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Newsletter von M. Sulzbacher: Die extrem Rechte und der Präsidentschaftswahlkampf

Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher
Hallo, liebe Leserin, lieber Leser,
Die Bundespräsidentschaftswahl steht an - das (außerparlamentarische) rechtsextreme Milieu hat sich jedoch noch nicht entscheiden, ob es Gerald Grosz oder den freiheitlichen Kandidaten Walter Rosenkranz unterstützen wird. Es wird abgewartet, wer die besseren Umfragewerte erzielt, wer die besseren Chancen auf einen Einzug in die Hofburg bzw. auf eine Stichwahl mit dem Amtsinhaber Alexander Van der Bellen hat. 
Michael Brunner, dem Chef der Impfgegnerpartei MFG, werden weniger Chancen als Rosenkranz und Grosz eingeräumt.

Corona-Demo am 9. Juli in Wien: "Frieden mit Russland" und "Nein zu Van der Bellen".
Corona-Demo am 9. Juli in Wien: "Frieden mit Russland" und "Nein zu Van der Bellen".
Das Abwarten ist beachtlich, da Rosenkranz eigentlich gesetzt wäre. Rosenkranz ist Mitglied einer Burschenschaft (Libertas Wien), der schlagenden Schülerverbindung (Jungmannschaft Kremser Mittelschüler Rugia) und Vorstandsmitglied des Freiheitlichen Akademikerverbands für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Er nahm am Akademikerball teil, schrieb Artikel für die berüchtigte „Aula“ und trat 2016 als Redner bei einer Kundgebung der Identitären in Wiener Neustadt auf – allerdings ging er später zu den Identitären und der “Aula” auf Distanz. Auch hat er keine Probleme mit dem NS-Verbotsgesetz. Sowas kommt in der Szene nicht besonders gut an. 
Organisierte Störaktionen und Framing
Einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf im Herbst gab es vor wenigen Tagen in Eferding und gestern in Bregenz, als Auftritte von Alexander Van der Bellen von Impfgegnern gestört wurden. Es sind organisierte Störungen, für die auf Telegram mobilisiert wird. Derartige Aktionen wird in den kommenden Monaten verstärkt geben. Ziel ist es, in die Medien zu kommen, die ihre Botschaften transportieren sollen. Auch ist es eine Beschäftigungstherapie, da die Zahl der Corona-Demonstrationen in den vergangenen Monaten abgenommen hat. Zusätzlich wird der aktuelle Präsident als „zu alt“ und senil geframt. (Markus Sulzbacher, 21.7. 2022)
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Die deutsche taz hat mich diese Woche zum rechten Sender Auf1 befragt. Hier ist der Artikel: 
Rechter TV-Sender expandiert: Desinformation aus Österreich - taz.de
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Haftbefehl gegen NS-Verbrecher Alois Brunner aufgehoben
Die Kölner Justiz hat den Haftbefehl gegen den seit 1945 flüchtigen NS-Verbrecher Alois Brunner aufgehoben und Fahndung sowie Verfahren eingestellt: 110 Jahre nach seiner Geburt gilt Brunner juristisch als tot, berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Der 1912 im Burgenland geborenen Brunner war enger Mitarbeiter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann und an der Deportation und Ermordung von über 128.000 Jüdinnen und Juden beteiligt.
Bei Kriegsende tauchte er unter, später setzte er sich nach Syrien ab. In einem Interview verhöhnte Brunner seine Opfer als „menschlichen Abfall“. Die Kölner Justiz vermutet, er sei in Syrien gestorben.
Alois Brunner.
Alois Brunner.
In Österreich stellte das Bundeskriminalamt im Jahr 2017 die öffentliche Fahndung nach Brunner ein. Offiziell stehe er noch auf der Fahndungsliste, allerdings nicht mehr auf der sogenannten „Most Wanted“-Liste. Im Februar des Vorjahres ist Brunner vom Bezirksgericht Wien-Döbling für tot erklärt worden. Vom Innenministerium hieß es, dass seit 1999 keine weiteren Erkenntnisse beziehungsweise Sichtungen Brunners vorliegen.
Mossad schickte Briefbomben
Während Eichmann 1960 von israelischen Agenten aus Argentinien entführt, in Jerusalem vor Gericht gestellt und 1962 hingerichtet wurde, blieb Brunner zeit seines Lebens gerichtlich unbehelligt. Brunner überlebte in Damaskus zwei Briefbombenattentate. Der israelische Mossad schickte ihm 1962 eine Bombe, Brunner überlebte das Attentat, erlitt aber schwere Verletzungen im Gesicht und verlor sein linkes Auge.
Absender: “Verein Freunde der Heilkräuter”
Im Juli 1980 schickte ihm der Mossad eine weitere Bombe per Post. Das Päckchen wurde damals in Österreich, in Karlstein an der Thaya, aufgegeben. Der Absender: der “Verein Freunde der Heilkräuter” des 2004 verstorbenen Kräuterpfarrers Hermann-Josef Weidinger, der durch seine Beiträge in der “Kronen Zeitung” und TV-Auftritte österreichweit bekannt war. Der Absender war bewusst gewählt, Brunner galt als überzeugter Anhänger der Naturheilkunde. “Er öffnete den Brief, der daraufhin explodierte, was ihn mehrere Finger kostete”, schreibt der israelische Journalist Ronen Bergman in seinem Buch „Der Schattenkrieg“.
Fünf Jahre später gab Brunner, der sich in Syrien “Georg Fischer” nannte, der Illustrierten “Bunte” ein Interview, in dem er sagte: “Israel wird mich nie bekommen.” Er gab zu, an der Judenverfolgung im NS-Regime beteiligt gewesen zu sein, das sei auch gut und richtig gewesen. 1987 traf und interviewte der “Krone”-Journalist Kurt Seinitz Brunner in Damaskus. Er habe “mit dem widerwärtigsten Menschen”, der ihm “je untergekommen ist”, gesprochen, berichtete Seinitz daraufhin. Ein Schlüsselsatz des Reuelosen lautete: “Seien Sie froh, dass ich das schöne Wien für Sie judenfrei gemacht habe.”
Kontakt zu Honsik
Brunner unterhielt während seiner Zeit in Syrien Kontakte nach Österreich. 1988 wurde er von dem Wiener Neonazi und Holocaust-Leugner Gerd Honsik besucht, der ihn in seinem später erschienen Buch “Freispruch für Hitler?” als Zeugen “wider die Gaskammer” präsentierte. (Markus Sulzbacher, 21.7. 2022)
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Vergangene Woche habe ich STANDARD einen Artikel über den NS-Juliputsch geschrieben. Hier der Artikel:
Die Verstrickungen von FPÖ-Politikern in den NS-Juliputsch 1934 - Watchblog - derStandard.at › Inland
Gestern erschien dieser Artikel über den rechten Propagandacluster in Oberösterreich. Eine sehr ausführliche Recherche.
"Auf 1", "Report 24" und "Wochenblick": Russische Propaganda aus Oberösterreich - Watchblog - derStandard.at › Inland
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Ich freue mich auch über Feedback. Kommende Woche gibt es eine Spionage-Story.
Markus Sulzbacher
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Markus Sulzbacher
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