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Newsletter von M. Sulzbacher: "Normale Leute" mit Galgen

Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher
Hallo liebe Leserin, lieber Leser,
tritt Bundespräsident Alexander Van der Bellen öffentlich auf, dann sind auch sie zu Stelle. Seit Wochen versuchen Personen aus dem Milieu der Impfgegnerinnen und Impfgegner seine Auftritte zu stören. Er wird ausgepfiffen und angepöbelt. Als er die Salzburger Festspiele besuchte, war unter den Demonstrierenden ein Mann, der einen Galgen dabei hatte. Eindeutiger geht es nicht. Das sorgte für Empörung, der ehemalige Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein sagte dazu, dass derartige Proteste nicht mehr länger „bagatellisiert“ werden dürften. Er sagte in einem „profil“-Interview auch, dass vor dem Haus seiner Töchter Sicherheitsbeamte stehen mussten, weil sie während seiner Zeit als Minister ebenfalls Zielscheibe von Drohungen waren.
“Normale Leute” mit Galgen
Bei den Corona-Demonstrationen sind Galgen mittlerweile „normal“ geworden. Auf einer Kundgebung am 11. Dezember 2021 war ein Galgen mit aufgeknüpfter Puppe zu sehen, die ein Schild mit dem Text „Die Bande des Bösen. ÖVP, SPÖ, NEOS + Grüne“ trug. Auf dem Galgen selbst stand zu lesen: „Sic semper tyrannis“ („So ergeht es immer den Tyrannen“).

Schwurbelwatch
Ganz normale Leute gehen mit Galgen auf die FPÖ-Demonstration. Die Morddrohung gilt den übrigen Parteien. Sie wollen Friede, Freiheit, Hinrichtungen & Diktatur. #w1112 https://t.co/uJ3Vzu2YKA
Galgen waren auch bei den Protesten zu sehen, als das Parlament die Impfpflicht einführte. Bei anderen Kundgebungen tauchte ein Mann mit einem Henkersbeil auf, der am Rücken ein Plakat mit der Aufforderung: „Holt eure Landesverräter. Wir brauchen Arbeit!“ trug. Wer ein „Landesverräter“ ist, wurde auch gleich mit erklärt, auf dem Plakat waren Fotos von österreichischen und deutschen Politikern und Politikerinnen zu sehen.  
Markus Sulzbacher
Eigentlich unvorstellbar, aber heute konnte ein Mann mit einer Art Todesliste, Henkersbeil & abgeschlagege Kopf durch Wien ziehen. Über Stunden #w0801 https://t.co/Izc3thLAyW
Die öffentliche Zurschaustellung von Gewalt- und Tötungsfantasien passt zu dem Weltbild, das auf Corona-Demonstrationen weit verbreitet ist. Dort glaubt man die „schweigende Mehrheit des Volkes“ hinter sich – und deswegen sei Widerstand gegen die „Volksverräter“ legitim. Dazu werden auch kritische Journalisten und Journalistinnen gezählt, die auf den Demonstrationen angegriffen oder beschimpft werden. Manchmal greift die Polizei ein, manchmal auch nicht. Tauchen Demonstrierende mit Galgen auf, dann reagiert die Polizei nicht, wie sich in Salzburg zeigte. Das spornt an, bestätigt sie. (Markus Sulzbacher, 14.08.2022)
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Olympia-Attentat 1972: Neonazis halfen bei der Vorbereitung
Am 5. September 1972 überfiel ein palästinensisches Kommando im Münchner Olympiadorf die israelische Mannschaft. Die Männer des „Schwarzen Septembers“ ermordeten zwei Israelis und nahmen neun weitere als Geiseln, um Gesinnungsgenossen aus israelischer Haft freizupressen. Sie forderten auch die Freilassung der beiden RAF-Mitglieder Andreas Baader und Ulrike Meinhof aus deutscher Haft. Ein Befreiungsversuch der deutschen Polizei am Flughafen Fürstenfeldbruck endete mit einem Blutbad. Neben allen neun Geiseln starben ein deutscher Polizist und fünf Geiselnehmer. Die Olympischen Spiele wurden unterbrochen, dann aber doch fortgesetzt. 
Allianzen mit Neonazis
Die Forderung, die beiden RAF-Mitglieder freizulassen, zeigt, wie eng Teile der linksradikalen Szene in jenen Jahren mit palästinensischen Gruppen zusammenarbeitete. Weniger bekannt ist, dass Neonazis das Kommando unterstützten. Die Palästinenser waren pragmatisch, sie gingen Allianzen ein, die ihnen nützlich erschienen - solange es nur gegen Israel ging.
„Zwei Neonazis haben dem ‚Schwarzen September‘ wichtige Unterstützung geleistet: Willi Pohl und Wolfgang Abramowski chauffierten den Operationsleiter, Abu Daoud, quer durch die BRD, transportierten Waffen und fälschten Pässe“, sagt der Wiener Historiker Thomas Riegler. Das hat der „längst geläuterte Pohl“ bereits 1977 in seinen Memoiren „Geblendet“ geschrieben. 
Pressekonferenz in Wien geplant
Zeitgleich zur Geiselnahme in München, sollte Pohl eine Pressekonferenz in Wien auf die Beine stellen. Jedoch lief aber „eigentlich alles“ schief, weshalb er nach Beirut floh. 
Geiselnahme im Stephansdom angedacht
Später plante Pohl terroristische Aktionen, die zur Freipressung der überlebenden Münchner Attentäter dienen sollten: Dazu zählten Geiselnahmen im Wiener Stephansdom oder im Kölner Dom sowie in Rathäusern deutscher Großstädte. Ende Oktober 1972 wurden Pohl und sein Komplize in München festgenommen. Man fand Maschinenpistolen, Handgranaten und anderes Kriegsgerät. Die Waffen und Handgranaten wiesen dieselben Typenmerkmale auf, wie jene, die beim Olympiaanschlag zum Einsatz gekommen waren. 
Arafats Söldner - Die drei Leben des Willi Pohl - Doku (2020)
Arafats Söldner - Die drei Leben des Willi Pohl - Doku (2020)
Pohl, der später für die US-amerikanische CIA arbeite und Krimis sowie „Tatort“-Folgen schrieb, kam über den deutschen Neonazi Udo Albrecht in Kontakt mit dem „Schwarzen September“.
„Hermann Hell“
Albrecht hatte eine rechtsextreme Terrorgruppe gegründet, die eng mit palästinensischen Gruppen zusammenarbeitete. 1970 ging Albrecht für fünf Monate nach Beirut, wurde unter dem Kampfnamen „Hermann Hell“ Offizier im Geheimdienst der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und bereitete Anschläge in Europa vor. In Österreich unterhielt er unter anderem Kontakte zu Norbert Burger, einer zentralen Figur des Rechtsextremismus nach 1945. Laut den Recherchen von Riegler planten Albrecht und Burger gemeinsam einen Anschlag auf den als „Nazijäger“ bekannten Simon Wiesenthal. Albrecht sollte dafür die Waffen liefern.
Österreicher für den Kampf gegen Israel
Albrecht und seine nahöstlichen Kontaktleute vereinbarten auch, dass er in Österreich eine Gruppe zusammenstellen sollte, die geschlossen auf Seiten der PLO gegen Israel kämpfen sollte. Aus dem geplanten Einsatz der Österreicher im Libanon wurde aber nichts: Noch 1976 wurde Albrecht wieder einmal verhaftet und erst drei Jahre später entlassen. In der Folgezeit unterhielt er keine Verbindung mehr zu den Österreichern.  (Markus Sulzbacher, 14.08.2022)
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Markus Sulzbacher
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Markus Sulzbacher
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