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Über 15km bis zum Supermarkt - muss Hungerstorf hungern?

Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Ausgabe #5 • Im Browser ansehen
Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Hallo liebe Leser,
was für einen spektakulären Vollmond hat der Warener Fotograf Anrdré Pretzel da in seiner Heimatstadt aufgenommen! Herzlichen Dank dafür, dass er es mit uns - und damit auch mit Ihnen - geteilt hat!
Leider ist hierzulande momentan nicht alles so malerisch wie dieses Foto verheißt: Mit dem Seenplatte-Landkreis ist vorige Woche ausgerechnet Deutschlands flächengrößter Landkreis zum Corona-Hotspot geworden. Vom Corona-Musterschüler zum Sorgenkind binnen weniger Wochen - wer hätte das vor Kurzem noch für möglich gehalten?
Doch auch in anderen Regionen des Nordostens nimmt das Virus wieder an Fahrt auf, besonders in den Seniorenheimen, von denen es hierzulande bekanntlich besonders viele gibt. „Die Lage ist sehr ernst, bleiben Sie besser zu Hause”, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Freitag.
Kein Wunder, dass dieses Thema also auch diese Ausgabe des Heimweh-Newsletters beherrschen wird. Besonders ans Herz legen wir Ihnen die Geschichte über das Dorf, das mehr als 15 Kilometer vom nächsten Supermarkt entfernt ist - und auch noch Hungerstorf heißt. Und natürlich haben unsere Reporter auch wieder so einige corona-freie, oft gute Nachrichten gefunden.
Das sind die weiteren Themen:
  • Heiratslust in Malchin so groß wie lange nicht
  • Zuzüge in Waren, Fortzüge in Neubrandenburg: Die neue Einwohner-Statistik
  • Hübsches Haus mit Reetdach zu versteigern
  • Fischer auf Rügen geben auf
  • 47 Jahre am selben Arbeitsplatz - und jetzt ist Schluss!
Bleiben Sie gesund, und vor allem gelassen.
Viele Grüße aus der Redaktion
Simon Voigt

Die gute Nachricht
Heiratslust in Malchin groß wie lange nicht
Was im Nordosten wichtig ist
Diese neuen Corona-Regeln gelten jetzt in MV
Wenn an der Kreisgrenze plötzlich ein triftiger Grund gefragt ist
Impfzentren gehen bald in Betrieb
Abschlussklassen können in Schulen zurückkehren
Neubrandenburg schrumpft, Waren wächst
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Was sonst noch los ist
Fischer auf Rügen geben auf
Hier gibt's ein hübsches Häuschen zu versteigern
Ein Bahnhof für Touristen
Hobbyangler lässt gefangenen Hecht wieder frei
In Hungerstorf wird schon keiner verhungern
Das gibt’s womöglich nur in MV: Im Radius von 15 Kilometern kein Supermarkt! Und dann heißt das Dorf auch noch Hungerstorf! Warum dort trotzdem niemand verhungern müsste, hat Nordkurier-Reporterin Kristen Gehrke aufgeschrieben
Überwiegend Selbstversorger: Der Hungerstorfer Andreas Ostermann macht sich keine Sorgen.
Überwiegend Selbstversorger: Der Hungerstorfer Andreas Ostermann macht sich keine Sorgen.
Es geschah zu einer Zeit, in der die Menschen am See noch Torf stechen mussten. Die Qualität hier in der Nähe des Varchentiner Sees war so schlecht, dass die Leute kaum davon leben konnten. So soll der Ort Hungerstorf zu seinem Namen gekommen sein. Erzählt man. Ein paar Jahrhunderte später, auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie, stellt sich die Frage nach einer ganz neuen Bedeutung des Dorfnamens. Hungerstorf ist nämlich ziemlich weit entfernt vom nächsten Supermarkt, 18 Kilometer von Malchin, 16 von Stavenhagen und 23 von Waren/Müritz.
Zu weit, wenn die 15-Kilometer-Regelung in Corona-Hotspots gnadenlos angewendet werden würde - zum Glück ist das (noch) nicht der Fall. Denn wer einkaufen fährt, darf sich notfalls auch über den 15-Kilometer-Radius hinaus bewegen, sofern er es muss. Trotzdem lohnt das Gedankenexperiment: Was wäre, wenn man nicht mal mehr einkaufen fahren dürfte? Kommen damit die alten Torfstecher-Zeiten zurück?
Genug eigenes Vieh und Kartoffeln
„Ich lass mich nicht verrückt machen“, sagt Andreas Ostermann. Seine Frau müsse nach Waren zur Arbeit. Und solche Fahrten seien ja wohl auch weiterhin erlaubt. Dann könne man dort auch gleich einkaufen, lautet der Plan, die 15-Kilometer-Regel zu umgehen. Außerdem schlachtete Andreas Ostermann just am Freitag zwei seiner vier Schweine und noch dazu zwei Schafe. So legt sich die Familie einen Vorrat an Wurst und Fleisch an. Eigene Kartoffeln liegen auch noch reichlich im Keller. Und die Hühner legen Eier. „Deshalb machen wir uns nicht so große Sorgen“, meint der Hungerstorfer. Ein viel größeres Problem sei, wenn mal etwas aus dem Baumarkt gebraucht wird nach einer Havarie. Das habe er gerade erleben müssen, als er eine kaputte Wasserleitung im Haus hatte.
Torsten Bezneck nimmt die Gegebenheiten so hin, wie sie sind. Vielleicht hätte man im Sommer nicht so viel lockern sollen, dann wäre es jetzt nicht so schlimm gekommen. „Es wird schon irgendwie weitergehen“, meint er. Eine Wahrsagerin im Fernsehen habe prophezeit, dass sich im Juni alles bessern werde, macht sich der Hungerstorfer Hoffnung. Einkaufen könne seine Frau in Waren, dort arbeite sie bei einem Pflegedienst.
Vielleicht ist die Strecke durch den Wald kurz genug
Auch Jens Peters sieht keine neue Hungersnot. „In Hungerstorf hat mir noch nie der Magen geknurrt“, sagt der ehemalige Malchiner. Und das werde er sicher auch weiterhin nicht. Die Gefriertruhen seien voll, außerdem komme der Bäckerwagen dienstags, donnerstags und sonnabends. Seine Frau arbeite in Malchin und könne da einen Abstecher zum Supermarkt machen. Und wenn man nach Waren über Sorgenlos und Groß Gievitz durch den Wald fährt, dann käme das mit den 15 Kilometern vielleicht sogar hin. „Auf dem Dorf hat man sowieso immer einen kleinen Vorrat“, sagt Peters. Das Schöne auf dem Land sei, dass man zum Nachbarn gehen und fragen kann, ob er noch ein Stück Butter übrig hat. „Nachbarschaftshilfe ist hier super.“ Deshalb nehme er alles gelassen. Man müsse es ohnehin akzeptieren und habe keine Wahl.
Auch Bärbel Palm lässt sich durch die Politik nicht aus der Ruhe bringen. „Ich glaube nicht, dass es auf ein oder zwei Kilometer ankommt“, sagt sie. Bis Stavenhagen werde sie kommen, und nach Waren könne sie den Weg durch den Wald nehmen. Bärbel Palm ist überzeugt: „Keiner verhungert in Hungerstorf.“ Das sieht auch Klaus Degen so. Fleischer-, Bäcker- und Obst- und Gemüseauto kommen ins Dorf. Da gehe er meistens einkaufen, auch wenn es ein bisschen teurer sei. „Dafür liegt es vor der Haustür“, meint er. Das sei viel wert. Aber er würde sich auch die Fahrt nach Waren nicht verbieten lassen. Denn die Lebensmittel-Versorgung einzuschränken, das gehe ja gar nicht. Auch nicht in Hungerstorf.
Amt hat keine Hilfspläne in der Schublade
Vom Amt Malchin können die Hungerstorfer jedenfalls keine Unterstützung erwarten. Ihm seien keine Hilfspläne bekannt, sagt Rathaussprecher Thomas Koch auf Anfrage. Doch vielleicht kann man in Hungerstorf die neuen Regeln auch ganz gelassen sehen, wenn der MV-Gipfel heute entscheidet, dass Mecklenburg-Vorpommern es mit den 15 Kilometern dann eventuell doch nicht so ganz genau nimmt.
Diesen Beitrag gibt’s eigentlich nur für Leser von Nordkurier Plus. Aber heute wollten wir für unsere Heimweh-Leser mal nicht so sein…
Kennen Sie Schwester Edelgard?
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Waren Sie in den letzten 47 Jahren mal in Prenzlau im Krankenhaus? Wenn ja, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von Schwester Edelgard betreut wurden, durchaus hoch: Denn so lange tat sie ihren Dienst im Hospital. Nun ging sie in Rente - es sei ihr gegönnt.
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