Profil anzeigen

Grüße aus der (k)alten Heimat

Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Ausgabe #8 • Im Browser ansehen
Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Guten Abend, liebe Leser,
und nun ist der Nordosten tiefgefroren. Nachdem es eine ganze Nacht geschneit hatte, ließ Fotograf Andy Bünning seine Drohne über Torgelow aufsteigen – entstanden ist dabei unser Foto der Woche.
“Endlich mal wieder richtig Winter”, heißt es oft angesichts solcher Bilder. Oder wie sehen Sie das: Welche Winter-Erlebnisse verbinden Sie mit Ihrer Heimat? Sie können uns am Ende des Newsletters wie immer schreiben. Und falls Sie oder Ihre Eltern sich noch einmal an den Katastrophen-Winter 1978/79 erinnern wollen: Wir hätten da was.
Falls Sie aber beim Thema Winter eher das Zittern bekommen, haben wir in dieser Ausgabe unseres Newsletters auch schon den ersten Frühlingsboten. Außerdem schauen wir noch einmal nach Loitz, wo Annika und Rolando aus der Großstadt ein Jahr lang zur Probe wohnen werden – inklusive Grundeinkommen. Sie sollen in dieser Zeit ein baufälliges Haus wieder herrichten und zu einem Treffpunkt in der Kleinstadt entwickeln. Nun waren sie zum ersten Mal da und sagen: „Es ist viel, viel Arbeit. Aber es ist schön. Ja, das wird gut,“
Etwas baufällig ist auch das Großherzogliche Palais in Neustrelitz. Ein neuer Investor will es wieder herrichten und daraus ein Gebäude für die ganze Stadt entwickeln. Unter dem Dach sind sogar Wohnungen geplant.
Das sind die weiteren Themen:
  • Quereinsteiger als Lehrer dringend gesucht
  • Zusammenhalt nach tödlichem Unfall in Anklam
  • Neue Wohnungen in Malchin sind bald fertig
  • Pasewalker Bücher-Oase erhält wichtigen Preis
  • Eine Künstlerin, die sich ganz bewusst für Neubrandenburg entschieden hat
  • Für den Traumberuf zurück in die Heimatstadt gekommen
Viele Grüße und bleiben Sie zuversichtlich
Simon Voigt

Die gute Nachricht
Dieses Palais soll nun allen gehören – und Sie können darin wohnen
Hier kommen die Nachrichten
Ganz Stretense ist gegen den Solarpark
Biker spenden für das Grab nach tödlichem Umfall in Anklam
Gibt es in MV bald Lehrer ohne abgeschlossene Ausbildung?
Bauen und Kaufen
Jugendherberge Dahmen geht wieder in den Verkauf
In Malchin entstehen neue Wohnungen
Heimat, tiefgefroren
Wandern am Schmalen Luzin
Wandern am Schmalen Luzin
“Was war das für ein wunderschöner Wintertag”, schrieb uns Katja Gonschorek zu ihrem Foto. Sie hat es am Sonnabend am Schmalen Luzin bei Feldberg aufgenommen. In der Nacht vorher hatte es kräftig geschneit über dem Nordosten.
Wir von hier
Pasewalker Kultur-Oase erhält Deutschen Buchhandlungspreis
Neukalener rufen zu einer Lauf-Challenge auf
Gewinner knüpfen erste Kontakte in Loitz
Schauspielschüler helfen bei Kontaktnachverfolgung
Eine Kister voller Heimatglück aus Vorpommern
Frau mit Banane im Mund in Neubrandenburg verkauft
Filmdreh: In Vorpommern gibt es bald richtig Action
Zurück in die Heimat – fürs „Wir“-Gefühl
„Wo können wir etwas bewirken? Am ehesten dort, wo wir herkommen!“ So erklärt die gebürtige Neustrelitzerin und Künstlerin „Rico.“, weshalb sie und ihre Partnerin nach ihrer Ausbildung gemeinsam in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Dort wurde “Rico.” in diesem Jahr eine hohe Ehre zuteil.
Von unserer Reporterin Susanne Schulz.
Die Küstlerin Rico in ihrem Atelier
Die Küstlerin Rico in ihrem Atelier
Es hätte ihr Jahr werden können. Mit ganz viel Wirkung, Aufmerksamkeit, Anerkennung, wie sie Künstlern nicht alle Tage zuteil wird. Vor allem an sichtbarer Wirkung aber fehlte es im Corona-Jahr 2020. Umso wertvoller die Anerkennung, die einer jungen Künstlerin aus dem Osten Mecklenburg-Vorpommerns zuteil wird: Der in Neubrandenburg lebenden Rico. (Der Name ist nur echt mit dem Punkt!) ist der Nachwuchskunstpreis für Bildende Kunst des Landes Mecklenburg-Vorpommern zuerkannt worden. 
Diese Auszeichnung, die begabte junge Künstler bei der beruflichen Entwicklung unterstützen und ihnen eine größere Öffentlichkeit ermöglichen soll, hätte ein arbeitsmäßig ohnehin turbulentes Jahr krönen können, denn Rico. hatte sich viel vorgenommen. Doch am Ende blieben von zehn geplanten Ausstellungen gerade mal zwei. 
Das Wir-Gefühl zog sie zurück in die Heimat
Die erst zum dritten Mal vergebene Auszeichnung ging zum dritten Mal in den Osten des Landes: 2018 wurde die Greifswalderin Pauline Stopp geehrt, bei der Premiere 2016 die Neubrandenburgerin Ramona Seyfarth, die ist übrigens Rico.s Lebenspartnerin. Ist die Zukunft der Bildenden Kunst im Land weiblich? „Junge Männer zieht es vielleicht mehr in die Metropolen“, schätzt Rico., die sich bewusst für die Heimat entschieden hat.
Nicht lange stellte sich nach der Ausbildung zur Glasbildnerin im niederbayerischen Zwiesel die Frage nach dem künftigen Lebensmittelpunkt. Die gebürtige Neustrelitzerin zog es in die Großstadt, ihre aus Neubrandenburg stammende Partnerin Ramona aufs Land – oder in die weite Welt. Dass aus so gegensätzlichen Wünschen eine gemeinsame Heimkehr wurde, erklären sie mit dem hier erlebten Wir-Gefühl, Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten – und der Überlegung: „Wo können wir etwas bewirken? Am ehesten dort, wo wir herkommen!“ 
Und was für Kunst macht Rico.? Sie ist multimedial tätige Objektkünstlerin, Malerin und Fotografin, kreiert Werke aus ungewöhnlicher Zusammenführung unterschiedlicher Materialien und Techniken – wie einer hölzernen Platte auf metallenen Füßen, mit Aussparungen für gläserne Vitrinen, die wiederum mit Gewebe bespannt wurden, durch das Ton „fließt“ und dabei verschiedene Strukturen hervorbringt. Sie arbeitet ortsbezogen wie bei Installationen in der einstigen Landesirrenanstalt Domjüch bei Neustrelitz, im Kulturhaus Mestlin, in einem leer stehenden Kaufhaus oder einem Wahlkreisbüro.
“Viele glauben nicht, dass Kunst ein Beruf ist”
So wie derzeit „ins Graue, ins Vakuum hinein“ zu arbeiten, zehrt allerdings an den Kräften. „Mona und ich haben Projekte für 14, 15 Monate. Und wir haben Zeit, aber nicht die nötige Ruhe. Denn wir müssen jede Chance ergreifen, Geld zu verdienen“, sagt sie. Aufträge zur Gestaltung von Flyern oder Webseiten sind ebenso beeinträchtigt wie ihr Engagement in der kulturellen Bildung – etwa als Dozentin an der Jugendkunstschule Neubrandenburg – oder die Ideen des erst 2020 in Passentin von Künstlern der Region gegründeten Vereins simsalArt.
Das klischeehafte Bild vom Hungerkünstler verfestigt sich in solchen Zeiten. Vor allem junge Kollegen können nur existieren, indem sie mietfrei bei den Eltern wohnen, indem sie einen Partner mit festem Einkommen haben oder indem sie mehrere Jobs ausüben. Oder, um es mit Rico.s Worten zu sagen: „Viele Leute glauben nicht, dass Künstler ein Beruf ist.“
Dennoch fehlt es in unserem Land offenkundig nicht an künstlerischem Reichtum. Gerade auch bei der Kandidatenvorstellung des Nachwuchspreises entdeckt Rico. jedes Mal Neues: Von den diesjährigen Nominierten kannte sie zuvor nur eine. „Im Land passiert wahnsinnig viel, auf jedem Dorf“, folgert sie. Doch die Kollegen seien nicht besonders gut vernetzt; erstrebenswert sei eine Plattform, die alle vorstellt.
Die Saison 2021 weckt viele Hoffnungen
Große Hoffnungen richten sich nun auf die Saison 2021. Zum Beispiel auf die Ausstellung im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow, bei der sich im Sommer die Nachwuchspreis-Nominierten vorstellen dürfen.
Liebe Newsletter-Gemeinschaft, wir haben uns sehr darüber gefreut, dass die Künstlerin uns ihre Geschichte erzählt hat. Bestimmt haben Sie auch etwas zu erzählen, das gut in diesen Newsletter passen würde. Wie ist es Ihnen fern der Heimat ergangen? Wie halten sie Kontakt zu den Leuten von früher? Wollen Sie zurückkehren? Schreiben Sie uns doch einfach!
Eine Schnecke namens Greta
Greifswalder Forscher machen Greta Thunberg zur Schnecke
Der erste Storch ist zurückgekehrt
Polizei ermittelt nach Tod eines Bibers
Traumberuf in der Heimatstadt gefunden
Susanne Korbel ist die Neue in der Stadtbibliothek von Templin. Nach dem Studium in der Ferne freut sie sich, dass sie einen Beruf in ihrer alten Heimatstadt finden konnte.
Unsere Reporterin Michaela Kumkar hat mir ihr gesprochen.
  Susanne Korbel ist die Neue in der Templiner Stadtbibliothek. Foto: Michaela Kumkar
Susanne Korbel ist die Neue in der Templiner Stadtbibliothek. Foto: Michaela Kumkar
Besser hätte es nicht laufen können: Die gebürtige Templinerin Susanne Korbel arbeitet jetzt in ihrer Heimatstadt. Sie ist sozusagen die Neue in der Stadtbibliothek. Ende des Jahres wurde dort ihre Vorgängerin in den Ruhestand verabschiedet. „Ich freue mich natürlich auch, wieder in meinem Beruf arbeiten zu können“, sagt die 43-Jährige.
Nach dem Abitur hatte sich Susanne Korbel zunächst für ein Wirtschafts- und Rechtsstudium entschieden. Mit dem Diplom in der Tasche habe sie jedoch gemerkt, dass dies doch nicht der richtige Beruf für sie sei. Auf der Suche nach einer Alternative, die zu ihr passt, hat sie sich an ihre Leidenschaft fürs Lesen erinnert. Es folgte das Studium für Bibliothekswesen an der Fachhochschule Köln, das sie dort abgeschlossen hat, ebenfalls mit einem Diplom. Bibliothekarin, ein wunderbarer Beruf sei das, zudem sehr vielseitig. „Nicht nur, weil man mit einer Vielzahl von Medien zu tun hat und Veranstaltungen organisiert“, sagt Susanne Korbel, die mit ihrer Familie im Dorf Paulinenhof wohnt. „Man hat außerdem mit sehr vielen Menschen zu tun, Kindern und Erwachsenen.“
Lesenachschub auch im Lockdown
Zurückgekehrt in ihre Heimat war sie schon vor ein paar Jahren, nur musste sie für die Arbeit bislang immer etwas weiter pendeln. Das ist nun einfacher. Der Empfang in Templin sei sehr freundlich gewesen. „Die ersten Kontakte zu Nutzerinnen und Nutzern der Bibliothek, bis zu dem Zeitpunkt, als sie coronabedingt vorübergehend schließen musste, haben mir Freude bereitet“, so Susanne Korbel. Silke Behrens, Leiterin der Stadtbibliothek, gibt das Kompliment gern an ihre Kollegin zurück. „Man merkt, dass sie vom Fach ist. Wir verstehen uns gut.“
Beide Frauen hoffen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis die städtische Einrichtung wieder öffnen kann. Einen Termin gibt es dafür angesichts des derzeitigen Pandemiegeschehens allerdings noch nicht. Bis es so weit ist, verlängern sie die Abgabetermine ausgeliehener Medien, sortieren den Bestand der Bibliothek, kümmern sich um die Fernleihe und um die Bestellung neuer Bücher. „Und wir finden immer eine individuelle Lösung, wenn Lesehungrige dringend Lektürenachschub brauchen.“
Ausblick
Immergut-Festival wird in den Spätsommer verlegt
Wie fanden Sie diese Ausgabe? Hier können Sie uns einen Daumen nach oben oder unten geben und einen Kommentar schreiben. Sie können diese Mail übrigens auch an Freunde und Bekannte weiterleiten, wenn Ihnen dieser Newsletter gefallen hat.
Haben Sie Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns unter newsletter@nordkurier.de. Wir freuen uns über jede Rückmeldung!
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Verwalten Sie Ihre Newsletter-Abos hier.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.
Wenn Sie keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchten, können Sie den Newsletter hier abbestellen.

Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG, Friedrich-Engels-Ring 29, 17033 Neubrandenburg