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(Online)-Barcamps in der Lehrer:innen-Ausbildung

(Online)-Barcamps in der Lehrer:innen-Ausbildung
Von Tim Kantereit • Ausgabe #9 • Im Browser ansehen

Was ist ein (Online)-Barcamp?
Zunächst beschreibe ich ein „normales“ Barcamp, wie es vor Corona in Präsenz ablief. Das erste deutsche Barcamp gab es 2006. Der Name hat nichts mit einer Bar zu tun, sondern Bar ist ein Begriff aus der IT-Branche, das für einen Platzhalter steht, wie z.B. beim Wort Barcode. Das Wort camp wurde hinzugefügt, da die ersten Barcamps über mehrere Tage gingen und man vor Ort übernachtet hat. Gelegentlich wird das Barcamp auch als Unkonferenz bezeichnet. Das trifft es gut, da wie bei einer Konferenz alle Teilnehmer:innen zusammenkommen, um sich weiterzubilden. Bei einer Unkonferenz gibt es auch ein übergeordnetes Thema, allerdings werden die Inhalte von den Teilnehmer:innen vor Ort festgelegt und in sogenannten Sessions angeboten. D.h. die Teilnehmer:innen sind eigentlich Teilgeber:innen. Das Konzept beruht auf Augenhöhe aller Teilgeber:innen. Da alle mit eingebunden sind, erfolgt ein reger Wissensaustausch, es werden neue Ideen entwickelt, Kontakte geknüpft und Projekte angestoßen. Während der Corona-Pandemie entwickelten sich verschiedene Formen von Online-Barcamps. Das Grundprinzip ist gleich. Allerdings gab es unterschiedliche Spielarten. So entwickelte sich z.B.das flipped Onlinebarcamp. Dabei werden schon im Vorfeld des eigentlichen Barcamps Themenvorschläge per Video-Botschaft oder durch Textbeschreibung eingereicht. Unsere Mathe-Barcamps laufen ebenfalls so ab.
Was ist ein BarCamp? (CC BY)
Was ist ein BarCamp? (CC BY)
Wie läuft ein (Online)-Barcamp in der Ausbildung von Lehrer:innen ab?
Das erste Flipped Onlinebarcamp Mathematik am Landesinstitut für Schule in Bremen hatte das Oberthema Differenzieren im Matheunterricht. Alle Referendar:innen wurden in einen Kurs auf itslearning eingeladen. Dort gab es alle Infos zum Ablauf. Die Teilgeber:innen konnten dort Themenvorschläge per Video-, Audio- oder Textbotschaft eingereicht werden. Daraus ergab sich der Sessionplan. Die Teilgeber:innen konnten sich dann auch im Vorfeld über die angebotenen Sessions informieren. Auch war es möglich, dass sich die Referendar:innen in einem Forum per Video, Text oder Bild kurz vorstellen konnten.
Auch in weiteren zwei Barcamps im Fachbereich Mathe, sowie in zwei fächerübergreifenden Barcamps in Wahlpflichtkursen, wurde ähnlich vorgegangen. Mittlerweile hat es sich als wirksam erwiesen, den Referendar:innen in einem vorhergehenden Open Space ihre Sessions entwickeln zu lassen.
Sessionplan mit Lucidspark in einem Wahlpflicht Kurs
Sessionplan mit Lucidspark in einem Wahlpflicht Kurs
Am Tag des Barcamps konnte zügig begonnen werden. In einer gemeinsamen Auftakt-Videokonferenz wurde nochmals kurz der Ablauf vorgestellt und nachgefragt, ob noch jemand eine Session nachreichen wolle. Diese Angebote wurden noch in den bestehenden Plan eingebunden. Über Teilgruppensitzungen konnten die Teilgeber:innen in die verschiedenen Videokonferenz-Räume wechseln. Durch den Sessionplan wussten sie immer was, wann und in welcher Teilgruppensitzung passierte. Dokumentiert wurden die Sessions z.B. in kollaborativen genutzten PowerPoint Präsentationen oder als Sketchnote. So konnten am Nachmittag drei Sessions a 35 Minuten besucht werden. Pausen-Teilgruppensitzungen gab es auch. Das nächste Barcamp ist schon wieder geplant und wird je nach Inzidenz in Präsenz oder Online stattfinden.
Rückmeldung zu einem Barcamp
Rückmeldung zu einem Barcamp
Um zu begründen, warum wir erneut ein Barcamp planen, ziehe ich die Ergebnisse der Evaluation hinzu. Ein Barcamp bietet vielen Teilgeber:innen die Möglichkeit neue Erkenntnisse und Ideen zu sammeln. Das Format lädt zum überwiegend hilfreichen Austausch ein. Die Atmosphäre auf einem Barcamp ist ausgelassen und meistens gut. Es bietet einen gut organisierten Rahmen, für die Inhalte der Teilgeber:innen. 
Eine Session anbieten lohnt sich, da man hilfreiches Feedback erhält. Das motiviert.
Qualitatives Feedback
Qualitatives Feedback
Als besonders wird die Freiheit empfunden, jederzeit auch andere Sessions aufzusuchen, und das es praktisch keine Erfahrung mit Barcamps braucht, um sich auf einem Zurechtzufinden. Weiter sind alle auf Augenhöhe. Durch das breite Angebot an Sessions kann jede Referendar:in ein für sie passendes Angebot finden. Da es meist viel Praxis und wenig Theorie gibt, werden die Sessions als gewinnbringend für die eigene schulische Umsetzung gesehen. Ein Barcamp ermöglicht Kommunikation auf Augenhöhe und bietet die Möglichkeit zur Mitbestimmung. Das dies wichtige Elemente sind, kannst du hier nachlesen.
Abschließend lässt sich sagen, dass es m. E. Sinn macht, in jedem Ausbildungssemester ein Barcamp anzubieten. So kann sich das Format in seiner ganzen Wirkung entfalten. Außerdem kann man sich so auf das nächste Barcamp freuen, dass dann vielleicht auch in Echtpräsenz stattfinden kann.
CC BY SA 4.0
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Tim Kantereit

Ideen, Gedanken und Geschichten rund um ein Referendariat ohne Noten

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Tim Kantereit, Zur Imhorst 4, 27321 Emtinghausen