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Newsletter von M. Sulzbacher: Streit unter den Organisatoren der Corona-Demos

Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher
Liebe Leserin, lieber Leser,
der Facebook-Konzern Meta hat zwei Propagandanetzwerke aus Russland und China enttarnt und mehr als 1.600 Accounts gelöscht. Es sei die „größte und komplexeste Operation russischen Ursprungs“ seit Beginn des Krieges in der Ukraine, sagte Facebook-Manager David Agranovich am Dienstag. Es konnten zwar keine direkten Verursacher identifiziert werden, aber es stehe fest, dass auch russische Vertretungen im Ausland Inhalte aus dem Propagandanetzwerk verbreitet hatten. Hier ist die Recherche von Meta.
Sanktionslos
In den Beiträgen wurde der Ukraine unter anderem vorgeworfen, die Massaker in Butscha erfunden zu haben. Die deutschsprachigen Beiträge laufen fast immer auf eine Botschaft hinaus: Ließe Deutschland Wladimir Putin in der Ukraine sanktionslos Krieg führen, wäre alles besser.

Gefälschter Spiegel: mit Botschaft gegen die Sanktionen.
Gefälschter Spiegel: mit Botschaft gegen die Sanktionen.
Fundament der Kampagne waren imitierte Nachrichtenseiten, die deutschen Medien wie dem „Spiegel“, „Bild“, „T-Online“, „Süddeutsche Zeitung“ oder dem britischen „Guardian“ täuschend ähnlich sahen und über ähnliche Internetadressen erreichbar waren – etwa sueddeutsche.online statt sueddeutsche.de. Diese Seiten spielten pro-russische Artikel und Videos aus, die dann auf Twitter, Facebook und Telegram verbreitet wurden. Laut Meta wurden keine österreichischen Medien nachgeahmt, allerdings Videos von Oe24 verwendet.
Ziel: Verwirrung und Unsicherheit
Ziel einer Desinformationskampagne ist es, Verwirrung und Unsicherheit zu stiften. Dafür werden Leute mit unsinnigem, hetzerischem, absurdem, faktenverdrehendem, aber für Uninformierte glaubwürdigem Zeug überflutet. Und zwar solange, bis auch normale Bürgerinnen und Bürger nicht nur nicht mehr wissen, was die Fakten sind, sondern auch glauben, dass es prinzipiell gar keine gesicherten Fakten gibt. Oder überhaupt keine Wahrheit. Damit soll das Vertrauen in Medien und in die Demokratie langfristig erodiert werden. 
Gefälschter Guardian.
Gefälschter Guardian.
Das zweite Netzwerk von Fake-Accounts, das Meta enttarnt hat, wurde mutmaßlich aus China gesteuert. Das Hauptziel dieser Operation waren die USA, es wurde versucht, die vor den Midterm-Elections im November bereits gereizte Stimmung weiter anzuheizen. (Markus Sulzbacher, 29.9. 2022)
Warum es kein Freibier bei der Corona-Demo gab? Streit!
Trotz großspuriger Ankündigungen gab es bei der letzten größeren Corona-Demonstration am 10. September in Wien doch kein Freibier. Der Grund: Krach zwischen den beiden Aktivisten Hannes Brechja und Martin Rutter, die seit dem Jahr 2020 gemeinsam immer wieder Demonstrationen organisiert hatten, an denen tausende Personen teilnahmen. Zeitweise waren es sogar Zehntausende, die zu den als „Mega Demos“ ausgerufenen Kundgebungen kamen.
„Inhaltliche Differenzen“
Nun sieht es so aus, als würden die beiden Männer getrennte Wege gehen. Der Anlass für das Zerwürfnis war, dass Brechja – der das Freibier ankündigte –, „ohne Absprache“ mit Rutter die Demonstration ausgerufen hatte, nachdem es zuvor „inhaltliche Differenzen“ gab, war dazu auf einem Telegram-Kanal von Rutter zu lesen. Kritik gab es wohl auch daran, Freibier bei der Demonstration zu verteilen.
Unser Stil ist ein anderer, ist auf einem Telegram-Kanal von Rutter zu lesen.
Unser Stil ist ein anderer, ist auf einem Telegram-Kanal von Rutter zu lesen.
Brechja verzichtete auf das Bier, ging dafür auf Konfrontationskurs und bezeichnete Rutter als „Narzissten“.
Schließlich zog Rutter mit Impfgegnerinnen und Impfgegnern und organisierten Rechtsextremen durch einige Bezirke Wiens, während Brechja zeitgleich am Heldenplatz eine Kundgebung abhielt. Danach zogen beiden Gruppen gemeinsam über den Ring.
Brechja ging auf Konfrontationskurs.
Brechja ging auf Konfrontationskurs.
Bei dem Streit geht es um Einfluss und die Führung der Protestbewegung. Die Demonstrationen sind auch wichtig, um Spendengeld zu sammeln. Wie dieser Hahnenkampf ausgeht, lässt sich derzeit nicht abschätzen.
Brechja bei den Freien Linken
Während der aus Kärnten stammende Rutter – nach eigenen Angaben – 163 Telegram-Gruppen bespielt, taucht der Wiener Brechja bei allen möglichen Demonstrationen in der Hauptstadt auf. Er setzt offensichtlich auf Basisarbeit. So war er am vergangenen Samstag in Wien dabei, als die Freien Linken, gemeinsam mit der Impfgegnerpartei MFG sowie Splittergruppen eine Kundgebung gegen die Sanktionen und „Für Frieden mit Russland“ abhielten. Als Redner war auch ein Landtagsabgeordneter der steirischen KPÖ angekündigt, der jedoch seine Teilnahme absagte.
Nächste Demo
Am 2. Oktober will Rutter in Wien wieder eine Demonstration durchführen. Die Identitären unterstützen ihn dabei, sie mobilisieren ebenfalls zu der Kundgebung. (Markus Sulzbacher, 29.9. 2022)
Der folgende Artikel (von mir) interessieren Sie sicher:
Identitärer als FPÖ-Türsteher und ein Küssel-Mann als Leibwächter von Rosenkranz - Watchblog - derStandard.at › Inland
Die Recherche war auch ein Thema auf Puls4:
Corinna Milborn
Ich hab Rosenkranz ausserdem zum Preis seiner Verbindung für die Neonazi-Gruppe BFJ befragt, zu seinem Bodyguard aus dem Neonazi-Milieu und zu einem bekannten Identitären als FPÖ-Türsteher. Und natürlich Russland, Feminismus und Amtsverständnis. Hier lang: https://t.co/qPd2iwhTcP
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Markus Sulzbacher
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Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher @msulzbacher

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