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Newsletter von M. Sulzbacher - Ausgabe #21: Vor 25 Jahren starb Sukri Arifi bei einem rechtsextremen Anschlag

Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher
Hallo, am Mittwoch wurde in Wien erstmals der Simon Wiesenthal Preis vergeben. Neben den Zeitzeug:innen Lily Ebert, Zwi Nigal, Karl Pfeifer und Liliana Segre wurden auch “Die Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz” und “Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)” ausgezeichnet. Ich gratuliere ganz herzlich.
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Kampferprobte Neonazis
Der Überfall auf die Ukraine beschäftigt das rechtsextreme Milieu. Einerseits gibt es Überlegungen, in die Ukraine zu gehen und – gemeinsam mit neonazistischen Einheiten – gegen die russische Armee zu kämpfen. Besonders die mit Neonazis verbundene Hooligan- und Kampfsportszene verfügt über Kontakte in der Ukraine. Andererseits gibt es in der Szene zahlreiche Putin-Fans, die dessen Angriffskrieg unterstützen. Dazwischen agieren Aktivisten, die sich nicht klar deklarieren (wollen). Ob bereits Kämpfer in die Ukraine aufgebrochen sind, ist unklar.
Mit einem T-Shirt der „Misanthropic Division“
Dafür tauchte bei einer Veranstaltung der russischen Community in Wien ein Mann mit einem T-Shirt der „Misanthropic Division“ (deutsch: „Menschenhassende Einheit“) auf. Nach einem kurzen Geplänkel musste er die Veranstaltung anlässlich des Jahrestages der Niederlage der Nazis im Zweiten Weltkrieg, verlassen. Die „Misanthropic Division“ ist eine der militantesten Neonazigruppen der Ukraine, deren Mitglieder Anschläge verübten und gegen russische Separatisten im Osten der Ukraine kämpften. Ihr Motto ist „Töten für Wotan“. Sie verherrlicht unter anderem den historischen Nationalsozialismus und die Waffen-SS, zudem verbreitet sie terroristische Propaganda. Es war ein Auftritt, der Wladimir Putins Erzählung von den Nazis in der Ukraine gelegen kam.

Samuel Winter
Ein Nazi mit T-Shirt von der „Misanthropic Division“ (deutsch: Menschenhassende Einheit, Motto: Töten für Wotan) wurde von der Pro-Russischen Demonstration verwiesen. Ziel der militant rechtsextremen Misanthropic Division: Errichtung eines nationalsozialistischen Staates. #w0905 https://t.co/TrQJu2o7Tz
Jedenfalls zeigte er, dass es auch in Österreich Anhänger dieser bewaffneten Neonazi-Organisation gibt. Auch das beschäftigt Rechtsextreme, die darüber spekulieren, was passieren könnte, wenn aus der Ukraine geflüchtete (kampferprobte) Neonazis hierzulande und in Deutschland Teil der Szene werden. Identitären-Chef Martin Sellner stellt etwa in den Raum, diese könnten helfen die Straßen zu erobern und „die Antifa“ zu vertreiben. (Markus Sulzbacher, 12.5. 2022)
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Sukri Arifi
Vor 25 Jahren, am 17. Mai 1997, starb Sukri Arifi, ein Arbeiter aus Mazedonien, bei einem rechtsextremen Brandanschlag in der Porzellangasse 38 in Wels.  Zehn weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Ein junger Mann kanalisierte seinen Ausländerhass auf ein Haus, in dem auch Migranten und Migrantinnen wohnten. Während die Polizei zuerst einen rechtsextremen Hintergrund ausschloss, wurde der Täter wegen NS-Wiederbetätigung zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Täter war 16 Jahre alt
Die Polizei kam dem Täter zufällig auf die Spur. Er wurde festgenommen, nachdem er ein Auto gestohlen hatte und damit andere Fahrzeuge, Gartenzäune und Lichtmasten rammte. Bei der Einvernahme wurde er auch nach dem Brand in der Porzellangasse gefragt: „Er leugnete nur kurz und gestand schließlich die Tat“, war damals in der „Welser Rundschau“ zu lesen. Der Brandanschlag wurde im Verfassungsschutzbericht als „rechtsextreme Tathandlung“ eingestuft. Als er das Haus anzündete, war der Täter 16 Jahre alt und Mitglied einer rechtsextremen Clique.
Rechtsextremismus unter Jugendlichen
Rechtsextremismus unter Jugendlichen ist in Österreich verbreitet. Von den insgesamt 1053 bekannt gewordenen Tathandlungen mit rechtsextremem Hintergrund wurden im Jahr 2021 135 von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren begangen. Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ-Abgeordneten Sabine Schatz durch das Innenministerium hervor. Im Jahr 2020 waren es demnach 170 rechtsextreme Tathandlungen, die von Jugendlichen begangen wurden. Eine hohe Zahl.
Diese Zahlen seien mehr als alarmierend und es müssten bei uns allen die Alarmglocken schrillen, sagt Schatz. (Markus Sulzbacher, 12.5. 2022)
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Markus Sulzbacher
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Markus Sulzbacher
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