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Erst fortgezogen, dann Oma (90) nachgeholt

Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Ausgabe #11 • Im Browser ansehen
Heimweh – Der Newsletter für Weggezogene
Liebe Leserinnen und Leser,
wer hätte vorige Woche gedacht, dass der Frühling so schnell kommt? Dieses Foto entstand am Wochenende in Warnemünde - bei 14 Grad! Überall strömten die Einheimischen an die Küste. Doch wehe, wenn unter ihnen auch Tagestouristen aus anderen Bundesländern waren. Lesen Sie dazu mehr in unserem Nachrichtenüberblick.
Immer noch eisig kalt ist es am anderen Ende der Ostsee, in Tallinn, wo eine Wissenschaftlerin aus Mecklenburg lebt. Sie hat sich mit der Frage beschäftigt, wie man in ländlichen Räumen eine Aufbruchstimmung erzeugen kann. Zwangsläufig musste sie dabei auch an ihre eigene Kindheit denken – heute erzählt Sie Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, davon.
Dass der Wolf in Mecklenburg-Vorpommern schon fast wieder zum Inventar in den Wäldern gehört, ist bekannt – aber er bereitet nach wie vor auch viele Probleme. Wie viele, das zeigt Ihnen unser Überblick mit Wolfs-Meldungen, die binnen weniger Tage bei uns erschienen sind.
Das sind die weiteren Themen in unser heutigen Ausgabe:
  • Eine rührende Überraschung für die Oma aus der Heimat
  • Corona-Krise als Chance für Tourismus in MV?
  • Wie ein paar Wildschweine Greifswald aufmischen
  • Landrat der Seenplatte spricht erstmals über seine Erkrankung
  • Vergessenes Tollensetaal im Aufwind
  • Loitzer Landärztin im Ruhestand hilft nun bei den Corona-Impfungen
  • Junge Sportlerin aus Feldberg will zur Wasserski-EM
Herzliche Grüße und bleiben Sie zuversichtlich
Simon Voigt

Die gute Nachricht
Fortgezogen aus der Uckermark, doch Oma kommt mit!
Was im Nordosten wichtig ist
Polizei in MV nimmt Tagestouristen ins Visier
Wildschweine in Greifswald „kennen die Straßenverkehrsordnung”
Corona als Chance für Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern?
Sportler kämpfen für die Öffnung der Fitnessstudios
Quarky ist der berühmteste Kater im Nordosten
Ein letzter Wintergruß
Karlchen ist inzwischen vermutlich fast geschmolzen.
Karlchen ist inzwischen vermutlich fast geschmolzen.
Karlchen hat letzte Woche alles überragt. Mit seinen 2,29 Metern war der Schneemann in Ganzlin bei Plau am See schon von weitem zu sehen.
Gebaut hatten ihn Laura Hannemann und ihr Freund Hans-Rudolf. „Wir wollten einen Schneemann bauen, der die Leute glücklich macht in dieser schweren Zeit”, sagt sie. Er sei dann einfach immer größer geworden. Lesen Sie hier mehr dazu.
Bilder wie diese vom Winter im Nordosten hatten bei unserer Leserin Celin Cassie Nakoinz etwas Heimweh ausgelöst. Die 20-Jährige kommt aus Brustorf Ziegelei in der Nähe von Neustrelitz. Sie wohnt seit fast drei Jahren in Köln und dort hat es gefühlt als einzige Region in Deutschland keinen richtigen Winter gegeben.
“Bei uns waren zwar auch Minusgrade, aber es hat nur sehr wenig geschneit und es ist auch nur wenige Stunden liegen geblieben”, schrieb sie uns. Durch ihre Familie und diesen Newsletter konnte sie viele Fotos aus der alten Heimat sehen. Immerhin!
Hallo, Frühlingsvögel!
Foto: Bernd Wüstneck
Foto: Bernd Wüstneck
Auch die Loris im Vogelpark Marlow freuen sich über den Frühling. Sie sind zusammen mit 230 anderen Vögeln in der 1500 Quadratmeter großen Anlage zu Hause. Vor drei Jahren waren dort einige Volieren unter Schneemassen eingestürzt, inzwischen ist der Park komplett neu gestaltetet. Aktuell hat der Park noch wegen Corona geschlossen.
Jetzt bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt bewerben
Bauen und Wohnen
Vergessenes Tollensetal im Aufwind
Bahnhof Altstrelitz wird verkauft
Gebäude der Loitzer Stärkefabrik hat schnell Besitzer gewechselt
Keine Lösung in Sicht für zentrale Baulücke
Zwischen der alten und der neuen Heimat liegt die Ostsee
Dr. Bianka Plüschke-Altof erforschte an der Universität Tartu, wie es gelingen kann, in ländlichen Regionen eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Dabei musste sie oft an ihre alte Heimat in Mecklenburg denken.
Bianka Plüschke-Altof beim Blaubeerensammeln in einem estnischen Wald. Unter der kleinen Mütze, die rechts von ihr hervorguckt, steckt ihr Sohn beim Naschen.
Bianka Plüschke-Altof beim Blaubeerensammeln in einem estnischen Wald. Unter der kleinen Mütze, die rechts von ihr hervorguckt, steckt ihr Sohn beim Naschen.
Heimweh kennen die Menschen in Estland auch, sie nennen es koduigatsus. Bianka Plüschke-Altof hat zum ersten Mal gespürt, was sie an ihrer eigenen Heimat schätzt, also sie vor 15 Jahren aus Groß Nemerow weggezogen ist. Nach dem Abitur 2006 am Gymnasium Carolinum in Neustrelitz ging sie wie so viele andere auch nach Berlin. Doch der Massenandrang an der Krummen Lanke, das merkte sie schnell, ist nichts im Vergleich zu den Mecklenburger Seen, die man ganz für sich haben kann. “Diese Einsamkeit in der Natur hat mir gefehlt”, sagt sie.
Einige ihrer Freunde sind damals auch nach Berlin gezogen, manche sind noch immer dort. Eine schöne Zeit: “Wir waren eine kleine Mecklenburger Enklave und haben uns gegenseitig geholfen.” In Berlin lebte sie mit ihrem Freund, ihrem heutigen Mann, der aus Estland stammt. Sie kennen sich schon seit einem Austauschjahr in der elften Klasse. “Ich hatte mich damals nicht nur in ihn, sondern auch in das Land verliebt”, sagt Bianka Plüschke-Altof. Das Ziel war klar: Irgendwann wollte sie auch in Estland leben. Diesen Traum konnte sie sich 2014 erfüllen.
An der Universität Tartu war ein Promotionsstipendium ausgeschrieben auf das sie sich bewarb und das sie tatsächlich auch bekommen hatte. Heute ist Bianka Plüschke-Altof Umweltsoziologin, erforscht das Verhältnis vom Menschen zur Natur und untersucht, wie es möglich ist, den Menschen auch in der Stadt mehr Zugang zur Natur zu bieten. Sie bezeichnet das als eine Frage der Gerechtigkeit, denn darauf seien wir alle angewiesen. In ihrer Doktorarbeit ging es jedoch um die Frage, welches Image eine Region hat und wie das die Entscheidungen der Menschen beeinflusst, die dort leben. Untersucht hat sie dafür den ländlichen Raum in Estland, doch zwangsweise musste sie auch an ihre eigene Kindheit denken.
“Wenn dir alle sagen, dass du besser gehst, dann gehst du natürlich.”
Die ersten 20 Jahre ihres Lebens hatte sie in Groß Nemerow gelebt. Nachdem sie mit der Grundschule im Ort fertig war, wurde diese geschlossen. Sie weiß, wie die Menschen sich fühlen, die zurückbleiben, wenn die Jugend fast geschlossen das Dorf verlässt. “Wenn dir alle Leute erzählen, dass es besser ist zu gehen, dann gehst du natürlich und am Ende bleibt keiner mehr übrig.” Dabei hätte sie andere Optionen gehabt, sie hätte auch in Greifswald oder Rostock studieren können, doch daran habe sie damals gar nicht erst gedacht. Erst nachdem sie fortgezogen war, ist ihr das aufgefallen.
In Estland sei es nun ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern. Das Land ist noch dünner besiedelt, die Natur ursprünglicher, beide Länder verbindet die Ostsee, auch wenn sie dort oben Westsee heißt. Auch in Estland zieht es die jungen Menschen in die größeren Städte oder gleich in Richtung Westen. Dort gebe es ebenfalls Bauernhöfe, für die auch in Zukunft noch jemand sorgen soll. Damit die ländliche Region nicht irgendwann ausblutet, könnten auch Imagekampagnen helfen und die Stärkung des Tourismus, denn dies schaffe Arbeitsplätze vor Ort. “Es müssen viel mehr die Erfolgsgeschichten erzählt werden von den Menschen, die geblieben sind.” So könne sich das Image einer Region verbessern und ein neues Lebensgefühl entstehen.
Doch was ist nun besser? Stadt oder Land? Die Wissenschaftlerin kann darauf keine eindeutige Antwort geben. “Es hängt von der Lebensphase ab”, sagt sie. In der Stadt gebe es mehr Möglichkeiten, man könne neue Ideen ausprobieren. Das will sie nicht missen. Doch für ihre Kinder will sie es nun auch wieder ruhiger haben.
Estland ist schön, doch über eine Rückkehr in die alte Heimat denkt Bianka Plüschke-Altof trotzdem manchmal nach. “Die Bedingungen müssten stimmen.” Estland sei ein digitaler Staat, Deutschland ist da noch eindeutig hinterher. Doch dank der Digitalisierung wäre es möglich, dass die Familie zum Beispiel in den Sommerferien nach MV geht. In Estland sind die immerhin zwei Monate lang und die Eltern bräuchten dann nur einen Internetanschluss, um zu arbeiten.
Aus ihrem früheren Freundeskreis sind heute die meisten weggezogen. Und wie das so ist: Auch bei ihr gab es mit der Zeit immer seltener Gründe, mal wieder nach Mecklenburg zu kommen. Auch die Weihnachtsfeiern wurden seltener. Ihr letzter Besuch ist nun schon lange her, das war im Sommer 2019, als die Sonnenblumen auf den Feldern gerade in der Blüte standen. Sie war Baden im Großen Labussee bei Zwenzow und hat ihrem Sohn, heute ist er 4, ihre Heimat gezeigt. Seine zehn Monate alte Schwester war hingegen noch nie in Mecklenburg. Ein Besuch zu Weihnachten war eigentlich fest eingeplant, musste dann aber doch wegen Corona ausfallen. Die Bestimmungen hatten sich kurzfristig geändert und die Familie wollte den Kindern keine Zwangsquarantäne zumuten. Immerhin konnten die Großeltern im letzten Sommer nach Estland kommen, als dies möglich war.
Nun heißt es abwarten, vielleicht bis Ostern. “Dann stellen wir einfach trotzdem einen Weihnachtsbaum auf und tun so, als wäre nichts passiert”, scherzt sie. Bis dahin bekämpft sie ihr koduigatsus manchmal mit Grabower Küsschen. Denn die gibt es auch in einem Laden in Tallinn zu kaufen.
Liebe Newsletter-Gemeinschaft, wir haben uns sehr darüber gefreut, dass Bianka Plüschke-Altof uns ihre Geschichte erzählt hat. Bestimmt haben Sie auch etwas zu erzählen, das gut in diesen Newsletter passen würde. Wie ist es Ihnen fern der Heimat ergangen? Warum haben Sie damals den Nordosten verlassen? Wie halten sie Kontakt zu den Leuten von früher? Schreiben Sie uns doch einfach!
Die Esten nennen die Ostsee Westsee (Läänemeri). Am Strand muss Bianka Plüschke-Altof manchmal an ihre Heimat denken.
Die Esten nennen die Ostsee Westsee (Läänemeri). Am Strand muss Bianka Plüschke-Altof manchmal an ihre Heimat denken.
Achtung, Wolfsgebiet!
Großstädter finden die Vorstellung vom Wolf in den heimischen Wäldern romantisch - doch die Einheimischen wissen, dass die Rückkehr des Raubtieres ihre Schattenseiten hat. Die wurden während der Schnee-Zeit in den vergangenen Tagen wieder einmal besonders deutlich: Hier ein Auszug aus Wolfs-Meldungen des Nordkurier der vergangenen Tage. Noch mehr Wolfs-Content gibt’s auf unserer Themenseite.
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Was ist zu tun, wenn mir ein Wolf begegnet?
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