🌄 Sie ist immer ein Kind des Datzebergs geblieben

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Heimweh – Der Newsletter fĂŒr Weggezogene
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Heimweh – Der Newsletter fĂŒr Weggezogene
Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,
aus dem Urlaub, in den Urlaub: so fĂŒhlt es sich an, wenn man nach zwei Wochen Auszeit wieder an die Seenplatte kommt. Mein Kollege Carsten Schönebeck hatte mich in den vergangenen Wochen vertreten und nun schreibe ich wieder einen neuen Newsletter fĂŒr Sie.
Oder wollen wir uns langsam Duzen? Nachdem wir diesen Newsletter auf einen anderen Sendeplatz verschoben haben, denken wir auch ĂŒber einige andere Änderungen nach. Und das wird vielleicht auch die Ansprache betreffen, die etwas persönlicher wird. Zudem begrĂŒĂŸt uns in der kommende Woche eine neue Autorin. Sie können also gespannt sein!
Das Thema Reisen wird uns weiter begleiten, denn die Region ist gerade voller Urlauber, Kurzzeit-Heimkehrer und Familienbesucher. Welchen Ort, welchen Platz, welche Stelle, welchen Menschen wollen oder wĂŒrden Sie in diesem Sommer unbedingt im Nordosten besuchen? Haben Sie einen Geheimtipp oder einen Platz, an dem fĂŒr Sie besondere Erinnerungen hĂ€ngen? Oder gibt es einen Ort, den Sie besonders vermissen? Wo hat es sich verĂ€ndert? Schicken Sie uns gerne ein Foto ihres letzten Besuchs! Wir wollen fĂŒr die kommende Ausgabe eine Heimweh-Bildergalerie daraus bauen. Mail an newsletter@nordkurier.de
Doch nun zu den Fakten. Über Neubrandenburg scheiden sich die Geister: die einen finden die Stadt eher viel zu trist und grau, fĂŒr die anderen ist es die “beste Stadt der Welt”, wie uns ein Leser in dieser Ausgabe erklĂ€rt. Auch Doreen Bolz verbindet eher zwiespĂ€ltige GefĂŒhle mit ihrer alten Heimat. Eine schiefe Schullaufbahn, sie wurde gemobbt und zog weg. Nun baut sie sich hier wieder etwas auf und ist dabei ihr eigener Chef. Die ganze Geschichte lesen Sie weiter unten.
Weitere Themen der Woche:
  • Ein halbes Jahrhundert auf Fotojagd in unserer Natur
  • Besser schnell ein Haus im Nordosten kaufen
  • Weil „VG“ nicht fĂŒr „vergessene Gegend“ steht
  • Heimatgeschichte: Der Tornado von Feldberg
  • Hansa gegen Pauli: Ein Schicksalsspiel zur Wendezeit
  • Ein Gewinnspiel fĂŒr Theater-Fans
Machen Sie es gut und bleiben Sie zuversichtlich
– Simon Voigt

🙏 Die gute Nachricht
Internet-Abstimmung: Das ist der familienfreundlichste Ort Deutschlands
📰 In den Nachrichten
Was fĂŒr ein Fang! Anklamer Angler zieht Riesen-Wels aus der Peene
Neue FĂ€hre verbindet MV mit Stockholm
Leben im Nordosten wird begehrter
🩅 Wir von hier
Die schönsten Seiten der Heimat – ein halbes Jahrhundert auf Fotojagd nach unseren NaturschĂ€tzen
Junger Italiener will Penkun begeistern
Gegen die Vorurteile: „VG“ steht nicht fĂŒr „vergessene Gegend“
Ihr Verein könnte UnterstĂŒtzung vertragen?
Urlauber beeindruckt von großer Hilfsbereitschaft in Neustrelitz
đŸ„° Ein Bild voller Sehnsucht
Na, wer wÀre jetzt auch lieber hier?
Na, wer wÀre jetzt auch lieber hier?
Bei Instagram hatten wir kĂŒrzlich dieses schöne Foto gezeigt, das Andrea Schmidt in Klein Nemerow am Tollensesee aufgenommen hat. Sie war dort in der vergangenen Woche zum Camping. Ihr Mann verbringt in dem Ort seit seiner Kindheit jedes Jahr im Sommer ein paar Tage auf dem GrundstĂŒck seines Onkels. “Wir sind immer zur Blauen Stunde los, um den perfekten Sonnenuntergang zu genießen”, so Andrea Schmidt.
Friedlich wiegt das alte Boot im Wasser und das traf offensichtlich einen Nerv. Heimweh-Newsletter-Leser Thomas, er lebt heute in Dithmarschen, antwortete prompt und schrieb: “Wie ich meine Heimat vermisse!” Er sagte uns auch, dass er in zwei Wochen wieder in Neubrandenburg sein wird und das er das kaum erwarten kann. Schließlich sei das fĂŒr ihn die schönste Stadt der Welt. Wow!
Seine PlĂ€ne fĂŒr den Besuch: Mit der Tochter in den Kulturpark und zum See. Und was natĂŒrlich auch nicht fehlen darf: Ein kurzer Abstecher nach Burg Stargard zur Pinguin Eisdiele. Eis ist wichtig! Dieses Thema hatten wir ja auch schon in der vergangenen Woche, als wir Kult-Eisdielen in der Region gezeigt hatten.
🌬 Windiges aus der Geschichte
Jahrtausend-Tornado entwurzelte sogar EichenstĂŒmpfe
đŸ’‡â€â™€ïž Sie ist immer ein Kind des Datzebergs geblieben
Doreen Bolz war viele Jahre lang Hunderte Kilometer von ihrer alten Heimat Neubrandenburg entfernt. Jetzt erfĂŒllt sie sich hier einen lang ersehnten Traum und kehrt zurĂŒck. Dabei denkt sie auch mit gemischten GefĂŒhlen an ihre Kindheit auf dem Datzeberg, wie sie unserer Reporterin Paulina Jasmer erzĂ€hlte.
Doreen Bolz ist ein Datzeberg-Kind. So nennt sie sich selbst. Und als Datzeberg-Kind ist sie jetzt auch wieder auf den Neubrandenburger Datzeberg zurĂŒckgekehrt. Die 46-JĂ€hrige mit dem brĂŒnetten Haarschopf und der markanten Brille sitzt mit einem breiten LĂ€cheln in ihrem Salon. Ihrem ersten eigenen. Er liegt im Erdgeschoss einer neu gebauten Senioren-Residenz. Erst seit ein paar Monaten hat Doreen Bolz ihre bestandene MeisterprĂŒfung als Friseurin in der Tasche. In der Handwerkskammer zu Köln hat sie sie abgelegt. Und nun ist sie auf dem Datzeberg im Neubrandenburger Norden ihre eigene Chefin.
Nach der Wende: Nur weg!
„Ich wollte immer einen eigenen Laden haben“, sagt die nur 1,46 Meter große Frau, die wie ein Wasserfall reden kann. „Ja, plappern kann ich, muss man auch können als Friseurin.“ Die zweifache Mutter wollte nicht unbedingt wieder zurĂŒck auf den Datzeberg, weil ihre Kindheits-Erinnerungen nicht sonderlich gut seien. „Wir waren fĂŒnf Kinder zu Hause. FĂŒr schlechte Noten haben wir nie Ärger bekommen“, denkt sie zurĂŒck. Ihre Eltern waren der Meinung, dass jeder das schaffe, was er zu leisten vermag.
Doreen Bolz bezeichnet sich selbst als schlechte SchĂŒlerin, eine SchwĂ€nzerin, die die Schule noch vor der zehnten Klasse verließ. Auch weil sie gemobbt worden sei. Eine Lese-Rechtschreib-SchwĂ€che habe ihr das Leben zusĂ€tzlich erschwert. Dann herrschte Wendezeit. Aufbruch. FĂŒr die damals 15-JĂ€hrige bedeutete das: Sie wollte nur weg.
Im Christlichen Jugenddorf (CJD) Frechen in Nordrhein-Westfalen fand sie Obdach – und eine Ausbildungsstelle zur Friseurin, ihr Traumberuf. Gut 700 Kilometer entfernt konnte sie von 1991 bis 1994 ihr berufliches GlĂŒck machen, hatte aber die Liebe in Neubrandenburg gefunden. Ihren baldigen Ehemann hatte sie in der alten Heimat kennengelernt. Sie kehrte zurĂŒck, sie heirateten, bekamen zwei Kinder. Doreen Bolz arbeitete als Friseurin.
Lang ersehnter Traum
Rund 20 Jahre nach Ausbildungsende gab es ein Klassentreffen, bei dem sie einen ehemaligen Bewohner des CJD wieder traf. Ihre Ehe sei schon damals zum Scheitern verurteilt gewesen, eine neue Liebe wuchs. Die Scheidung vom heutigen Ex-Mann folgte und Doreen Bolz zog wieder in die Ferne, mit der festen Absicht, das zu tun, was sie schon immer wollte: ihren Meister machen. Mit einer diagnostizierten Lese-Rechtschreib-SchwĂ€che sei das eine Herausforderung gewesen. Sie habe mehr Zeit eingerĂ€umt bekommen. „Doch als ich nach acht Stunden aus der PrĂŒfung kam, dachte ich, ich bin durchgefallen“, kann sie sich erinnern. Aber Ende 2020 kam der erlösende Brief: Sie hatte bestanden.
Jetzt galt es, sich etwas Neues aufzubauen. Zeitgleich habe sie mitbekommen, dass ihre Eltern, die noch immer in Neubrandenburg wohnen, Zuwendung brauchen. Die Idee, sich in der Vier-Tore-Stadt selbststĂ€ndig zu machen, war geboren – auch wenn sie jetzt eine Fern-Beziehung fĂŒhrt. Mit dem GrĂŒn der Seenplatte hĂ€tten Köln und Co. nie mithalten können. Was dort als See galt, darĂŒber habe sie nur mĂŒde lĂ€cheln können, sagt Doreen Bolz.
Gerne die Kunden betĂŒddeln
Die 46-JĂ€hrige schĂ€tzt es, fĂŒr Ă€ltere Kunden da zu sein. „Sie werden mitunter vergessen“, meint sie. Sie mag es, „Àltere Damen zu betĂŒddeln“ – die auch betĂŒddelt werden wollen.
FĂŒr die Neubrandenburgerin lĂ€uft es also gut. Noch besser wird es gar: „Auch meine Tochter wird eine RĂŒckkehrerin. Sie will Lehramt in Greifswald studieren“, sagt die stolze Mutter, deren Sohn Feuerwehrmann in Schwedt ist. Heimat und Familie gehören eben zusammen.
Liebe Newsletter-Gemeinschaft,
wir haben uns sehr darĂŒber gefreut, dass uns Doreen Bolz ihre Geschichte erzĂ€hlt hat. Bestimmt haben Sie auch etwas zu erzĂ€hlen, das gut in diesen Newsletter passen wĂŒrde. Wie ist es Ihnen fern der Heimat ergangen? Warum haben Sie damals den Nordosten verlassen? Wie halten sie Kontakt zu den Leuten von frĂŒher? Schreiben Sie uns doch einfach:
🩊 BilderrĂ€tsel
Foto: Stefan Sauer/dpa
Foto: Stefan Sauer/dpa
Die Ostsee ist fĂŒr viele unserer Leser ein Sehnsuchtsort und beim Tauchen kann man ihr ganz nah sein. Hier geht das sogar, ohne dabei nasse FĂŒĂŸe zu bekommen. Welches spezielle GebĂ€ude ist auf diesem Foto zu sehen?
Bei dem BilderrĂ€tsel in dieser Woche gibt es sogar etwas zu gewinnen. Mit freundlicher UnterstĂŒtzung der Vorpommerschen LandesbĂŒhne verlosen wir einmal zwei Freikarten fĂŒr die AuffĂŒhrung des diesjĂ€hrigen Sommertheaters “Vineta – Traum ohne Wirklichkeit” am 30. Juli auf der OstseebĂŒhne in Zinnowitz.
Vielleicht wĂ€re das doch ein Ziel fĂŒr den nĂ€chsten Heimatbesuch! Teilnahmeberechtigt sind alle richtigen Antworten, die uns bis nĂ€chste Woche Mittwoch (21. Juli) erreichen. Der oder die Gewinnerin verpflichtet sich zudem, uns ein Selfie des Theaterbesuchs fĂŒr die dann folgende Newsletter-Ausgabe zur VerfĂŒgung zu stellen. đŸ€ł
Auflösung des letzten BilderrÀtsels
Im Newsletter der vergangenen Woche waren wir auf der Suche nach der Bergringbahn in Teterow. Marko Kriedemann hatte das richtig erraten, es ist der selbe Heimweh-Leser, der uns in der vergangene Ausgabe schon viel zur Karniner BrĂŒcke erzĂ€hlen konnte. Kriedemann ist Bauingenieur und hat in Neubrandenburg studiert, wo an der Hochschule derzeit genau dieser Studiengang wiederbelebt werden soll. Er schrieb uns, dass er sich freuen wĂŒrde, wenn wir auch darĂŒber berichten wĂŒrden. Gerne doch! Ab dem Wintersemester geht es los, hier können Sie mehr dazu lesen.
Wer die Lösung fĂŒr unser BilderrĂ€tsel kennt, kann sie an newsletter@nordkurier.de schicken. Die Auflösung folgt in der nĂ€chsten Ausgabe. Wollen Sie auch ein Foto aus der Region zum Mitraten einschicken? Immer her damit!
đŸ“ș Filmtipp
Hier geht es zum Film bei YouTube
Hier geht es zum Film bei YouTube
Juchhu! Wir sind wieder wer! In der nĂ€chsten Saison spielt Hansa Rostock wieder in der zweiten Bundesliga und wird dabei auch auf den FC St. Pauli aus Hamburg treffen. Diese Partien galten frĂŒher immer schon als Risikospiele, seitdem bei einer Begegnung im Jahr 1993 unter den Fans Gewalt ausbrach. Damals trafen im Stadion die eher linken AnhĂ€nger aus Sankt Pauli auf rechtsradikale Hooligans unter den Hansa-Fans.
Im Fernsehfilm “Schicksalsspiel” wurde dieses Ereignis wenig spĂ€ter verarbeitet. Die “Berliner Zeitung” schrieb damals: “[Regisseur] Bernd Schadewald erzĂ€hlte anhand der gĂ€ngigen Vorurteile, die Jugendliche aus den alten und neuen BundeslĂ€ndern voneinander haben, eine Liebesgeschichte, die zufĂ€llig, hastig und sehr unbedacht ihren Anfang nimmt und frei nach Shakespeare zu einem jĂ€hen Ende kommt.” Sehenswert ist der Film auch wegen seiner SchauplĂ€tze, die das heruntergekommene Rostock kurz nach der Wende zeigen. Zudem grĂŒĂŸen JĂŒrgen Vogel und Benno FĂŒhrmann als junge Hansa-Hools.
Unterbrochen ist der Film von einigen Interviews mit echten Pauli-Fans, die ĂŒber ihre Liebe zum Fußball und diese schicksalhafte Begegnung sprechen. Einige hatten sich damals sogar geschworen, nie wieder zu einem Spiel “in die Zone” reisen zu wollen.
Ob es dabei geblieben ist? Zumindest zwei Jahre spĂ€ter waren wieder viele Hamburger in Rostock, als es bei einem Spiel gekracht hatte. Hier ist ein N3-Bericht zum damaligen “Rauchbombenspiel”.
Zu sehen gibt es den Film hier.
Schicksalsspiel, Regie: Bernd Schadewald, 1993, 83 Minuten
🚂 NĂ€chster Halt
Der Heimweh-Newsletter ist auch deswegen auf den Donnerstag gerutscht, damit ihr mehr von unserer Veranstaltungs-Rubrik habt. Denn hier gibt es wieder Tipps fĂŒr die nĂ€chsten Tage oder sogar schon dieses Wochenende.
Mit Volldampf zum Eisenbahnfest nach Gramzow!
Museum auf Usedom: In PeenemĂŒnde soll es nicht nur um V2-Raketen gehen
Hanse Sail in Rostock – so klappt es trotz Corona-Regeln
😼 Huch!
Mit beiden Beinen auf dem Boden des Heimweh-Newsletters.
Mit beiden Beinen auf dem Boden des Heimweh-Newsletters.
In der kommenden Woche wollen wir unseren Newsletter etwas umgestalten. Dazu gehört auch, dass wir uns, die Autoren, selbst ein wenig mehr vorstellen. Denn wer ist eigentlich dieser Simon Voigt, der hier jede Woche aus dem Nordosten grĂŒĂŸt? Und wer ist seine neue Kollegin, die auch etwas zum Thema Heimweh erzĂ€hlen kann? NĂ€chsten Donnerstag erfahrt ihr mehr!
Wie fanden Sie diese Ausgabe? Hier können Sie uns einen Daumen nach oben oder unten geben und einen Kommentar schreiben. Sie können diese Mail ĂŒbrigens auch an Weggezogene, Dagebliebene, Verwandte, Ostsee- und Seenliebhaber, KĂŒstenkinder, Freunde, Hinterpommern und Bekannte weiterleiten, wenn Ihnen dieser Newsletter gefallen hat. Denn Weiterempfehlungen sind bekanntlich das grĂ¶ĂŸte Lob.
Sie haben Fragen, Ideen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns gleich unter newsletter@nordkurier.de. Wir freuen uns ĂŒber Ihre RĂŒckmeldung!
Mit UnterstĂŒtzung von
MV
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