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Grüße aus dem Winterwundernorden!

Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Ausgabe #10 • Im Browser ansehen
Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Hallo liebe Leserinnen und Leser,
für die einen war es einfach nur wunderschön, die anderen hatten die besten Winterferien aller Zeiten. Nach reichlich Schneefall und Dauerfrost erlebten die Menschen im Nordosten ein spektakuläres Sonnen-Wochenende. Überall in der Region gingen sie nach draußen, staunten über die Eispanzer an Seebrücken und Leuchttürmen und mancherorts wagten sich die Leute sogar auf zugefrorene Seen.
Schlittenfahren gehört natürlich auch zum Winter dazu und wer es etwas flotter mag, der ließ sich wie auf dem Titelfoto in Pokrent (Nordwestmecklenburg) sogar motorisiert durch die Gegend ziehen. Manch einer wagte sich mit Schwalbe oder Simson S 51 sogar aufs Eis und bretterte über die Seen. Weitere Winterfotos und mehr finden Sie weiter unten in dieser Ausgabe unseres Newsletters.
Viele Menschen im Nordosten wollen ja möglichst wenig von dieser sonderbaren Tradition mitzubekommen: dem Karneval. Auch wenn er hierzulande weniger verbreitet ist, gibt es doch einige Hochburgen. Wir schauten nach, was die Karnevalisten trotz der Corona-Beschränkungen so treiben. Kreativ waren sie!
Auch das Thema Heimweh kommt in dieser Ausgabe natürlich nicht zu kurz. Eine Mecklenburgerin lebt schon einige Jahre in den Niederlanden und so richtig warm wurde sie mit der neuen Heimat nicht. Jetzt will sie einfach nur nach Hause, doch das ist schwierig.
In unserer letzten Ausgabe versteckte sich ein Bilderrätsel, dass wir an dieser Stelle noch auflösen wollen. Einige Leser haben uns geschrieben, darunter Familie Hinrichs aus Braunschweig, ehemals Neubrandenburg. Sie wussten: “Das Foto zeigt die Torpedoinsel im wunderschönen Tollensesee.” Das war sogar doppelt richtig: Der See ist wirklich wunderschön und, richtig, auf der Insel wurden im Zweiten Weltkrieg Torpedos erprobt. Heute nisten dort Vögel.
Und das sind die weiteren Themen dieser Ausgabe:
  • Amazon will sich in Neubrandenburg ansiedeln
  • Bürger gegen Gasbohrungen in der Uckermark
  • Müritzer setzen sich für syrischen Friseur ein
  • Templins Kult-Gebäude wird saniert
  • Filmemacher kehren für neues Projekt in die Heimat zurück
  • Valentinsmord an Neubrandenburger bis heute nicht aufgeklärt
Viele Grüße und bleiben Sie zuversichtlich
Simon Voigt

Nächster Halt Neustrelitz: Hier können Sie in der Heimat arbeiten
Die gute Nachricht
„Solche coolen Winterferien hatten wir schon lange nicht mehr“
Hier kommen die Nachrichten
Hunderte Arbeitsplätze: Amazon will sich in Neubrandenburg ansiedeln
Geimpfte dürfen nicht früher Ferienwohnungen mieten
Wer kauft den Tanklösch-Oldtimer vom Kummerower See?
Bürgerinitiative wehrt sich gegen Gasbohrungen in der Uckermark
Müritzer setzen sich für syrischen Frisör ein
Anklamer Karnevalisten begeistern mit Videogruß
Eiskalte Nachrichten
So schön ist der Winter im Nordosten
Winter 1979: Als der Schnee den Nordosten begrub
Traumhaftes Wetter lockt Massen an Ostsee-Strände
Früher Storch trotzt dem Dauerfrost
Auf Rügen treffen sich jetzt die Wintersportler
Hüpfen, wenn das Glück am größten ist
Hüpf, Hüpf, Hurra!
Hüpf, Hüpf, Hurra!
Hier hüpfen Marlen Neitzke und ihre Tochter Bente bei einem spektakulären Sonnenuntergang am Freitag durch die Winterlandschaft bei Altentreptow. “Wir nehmen seit fünf Jahren in jedem Urlaub ein Spring-Foto auf”, sagt sie. “Da wir in diesem Jahr nirgendwo hin kommen, haben wir es hier bei uns zu Hause in der Siedlung gemacht.” Und so viel Schnee in der Heimat ist ja eigentlich auch etwas besonderes, fast wie Urlaub, möchte man meinen.
Bauen und Wohnen
Neues Baugebiet für Eigenheime soll in Anklam entstehen
Malchiner Ortsteile wehren sich gegen Wohndorf-Projekt
Wie aus einem Torgelower Schandfleck ein Vorzeigehaus wurde
Templiner Kult-Gebäude wird saniert
Wir von hier
Ex-Mitläufer der Rechten trainiert heute junge Migranten in Torgelow
Filmemacher kehren für neues Projekt in ihre mecklenburgische Heimat zurück
Ehemaliger Dart-Vize-Weltmeister aus Vorpommern will es wissen
Eingeschneit und eingebuddelt
Marten, Liselotte und Alea genießen den Schnee.
Marten, Liselotte und Alea genießen den Schnee.
Und was haben Sie so am Wochenende getrieben? Unser Leser Christian Schallock hat uns dieses Foto aus Mönkebude am Haff geschickt. Die Kinder hatten sich dort einen halben Iglu gebaut. Gefroren haben sie offenbar nicht.
In der Fremde erkannt, wie schön es zu Hause ist
Marie van der Zanden wollte weg aus Grevesmühlen, “wo Nazis leben”. Sie wollte die weite Welt sehen, ging in die Niederlande. Jetzt will sie einfach nur nach Hause, doch das ist schwierig.
Marie Van der Zanden in ihrem Garten in Nijmegen.
Marie Van der Zanden in ihrem Garten in Nijmegen.
Marie van der Zanden steckt in einem ziemlichen Dilemma. Die 37-Jährige wuchs in Grevesmühlen in Nordwest-Mecklenburg auf. 2005 zog sie in die Niederlande, um Musiktherapie zu studieren. Dort lebt sie bis heute, inzwischen mit eigener Familie. Doch richtig angekommen ist sie nie. Sie möchte nach Hause, nach Mecklenburg. Doch damit würde sie ihre Familie auseinanderreißen.
Damals, mit 22 Jahren, wollte sie “nur weg aus Grevesmühlen. Weg aus Mecklenburg, wo Nazis leben, wo man abends als junges Mädchen nicht mehr nach draußen gehen kann. Ich wollte die weite Welt sehen. Neues erfahren, alles lernen von der Welt.” Über Zwischenstationen in den westlichen Teil des Landes verschlug es sie schließlich in die Niederlande. Groß war ihre Lust auf Reisen und Abenteuer. Doch die Ernüchterung kam schnell.
Schon ihre Ankunft beschreibt sie heute als “Kulturschock”. Fern ihrer Heimat war sie plötzlich auf sich allein gestellt. “Ich hatte keine Verwandten oder Familie. Ich musste mich jeden Tag selbst motivieren.” Zu ihren Kommilitoninnen fand sie keinen Draht. “Ich passte von meiner Kleidung und meinem Charakter nicht ins Bild einer jungen Studentin, weil ich Partys und tägliches Ausgehen vermied, um Arbeit und Studium in einer fremden Sprache unter einen Hut zu bekommen.” Hinzu kam der Altersunterschied. Die anderen waren viel jünger, weil man in den Niederlanden schon mit 16 studieren darf.
“Ich merkte schnell, wie schwer es ist, hier Freundschaften auf zu bauen. Niederländer sind offene Menschen. Echte, tiefgründige Gespräche führen wird schwieriger. Jeder lebt für sich, sein Geld und seine Familie. Für ein Miteinander ist wenig Zeit. Hier steht das ‘ICH’ an erster Stelle”.
"Wer nicht für sich sorgen kann, hat einfach Pech”
In den Niederlanden stehe Eigenverantwortung an erster Stelle. Das Leben dort sei teuer. “Wer nicht für sich sorgen kann, hat einfach Pech. Wer keine Wohnung bekommt, aus welchem Grund, muss auf der Straße wohnen. 15 bis 20 Jahre Wartezeit auf eine kleine Mietwohnung seien nichts Ungewöhnliches. "Mütter bekommen ihre Kinder, und gehen danach sofort wieder arbeiten. Zu Hause bleiben und für die Kinder sorgen, wird fast als asozial angesehen.”
Dennoch seien die Niederländer mehr auf das Allgemeinwohl bedacht als die Deutschen. “Man geht zum Beispiel nur zum Arzt, wenn es unbedingt sein muss. Nicht, weil die Krankenkasse es bezahlt. Kinderärzte gibt es ausschließlich in Krankenhäusern. Wenn ein Kind Fieber hat, geht es nicht zum Arzt. Es bleibt zu Hause und trinkt Tee.”
Der Vorteil an diesem System sei, dass es kaum Arbeitslosigkeit gebe. “Hier geht jeder arbeiten. Staatliche Unterstützung gebe es erst nach vielen Jahren der Arbeitslosigkeit. Trotz einiger Härten hätten Land und Leute aber auch sehr viele schöne Seiten. "Doch leider fühle ich mich nicht wohl hier.”
“Nirgendwo gibt es echte Natur. Das bisschen Natur, was hier ist, wird entweder zugebaut und/oder künstlich angelegt, oder ist voll von Niederländern, die spazieren gehen. "Jetzt in der Corona Zeit werden die Menschen oft weggeschickt oder gar nicht erst reingelassen. Voll ist voll. Dann müssen wir auch noch am Wochenende zu Hause bleiben und dürfen nicht in die Natur.”
Seit dem 22. Januar gebe es eine Ausgangssperre zwischen 21 und 4.30 Uhr und seither regelrechte Bürgerkriege “mit Plünderungen und Zerstörungen”, beschreibt sie.
“Dieses alles ist für mich Grund, um weg zu ziehen. Ich brauche die Natur. Brauche Freiheit, und kein Gefängnis. Frische Luft, Felder, Wiesen, Natur, wo die Hasen sich noch gute Nacht sagen. Wobei MV auch immer mehr zugebaut wird.” Auch leide sie unter der schlechten Luftqualität in den Niederlanden. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie schon vor zehn Jahren alle Zelte in den Niederlanden abgebrochen.
Zurück nach Deutschland, nach Schwerin, an die Ostsee oder nach Nordwestmecklenburg - das wär’s. Doch ihr Mann und ihre Tochter möchten nicht mit. "Meine Tochter ist hier geboren und aufgewachsen, ist ihre gesamte Grundschulzeit hier in der Schule. Sie möchte hier bleiben, hat hier ihre Freunde und ihren Zirkusunterricht.” Ähnlich geht es ihrem Mann, einem echten Niederländer. In seiner Heimat sieht er bessere Karrierechancen für sich und das Kind.
“Daher ist es offen, ob wir in der nächsten Zeit nach Mecklenburg zurückkehren. Die Familie auseinander reißen, und dann an zwei verschiedenen Orten wohnen, dieses ist ein sehr schwerer Entschluss. Mich selbst hält hier nur noch meine Familie, meine Tochter und mein Mann. Ansonsten nichts mehr. Auch nicht die Gewissheit, dass mein Mann hier eine bezahlte Arbeit hat. Heimat bleibt Heimat.”
Liebe Newsletter-Gemeinschaft, wir haben uns sehr darüber gefreut, dass Marie van der Zanden uns ihre Geschichte erzählt hat. Bestimmt haben Sie auch etwas zu erzählen, das gut in diesen Newsletter passen würde. Wie ist es Ihnen fern der Heimat ergangen? Warum haben Sie damals den Nordosten verlassen? Wie halten sie Kontakt zu den Leuten von früher? Schreiben Sie uns doch einfach!
Tod eines Fortgezogenen
Valentinstag-Mord immer noch rätselhaft
Sie wollen mehr über spannende Kriminalfälle aus der Region lesen? Wir hätten da was.
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