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Lewy weg! 2022/23 kann nur besser werden

Pit Gottschalk
Pit Gottschalk
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Samstag um halb vier: Die gesamte Bundesliga spielt zeitgleich, um keinen Verdacht von Manipulation aufkommen zu lassen. Aber was heißt das schon: Die wichtigsten Entscheidungen sind längst gefallen.
Bayern München ist Meister und hat die Schale. Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen spielen kommende Saison Champions League. Fürth und höchstwahrscheinlich Arminia Bielefeld sind abgestiegen.
Und sonst?
RB Leipzig braucht noch einen Punkt zum Einzug in die Königsklasse. SC Freiburg, Union Berlin und ein bisschen 1. FC Köln rangeln um den Einzug in die Europa League. Brisant ist’s oberhalb vom Tabellenkeller.
Hertha reicht ein Pünktchen in Dortmund, um den Klassenerhalt perfekt zu machen. Bei einer Niederlage kann der VfB Stuttgart mit einem Sieg gegen Köln gleichziehen - und Hertha in die Relegation schicken.
Verliert Stuttgart aber, kann wiederum Bielefeld mit einem Sieg gegen RB Leipzig vorbeihuschen und Relegation spielen. Aber das ist, siehe oben, unwahrscheinlich. Sieben Tore trennen Stuttgart und Bielefeld.
Man merkt’s an meinen Ausführungen: Ich versuche vor dem letzten Bundesliga-Spieltag künstlich Spannung aufzubauen. Denn das ist die Wahrheit: Das Saisonfinale ist langweilig und nur lokal von Interesse.
Vorige Saison hatten wir zumindest Schalke 04 und Werder Bremen im Abstiegskampf und schauten wie Voyeure, wie zwei Traditionsvereine strampelten und immer tiefer im Sumpf versanken.
Die ganze Nation litt und diskutierte mit, schüttelte den Kopf und konnte kaum glauben, was man sah. Das war Emotion pur. (Irgendwann freute sich jeder auf die stärkste Zweite Liga der Geschichte.)
Aber Hertha BSC und VfB Stuttgart? Außerhalb des Einzugsgebiets nimmt man fast achselzuckend zur Kenntnis, was die zwei Klubs versaubeuteln. Erst die Relegation wird ein endgültiges Urteil fällen.
(Und womöglich Alex Steudel durchschütteln.)
Schauen wir lieber nach vorne: auf das Europacup-Finale mit Eintracht Frankfurt gegen Glasgow Rangers (18. Mai) und das DFB-Pokalfinale zwischen SC Freiburg und RB Leipzig (21. Mai).
Gewinnt Frankfurt die Europa League, darf die Eintracht als fünftes Team an der Champions League teilnehmen. Ist der Pokalsieger für die Champions League qualifiziert, darf auch Platz 6 in die Europa League.
Danach ist Sommerpause. (Abgesehen vom Champions-League-Finale am 28. Mai in Paris.) Lasst uns auf den Saisonstart am 5. August freuen. Die Spielzeit 2022/23, ganz ehrlich, kann nur besser werden.
Ein erregtes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk
PS: Die Älteren unter uns erinnern sich an den Abstiegskampf 1999 und die legendäre Radio-Konferenz, u.a. mit Günther Koch, als der Club spektakulär abstieg: “Hallo, hier ist Nürnberg… Wir melden uns vom Abgrund!” Hier die einstige Bundesliga-Konferenz zum Nachlesen.

Er geht! Lewandowski lehnt Bayern-Angebot ab
Sportvorstand Salihamidzic kämpft jetzt um seinen Job
Von Pit Gottschalk
Seit acht Jahren spielt Robert Lewandowski beim FC Bayern und knackte einen Torrekord nach dem anderen, sogar mit 41 Treffern den fünf Jahrzehnte alten Bundesliga-Rekord von Gerd Müller. Man wusste also immer, was man an ihm hat, und schüttete ihn mit Geld zu.
Nun reichten weder monetäre Argumente noch gute Worte, um Lewandowski zur vorzeitigen Vertragsverlängerung zu bewegen. Der Pole will den 2023 auslaufenden Vertrag nicht erweitern und brach die Gespräche mit der Bayern-Führung ab. Geld war ihm nicht gut.
Bisher hat die Öffentlichkeit keine Ahnung, wie Bayern München auf die überraschende Wende vorbereitet ist. Erling Haaland ist nicht die Lösung. Der Norweger hat unter der Woche bei Manchester City unterschrieben. Für Sportvorstand Salihamidzic ergeben sich daraus zwei Optionen.
Option 1: Lewandowski muss den Vertrag ein Jahr lang herunterspielen, wie er’s schon 2013/14 bei Borussia Dortmund getan hat, und verschiedet sich dann ablösefrei Richtung Barcelona. Der Vorteil: Bayern gewinnt ein Jahr Zeit ohne Lohnausgleich und kann den Nachfolger in Ruhe suchen.
Option 2: Lewandowski darf sofort weg und bringt ein letztes Mal Geld, so um die 40 Mio. Euro Ablöse. Voraussetzung dafür wäre: Bayern hat oder findet schnell Ersatz. Der Zeitplan zwingt zur Eile: Am 5. August beginnt die Bundesliga-Saison, das Transferfenster schließt am 31. August.
Die Gründe für Lewandowskis Wechselwunsch
Jetzt zeigt sich, aus welchem Holz der zuständige Sportvorstand Hasan Salihamidzic tatsächlich geschnitzt ist. Er muss (a) eine Entscheidung treffen, die alle im Verein mittragen, und (b) zeigen, dass er bestens auf jede noch so sinnlose Wendung einer Top-Personalie vorbereitet ist.
Vorbereitet sein bedeutet: Er zaubert überzeugende Stürmernamen aus dem Hut, weil er den Markt sondiert, zielführende Vorgespräche geführt und erste Verabredungen getroffen hat. Ausreden hat er keine. Der Abschied von Lewandowski drohte seit langem.
Bei anderen Personalien, zum Beispiel bei Thiago und Alaba, konnte er die ungewollte Trennung mit Karrierewünschen der Spieler oder Geldgier der Berater plausibel erklären. Für adäquaten Ersatz reichte in der Pandemie das Festgeldkonto nicht. Aber jetzt?
Borussia Dortmund macht gerade vor, wie man rechtzeitig und passend eine Abwehr erneuert und deutsche Nationalspieler an sich bindet. Salihamidzic brachte dagegen Mitläufer wie Sabitzer, Sané und Upamecano. Ergebnis: nur ein Titel 2021/22. Das ist Bayern zu wenig.
Es reicht folglich nicht, irgendwelche Talente oder Übergangslösungen zu präsentieren. Salihamidzic muss, wie man heutzutage sagt, liefern. Sonst ist er, das ist die brutale Wahrheit, selbst beim FC Bayern geliefert. Das wird für ihn ein unbequemer Transfersommer an der Säbener Straße.
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15.30 Uhr, Sky: Bundesliga, Borussia Dortmund - Hertha BSC, VfL Wolfsburg - Bayern München, Bayer Leverkusen - SC Freiburg, Union Berlin - VfL Bochum, Mönchengladbach - TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart - 1. FC Köln, Mainz 05 - Eintracht Frankfurt, FC Augsburg - Greuther Fürth, Arminia Bielefeld - RB Leipzig
Sonntag
11 Uhr, SPORT1: Doppelpass (mit Alex Meier)
Das Millionenspiel von Werder Bremen
Relegation VfB-HSV? Bitte erspart mir das!
HSV-Kapitän Schonlau schielt auf Platz zwei
Von Alex Steudel
Mit Blick auf die Tabellen fröstelt’s mich. In der Bundesliga steht der VfB Stuttgart auf dem drittletzten Platz, in Liga 2 ist der Hamburger SV Dritter. Die Relegation VfB gegen HSV ist greifbar nah - und mein ganz persönlicher Horror.
Ich wurde in Stuttgart geboren, bin dort aufgewachsen, aber ich lebe seit 19 Jahren in Hamburg. Für wen soll ich bloß sein?
Liebe Fußballgötter, bitte erspart mir das!
Ich wünsche mir eine Hertha-Niederlage in Dortmund und einen Stuttgarter Sieg gegen Köln. Und ich möchte, dass der HSV entweder an Bremen vorbei auf Platz 2 zieht oder in Rostock ganz schlappmacht und Darmstadt den Vortritt lässt.
Ließe sich das einrichten? Ich wünsche mir doch sonst nie was!
Viele Menschen haben mich zuletzt gefragt: Was machst du eigentlich, wenn Stuttgart und Hamburg in der Relegation aufeinandertreffen? Ich kenne die Antwort nicht, ich bleibe einfach neutral.
Möge der Schwäbischere gewinnen.
Stuttgart in Liga zwei braucht kein Mensch. Sogar ich als Exil-Schwabe finde die Arbeit des VfB trotz meiner eindeutigen Neigung zu den Stuttgarter Kickers (Oberliga) ganz ordentlich. Jedenfalls im Vergleich zu Berlin. Hertha hat 2022 versagt – Stichwörter: Leistungen auf dem Platz, Windhorst, peinliche Fanproteste.
Der VfB handelte nach dem Präsidenten-Gate im Vorjahr zunehmend seriös. Und sie hatten keine 375 Zusatzmillionen wie Hertha. Ich glaube, Sportchef Sven Mislintat macht einfach einen guten Job.
Die VfB-Spieler gewinnen den Vergleich mit Hertha aus meiner Sicht alleine schon sprachlich. Sie wirken sympathisch, schwäbisch, echt.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich will außerdem nicht, dass der HSV in die Relegation kommt. Relegation ist weder Fisch noch Fleisch. Entweder steigt Hamburg auf und zeigt es endlich allen, oder man wird wieder mal Vierter und verkauft uns das als Kontinuität.
Wobei hier in der Stadt niemand genau weiß, wieso der HSV ausgerechnet diesmal aufsteigen sollte. Es war ja eine Saison wie immer: Hoffnung, guter Fußball, eine Blamage nach der anderen, Auf und Ab, Ab und Auf.
Der HSV ist wie die Stromrechnung: Man weiß nie, was einen erwartet.
Also gehen wir auf Nummer sicher, ja? VfB bitte auf Platz 15, und der HSV Zweiter oder Vierter.
Für HSV auf Platz vier spricht Bremen. Ich gebe zu, dass ich Werder den Aufstieg wünsche, ohne genau zu wissen warum. Sie sind so schön bescheiden. Einen Bezug zu Bremen habe ich nicht, auch wenn wir hier viele Gastarbeiter haben.
Bitte, liebe Fußballgötter, macht einfach mal was Verrücktes: Relegation Darmstadt 98 gegen Hertha BSC. El Egalico.
Hertha gewinnt meinetwegen, das muss Deutschland aushalten.
Aber Hauptsache nicht VfB-HSV.
Steudel-Kolumnen gibt’s auch als Buch – der Titel: “UND AM ENDE GEWINNEN IMMER DIE BAYERN”, 268 Seiten. Hier bestellen!
Wie Wehrle über die Zukunft des VfB Stuttgart denkt
Was sonst noch so los ist
Der VfB Stuttgart hat seine Balance verloren
Hertha BSC: Rücktrittsgerüchte
Gladbach-Boss kontert Ginter
Der erstaunliche Senkrechtstarter
Läuft Nkunku bald für Man United auf?
Ausstiegsklausel im Haaland-Vertrag
Beckenbauer wird ausgezeichnet
"Ich hatte Angst, dass ich sterbe"
Duell zwischen Essen und Münster
"Der Klub: die Nationalmannschaft"
Alle mal herschauen!
In der Sekte
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Pit Gottschalk @pitgottschalk

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