaten an. Das Zeit- und Geld-Budget der Konzertgänger*innen wird aber nicht grösser. Die Veranstalter kannibalisieren sich und das eigene Herbst-Programm gezwungenermassen selbst.
Die Musikbranche fordert derweil Unterstützung durch den Bund. Tatsächlich haben wir Insider-Informationen, dass der Schweizerische Gewerkschaftsbund sich der Sache der Kulturschaffenden annehmen will.
Ob und wie die Musikszene davon profitieren wird, ist aber ungewiss. Im Vergleich zu anderen, stärker subventionierten Kulturbereichen, ist die Musikbranche heterogen und selten zieht man an einem Strang. In einer ausserordentlichen Situation wie dieser kann das verheerend sein.
Unterstütze deine Bands
Die grössten Leidtragenden bleiben aber die Musiker*innen. Durch die Entwicklungen des Business wird ihnen durch die Epidemie nun die letzte lukrative Einnahmequelle genommen: Die Konzerte.
Streaming bringt den meisten zu wenig, deshalb kannst du als Fan deine Lieblingsbands nur durch einen Kanal konkret unterstützen: Kauf ihr Merchandise.
Negative White auch betroffen
Selbst wir spüren die Auswirkungen. Konzerte, über die wir berichten wollten, wurden abgesagt oder vorerst verschoben. Deshalb mussten wir auch bereits Verlosungen streichen.
Im Gegensatz zu den freien Kulturjournalisten arbeiten wir aber ehrenamtlich und sind darum nicht finanziell abhängig. Doch ohne Inhalte können wir keine neuen Mitglieder gewinnen, die unsere Plattform überhaupt möglich machen.
Auch wenn nicht alle Events abgesagt oder verschoben worden sind, über die wir berichten wollen: Unsere Reporter*innen müssen natürlich individuell eine Risikoabschätzung machen, ihre Gesundheit in den Vordergrund stellen und möglicherweise Konsequenzen ihres Arbeitgebers berücksichtigen.
Werde Mitglied von Negative White und unterstütze unsere Mission
Einige Experten sagen, dass sich das Virus gegen den Sommer abschwächen wird. Andere bezweifeln dies. Es ist also schwierig, definitive Aussagen zu machen.
Klar ist: Je länger die Krise andauert, desto prekärer wird die Lage für die Musiklandschaft.
In der Zwischenzeit versuchen wir von Negative White weiterhin genug zu publizieren, auch wenn wir teilweise von Massnahmen des Arbeitgebers (Stichwort: Home Office) betroffen sind und uns deshalb neu koordinieren müssen.
Das Schöne am Home Office ist ja, dass man die eigene Musik hören kann. Da empfehlen wir natürlich unsere Weekly5-Playlist auf Spotify. Die aktuellsten Neuzugänge findest du hier:
Archaischer Ritus: Wardruna mit neuer Single «Grá»
Herzliche Grüsse und bleibt gesund
Janosch Tröhler, Redaktionsleiter
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Negative White

Jeden Sonntag erreicht dich unser «Rewind». Der perfekte Morgenstart, mit einer persönlichen Begrüssung, den packendsten Geschichten, besten Konzerttipps und heissesten Verlosungen. Mit «Rewind» bleibst du stets am Puls von Negative White und der Schweizer Musiklandschaft.

Wenn Du keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchtest, kannst Du den Newsletter hier abbestellen.
Wenn Dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Dir gefällt, kannst Du ihn hier abonnieren.
Powered by Revue