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»Augenblicke in Salem«: Eine Reise

»Augenblicke in Salem«: Eine Reise
Von Sebastian Bathe • Ausgabe #1 • Im Browser ansehen
Das private Internatsgymnasium “Schule Schloss Salem” aus achtvoller Perspektive - jeden Samstag neu und kurz geschildert.
Der Newsletter von Sebastian Bathe

Guten Morgen aus Salem,
wo ich zwar nicht (mehr) bin, ich Ihnen aber dennoch die Geschichte einer Reise an eine, ja, wenn nicht die Elite-Schule Deutschlands schlechthin erzählen möchte. Es geht an den Bodensee. Bei dem einen oder anderen dürfte es dabei nun schon klingeln: Gemeint ist natürlich das berühmt-berüchtigte Internat Schule Schloss Salem. Salem - das ist ein Name, wie er im Buche steht. Geschichtsträchtig, imposant, exklusiv; alles in einem eben renommiert.
Das vor 7 Jahrhunderten ursprünglich als zisterzienserische Kloster-Anlage erbaute Schloss gilt seit den 1920er Jahren als “Kaderschmiede” einer Generation, die nach den Schrecken des 1. Weltkriegs von den Gräueltaten, der Verwüstung und all den schrecklich negativen Folgenerscheinungen regelrecht von der übrigen Gesellschaft abgesondert werden sollte, um allgemeinhin in einem gesunden Geiste aufzuwachsen, fortan Führungs- und Leitungsaufgaben und - damit einhergehend - auch Verantwortung für den Rest der Gesellschaft und die nachfolgenden Generationen übernehmen zu können. Prinz Max von Baden nahm für diese Mammut-Aufgabe seinen eigenen Sekretär, den Reform-Pädagogen Kurt Hahn, hinzu, um diese Ideale zu verwirklichen.
Doch von Anfang an.
Als ich ein für mich recht günstiges und in meiner Lage äußerst attraktives Job-Angebot fand, bewarb ich mich kurzerhand hierauf. Von Salem mit all seinen Mythen hatte ich zuvor nur aus einer Soziologie-Vorlesung gehört - das war 2013. Die Jahre vergingen und ich nahm zwar zur Kenntnis, dass es eine solche Schule gibt (im Kontrast z.B. zur Summerhill-School in Großbritannien, in der ein eher laissez-fairer Erziehungsstil gepflegt, jedoch auch mit demokratischen Grundwerten hinterlegt wird - denn hier bestimmen weitestgehend die Schülerinnen und Schüler vollkommen autonom); dass ich aber später hier womöglich selbst einmal landen würde, hatte ich mir bis dahin natürlich nicht vorgestellt. Und relativ schnell trudelte dann auch schon die E-Mail ein, in der es u.a. hieß:
(…) Die Mittelstufe in Salem ist sehr an Ihrer Bewerbung interessiert und möchte Sie daher gerne einladen. (…)
Zum Glück fragte ich noch einmal nach, ob meine Bewerbungsunterlagen überhaupt angekommen seien - denn einige Tage hörte ich gar nichts: Keine Empfangsbestätigung, keine definitive Zu- oder Absage. Es stellte sich heraus, dass sich besagte Institution in einer “technischen Umstellungsphase” befinde, meine Unterlagen dementsprechend tatsächlich gar nicht erst angekommen waren und ich sie so noch einmal abschicken musste.
Nachdem man also gegenseitig mögliche freie Termin-Slots ausgemacht hatte, überlegte ich, wie es dort wohl de facto ist: Zwar hatte ich während meiner vielfältigen Bildungsreisen schon so einige hiesige Bildungsgemeinschaften besucht, darunter beispielsweise die Elite-Universitäten Harvard (Boston, MA; USA), Yale (New Haven, CT: USA) und Stanford (Palo Alto/Stanford, CA; USA), aber ein innerdeutsches, hoch-renommiertes Internatsgymnasium stand da noch aus. Nichtsdestotrotz ging die Kommunikation und auch Organisation untereinander sehr reibungslos vonstatten und so freuten sich alle Parteien, sich bald zu sehen.
Gesagt, getan: Die Reise beginnt. Sie betrug mehr als 6 Stunden. Auf der Autobahn gab es mehrere Unfälle und infolgedessen Stau, leider auch noch bei zusätzlich heißem Wetter (32° C). Schließlich kam ich dann gegen 14:20 Uhr an: Am fast südlichsten Ende Deutschlands, in der Bodensee-Region. Eigentlich viel früher als erhofft bzw. ausgemacht, denn normalerweise sollte ich erst gegen späten Nachmittag/frühen Abend eintreffen. Nun ja, das ging dann, trotz des Staus und der anderen Umstände, wohl doch schneller als gedacht. Nun hieß es erst einmal eine kurze Verschnaufpause zu absolvieren, um danach wiederum Einkaufen und Tanken zu fahren. Im Hotel angekommen, das extra für mich reserviert worden war und direkt am Schloss liegt (kein Wunder, es heißt ja auch “Schlosshotel”), machte ich, wie das so ist, erst einmal ein paar Fotos, um auch dies als Erinnerung konserviert zu haben; diese Bilder möchte ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, natürlich nicht vorenthalten.
Zwischen Haus und kleinem Turm musste man anfangs durch; dahinter links (nicht im Bild) befindet sich sodann der Parkplatz, der direkt vor dem Hotel gelegen ist. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
Zwischen Haus und kleinem Turm musste man anfangs durch; dahinter links (nicht im Bild) befindet sich sodann der Parkplatz, der direkt vor dem Hotel gelegen ist. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
(falls die Bilder nicht korrekt dargestellt werden, klicken Sie bitte hier, um in der Webversion weiterzulesen)
Auch das Zimmer, das mir zugewiesen wurde (No. 2), war für meine Verhältnisse mehr als ausreichend. Zu mutmaßen, dass auf dem knarzenden Boden vermutlich schon im Mittelalter die Gäste andere Gäste nicht aufwecken wollten, gibt einem ein schon sehr aufregendes Gefühl.
Bodendielen knarzten zwar, insgesamt machte das Zimmer aber einen ordentlichen Eindruck. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
Bodendielen knarzten zwar, insgesamt machte das Zimmer aber einen ordentlichen Eindruck. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
Nachdem ich also meine Sachen ausgepackt, mich erfrischt und eingekauft hatte, wieder zurückgekommen bin, weitere Sachen ausgepackt und mich wieder erfrischt hatte, blieb noch etwas Zeit, mir das Außengelände des Schlosses, der Umgebung im Allgemeinen und weitere faszinierende Dinge anzuschauen. Ich ging - weil ich nicht anders konnte, da das Areal selbstverständlich rigide von der Öffentlichkeit abgesperrt ist - das Schlossgelände von außen umher, kam dabei auch am sog. “Polenkreuz” vorbei, einer heutigen Gedenkstätte: An diesem soll sich nämlich lt. Google-Rezension Folgendes zugetragen haben:
Ort der Aufhängung von zwei Polen, Kriegsgefangene von 1939. Sie waren Zwangsarbeiter auf nahe gelegenen Bauernhöfen und wurden 1941 wegen Kontakten mit deutschen Frauen ermordet. (und 1942.)
Salem, ein bis hierhin schon historischer Ort! Als ich auf dem Weg zu Fuß hierher war, sah ich bereits einige Internatsschülerinnen und -schüler: Die einen kamen vom Joggen, die anderen machten sich zu zweit auf einem Fahrrad gerade erst auf dem Weg in die nahe gelegene Nachbarstadt, einige andere wiederum gingen so spazieren und redeten auf Englisch. Internationales Flair. Auf dem Rückweg sprach ich kurz mit einer Fahrradfahrerin, die sich zuvor breit auf den Weg gestellt hatte, vom Fahrrad abstieg und sich einen dünnen Pullover überzog; es würde “jetzt schon ganz kalt werden, zumindest im Schatten”, sagte sie mir. Ich konnte dem nicht zustimmen, kam ich bis vor einigen Stunden ja noch von der Autobahn und war somit erst sprichwörtlich “gerädert”, zumal es auch immer noch um diese Uhrzeit - inzwischen hatten wir ca. 17:45 Uhr - 28° C betrug. Auf dem Rückweg vom Polenkreuz bekam man dann jedoch einen Teil des Schlosses von einer Anhöhe aus zu sehen; später sollte sich herausstellen, dass dieser Teil dem aktuellen Prinzen von Baden gehört.
Schule Schloss Salem von Süden aus gesehen. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
Schule Schloss Salem von Süden aus gesehen. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
Selbstverständlich ging meine Reise weiter, v.a. natürlich auch ins Innere von Salem, das der breiteren Öffentlichkeit ohne ersichtlichen Grund normalerweise verwehrt bleibt, es sei denn, man möchte dafür ein Besucher-Ticket bezahlen. Um aber nicht alles vorwegzunehmen, belasse ich mich erst mal auf diese allgemein gehaltenen Infos. Man kann jedoch gewiss sein: Die Reise geht noch vielversprechend weiter! So auch am gleichen Tage noch, als ich nachts noch spazieren gegangen bin und vorher einen kleinen Abstecher zum Schloss-See gemacht habe: Hier findet man eine sehr moderne Wohngegend, die für viele Familien und Singles einen tollen Wohnraum im Neubaugebiet bietet. Neben dem großen See, der übrigens kostenlos besucht werden kann und als Frei(zeit)bad dient, findet man hier auch diverse Einkaufsstätten sowie einen toll gestalteten Park wieder. Gepflegt war es auch in den Salemer Schlossgärten. Doch dazu, wie gesagt, später mehr…
Das Neubau-Gebiet mit atemberaubender Architektur: Park und Bachlauf. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
Das Neubau-Gebiet mit atemberaubender Architektur: Park und Bachlauf. (Foto-Copyright © 2022: Sebastian Bathe)
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schon einmal einen schönen Sonntag sowie guten Wochenverlauf und bis bald!
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Sebastian Bathe

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