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Heimat-Besuch wird doppelte Mission Impossible

Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Ausgabe #7 • Im Browser ansehen
Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Guten Abend, liebe Leser,
so schön ist es dieser Tage in Mecklenburg-Vorpommern und der Uckermark. Diese Idylle am Tiefen Ziest bei Lalendorf hat unsere Leserin Nancy Meinelt aus Teterow fotografiert.
Zum Beginn des neuen Jahres veröffentlichen die Städte ihre Einwohnerzahlen und siehe da: Erstaunlich oft sind positive Meldungen dabei. In der Region, der seit Jahrzehnten viele Menschen den Rücken kehren, ist das sehr erfreulich. Meist ist der Grund tatsächlich, dass die Rückkehrer ihre alte Heimat immer im Herzen behalten haben.
Außerdem berichtet in dieser Ausgabe eine Mecklenburgerin, die seit 16 Jahren in Niedersachsen heimisch ist, wie Corona sie gleich doppelt von ihrer Familie trennt. Die Krise wird uns weiter beschäftigen: Im Nordosten wurden am Montag die Maßnahmen weiter verschärft – an einen Heimatbesuch ist da nur schwer zu denken.
Vielleicht haben Sie dafür umso mehr Zeit für Unsinn. Denn: “Wer lernen will, sinnvoll zu leben, muss viel Unsinn machen.” Das hat der ehemalige Anklamer Theater-Intendant Wolfgang Bordel im Interview mit dem Nordkurier gesagt. Bordel, eine wahre Intendanten-Legende, ist in diesen Tagen 70 Jahre alt geworden.
Das sind die weiteren Themen:
  • Mit einer zündenden Idee aus Hamburg zurück nach Pasewalk
  • Flensburger hält seit 60 Jahren Kontakt in die Heimat am Haff
  • Größter Solarpark Deutschlands sorgt in Vorpommern für Gerede
  • 2020 wurde fleißig geheiratet
  • Neuer Pächter für Penzliner Burg gesucht
  • Bundes-Stiftung in Neustrelitz sucht neue Mitarbeiter
Viele Grüße und bleiben Sie zuversichtlich
Simon Voigt

Die gute Nachricht
Junge Menschen ziehen wieder nach Pasewalk
Das sind die Nachrichten
Ist Stretense reif für Deutschlands größten Solarpark?
Neue Corona-Maßnahmen in MV sind in Kraft
2020 wurde fleißig geheiratat
Uckermärkische Bio-Läden freuen sich über Umsatzplus
Von Neustrelitz ins Weltall: Forscher bieten Online-Kurse an
Pächter für Penzliner Burg gesucht
Neue Ehrenamtsstiftung in Neustrelitz sucht Mitarbeiter
Fuchs wandelt auf hauchdünnem Eis
Foto: Mandy Oppermann
Foto: Mandy Oppermann
Das hätte schiefgehen können: Bei Waren liefen Füchse über eine Millimeter dünne Eisdecke. “Sie waren sich wohl sicher, nicht einzubrechen. Zum Glück ist nichts passiert. Aber das war für mich ein aufregendes Erlebnis, so etwas zu beobachten”, sagt unsere Leserin Mandy Oppermann, die uns dieses Foto geschickt hat.
Heimat-Besuch: Doppelte Mission Impossible
Anke Netling stammt aus der Region Neubrandenburg. Sie lebt heute in Niedersachen und hat ihre Familie in der Heimat ewig nicht gesehen. Den 60. Geburtstag ihrer Mutter hat sie verpasst. Nun verhinderte das Virus auch ein Treffen mit ihrer Oma, denn Anke Netling wurde selbst krank. Mit den Folgen kämpft sie bis heute.
Foto: © www.sebfoto.de - stock.adobe.com/privat
Foto: © www.sebfoto.de - stock.adobe.com/privat
Durch die Pandemie wurde Anke Netling von ihrer geliebten Heimat getrennt – und das gleich zwei Mal. Die 39-Jährige lebt in Niedersachsen. Normalerweise fährt sie mindestens einmal im Jahr zurück nach Mecklenburg, wo ihre Familie wohnt. Der Bruder, die Mutter, die geliebte Oma und auch eine Schulfreundin sind noch da und Anke Netling freut sich immer darauf, ihren Urlaub in der alten Heimat zu verbringen. Am liebsten ist sie dann in der Region um Neubrandenburg unterwegs, doch ein Abstecher zur Ostsee muss auch immer sein.
Im Sommer 2019 war sie zuletzt da, in einem Hotel am wunderschönen Tollensesee. Coronabedingt musste der Besuch 2020 ausfallen. „Ich vermisse das wirklich sehr”, sagt Anke Netling. Den 60. Geburtstag ihrer Mutter hat sie dadurch verpasst, was ihr sehr weh getan hat.
Aufgewachsen ist sie in Roggenhagen bei Friedland. Dort und in Neubrandenburg ging sie auch zur Schule. Sie wurde Pflegerin und arbeitete in einem Altenheim. Weil ihr damaliger Freund keine Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern gefunden hatte, zogen sie im Jahr 2004 nach Niedersachsen. Ein Jahr später heirateten beide in Malchin. Am Anfang kümmerte sie sich noch voll um die Erziehung ihres neugeborenen Sohnes und merkte schnell, was ihr nun fehlt. Keine Großeltern waren da zur Unterstützung, ein Kindergartenplatz zu bekommen war schwierig. Und wenn, dann nur von 7.30 Uhr bis 14 Uhr. Richtig Arbeiten gehen kann man da nicht.
„In Niedersachsen sind die Menschen nicht so offen.”
Mit etwas Abstand zur Heimat hat Anke Netling bestimmte Dinge schätzen gelernt. „Der Mecklenburger ist ein anderer Menschenschlag, in Niedersachsen sind die Menschen nicht so offen”, sagt sie. Das mag überraschen, wird doch dem Mecklenburger eine gewisse Knurrigkeit nachgesagt. Doch die Fortgezogene begründet das so: „Ich vermisse das Dorfleben, das Miteinander der Menschen.” Von ihrem damaligen Mann ist sie inzwischen geschieden und nach der Trennung nach Hildesheim gezogen. In der Großstadt habe jeder für sich gelebt, der Zusammenhalt habe einfach gefehlt. Am Anfang sei es sehr schwer gewesen, Anschluss zu finden. Sie kam mit den Leuten nicht mehr so leicht ins Gespräch, wie es früher einmal war. „Es war nicht mehr so, wie ich es kannte.”
Nach zwei Jahren konnte sie wieder anfangen zu arbeiten und nach rund 16 Jahren in Niedersachsen betont sie heute: „Ich mag meine neue Heimat.” Sie lebt inzwischen in einer Kleinstadt, dort habe sie alles, was sie braucht, nette Nachbarn und gute Kontakte. An ihrem derzeitigen Leben möchte sie nichts ändern: „Wieder zurückzugehen, kommt für mich nicht in Frage, auch wenn sich die Verwandtschaft freuen würde.” Sie sei nun einmal weggezogen und habe ein anderes Leben kennengelernt. Sie sagt aber auch: „Ich weiß nicht, was noch kommt.” Wenn ihr Sohn, inzwischen 17, irgendwann einmal aus dem Haus sei, könnten die Dinge schon wieder anders aussehen. Und eine Stelle als Pflegerin bekomme sie in Mecklenburg allemal.
Kontakt über Facebook und Instagram
Kontakt in die alte Heimat und zu den alten Freunden halte sie heute über Facebook und Instagram, wenn auch nur sporadisch. Sie freut sich jedes Mal, wenn der Nordkurier wieder ein Foto aus der Region postet. Einmal hat sie eine Schulfreundin in Hannover getroffen, doch das ist auch schon ein paar Jahre her. Ansonsten bleibt es bei den Besuchen, wenn es denn geht, und da kam nun schon wieder das Coronavirus dazwischen.
Anke Netling hat sich vor etwa drei Wochen infiziert und kämpft noch immer mit den Folgen. Sie musste zwar nicht ins Krankenhaus, doch sie fühlt sich schlapp, müde, nicht belastbar. Als sie mit dem Nordkurier telefonierte, war sie noch immer krankgeschrieben. Spätestens durch die Erkrankung ist nun ein eigentlich für Februar geplanter Besuch ihrer geliebten Großmutter in Niedersachsen ausgefallen. Da diese Risikopatientin ist, will sie ihre Oma nicht unnötig gefährden. Und so heißt es also weiter Abwarten, bis sich die Familie endlich wieder sehen kann. In Mecklenburg.
Liebe Newsletter-Gemeinschaft, wir haben uns sehr darüber gefreut, dass Anke Netling uns ihre Geschichte erzählt hat. Bestimmt haben Sie auch etwas zu erzählen, das gut in diesen Newsletter passen würde. Wie ist es Ihnen fern der Heimat ergangen? Warum haben Sie damals den Nordosten verlassen? Wie halten sie Kontakt zu den Leuten von früher? Schreiben Sie uns doch einfach!
Wir von hier
Flensburger hält seit 60 Jahren den Kontakt in die alte Heimat
„Wir hatten ja nichts – außer Freude am Leben“
Bauen und Wohnen
Berliner wollen Bahnhof bei Neustrelitz retten
Aufbruchstimmung in der Mecklenburgischen Schweiz
Anklams neue Mitte kommt gut durch die Krise
Jarmen braucht bald schon wieder neues Bauland
Sie wollen ihren Dorfkonsum zurück
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Das gibt es nur in Pasewalk
Eine junge Frau ist in ihre Heimat nach Pasewalk zurückgekehrt, um mit ihrem Vater einen neuen Pflegedienst aufzubauen. Das Konzept sei bundesweit einmalig, sagen sie. Und es könnte groß rauskommen.
Unsere Reporterin Johanna Horak hat mit ihr gesprochen.
Tina Weise und ihr Vater arbeiten jetzt zusammen.
Tina Weise und ihr Vater arbeiten jetzt zusammen.
Mit der Eröffnung ihres ambulanten Pflegedienstes „Haffhelden“ in Pasewalk wagt Tina Weise den Schritt in die Selbstständigkeit. Unterstützung erhält die 28-Jährige dabei von ihren Eltern. Ihr Vater Kazimierz Posadowski ist in Pasewalk kein Unbekannter. Der 66-Jährige leitete 15 Jahre lang eine chirurgische Praxis im Pasewalker Ärztehaus.
Das Projekt sei einmalig in Deutschland. „Unseres Wissens gibt es bundesweit kein Konzept, das einen ambulanten Pflegedienst mit einem Arzt anbietet“, sagt Tina Weise „Normalerweise fahren die Chirurgen nicht zu ihren Patienten, und für schwer kranke Menschen ist es wiederum oft nicht möglich, zum Chirurgen zu gelangen“, sagt Kazimierz Posadowski. Die „Haffhelden“ sollen ein Pilotprojekt werden, sagt Tina Weise, die sich sicher ist: „Wenn wir das schaffen, dann ist das bundesweit möglich.“
Für die Verwirklichung ihrer Idee zog die junge Frau aus Hamburg zurück in ihre Heimat Pasewalk. In Hamburg absolvierte sie zuvor ihr duales Studium im Pflegemanagement, arbeitete im Anschluss daran sechs Jahre lang im Krankenhaus in der ambulanten Pflege, in der Intensivmedizin und als Pflegedienstleiterin. An Berufserfahrung mangelt es ihr also nicht.
Ab Mitte Februar sind die „Haffhelden“ in Pasewalk, aber auch in den Dörfern am Rande der Uckermark im Einsatz. „Wir wissen, dass auch dort Bedarf besteht, und würden auch zu Patienten dieser Region fahren“, so Tina Weise.
Dieser Artikel stammt aus unserem kostenpflichtigen Angebot Nordkurier Plusund steht hier exklusiv unseren Newsletter-Lesern zur Verfügung. Hier gibt es weitere Infos.
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