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Newsletter von M. Sulzbacher - Ausgabe #16: "Wochenblick, Auf1 und die Impfgegnerpartei MFG"

Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher
Hallo, nach dem Erfolg der Impfgegnerpartei MFG bei der Ärztekammerwahl habe ich mir deren Telegram-Kanal angeschaut und ich bin auf zahlreiche Inhalte von rechten Medien gestoßen. Besonders oft kamen Beiträge von „Auf1“ und dem „Wochenblick“ unter. Hier meine Recherche:
Der „Wochenblick“, „Auf1“ und die Impfgegnerpartei MFG
Unkorrekte Recherche und in verzerrtem Kontext wiedergegebene Zitate: Der Presserat hat erst vor wenigen Tagen den „Wochenblick“ für vier Artikel auf dessen Onlineseite gerügt. Der 2016 gegründeten Wochenzeitung mit Sitz Oberösterreich wird Desinformation vorgeworfen. Der Presserat stellte in seinem Jahresbericht für 2021 fest, dass die Zeitschrift insbesondere beim Thema Covid-19 Falschnachrichten und Verschwörungserzählungen verbreitet habe. Auch ist von „Corona-Diktatur“, „Corona-Folterknechten“, „Maskenterror“ und der „sogenannten Pandemie“ die Rede. 
Von den Identitären zum Wochenblick
Die Geschäfte des „Wochenblicks“ als auch dessen Medieninhaberin, die Medien24 GmbH, führt Norbert Geroldinger. Der einstige FPÖ-Gemeinderat beschäftigt mittlerweile Bernadette Conrads als Chefredakteurin, die vor Jahren in Wien für die FPÖ kandidierte, als parlamentarische Mitarbeiterin für die Freiheitlichen arbeitete und bei einer Demonstration der Identitären in der ersten Reihe mitmarschierte. Conrads übernahm den Job als Chefredakteurin von Elsa Mittmannsgruber, die zu dem Onlinesender „Auf1“ wechselte.
Sprachrohr der Corona-Proteste
„Auf1“ wurde vor knapp einem Jahr gegründet und entwickelte sich rasch zu einem Sprachrohr der Corona-Leugner:innen und -Verharmloser:innen. Als Chefredakteur ist Stefan Magnet tätig, der zuvor ebenfalls für den „Wochenblick“ arbeitete und über beste Kontakte zur FPÖ verfügt. In jüngeren Jahren war Magnet Kader einer neonazistischen Organisation, dem „Bund freier Jugend“, die vom Verfassungsschutz überwacht wurde. Ein Foto aus jenen Tagen zeigt Magnet gemeinsam mit dem Neonazi Gottfried Küssel und einem seiner engsten Gefährten.

Nach Corona-Demos sind AUF1-Pickerl kurz Stadtbild zu sehen.
Nach Corona-Demos sind AUF1-Pickerl kurz Stadtbild zu sehen.
In den „Auf1“-Sendungen tauchte neben selbsternannten Corona- und echten Blackout-Expert:innen auch ein ehemaliger Führungskader der 1988 verbotenen NDP auf, um den russischen Überfall auf die Ukraine zu erklären. Überhaupt fällt „Auf1“ mit einer pro-russischen Haltung auf. Die russische Invasion in der Ukraine beschrieb der Sender als Antwort auf einen angeblichen jahrelangen „offenen Terror der Westukraine“ in den östlichen Landesteilen. Damit gab „Auf1“ die Erzählung des Kremls wieder. Dazu passt, dass Chefredakteur Magnet als Fan von Wladimir Putin gilt.
„Auf1“ ist vor wenigen Wochen ein Coup gelungen. Seit Mitte Februar ist eine abendliche Nachrichtensendung auch über Kabelfernsehen zu empfangen – im Netz des oberösterreichischen Regionalsenders RTV. Das hat die Medienbehörde KommAustria auf den Plan gerufen, die das Programm prüft, nachdem sich Seher:innen über die Berichterstattung, insbesondere zum Thema Corona, beschwert hatten.
Beachtliche Reichweite im Netz
Eine Macht sind der „Wochenblick“ und „Auf1“ im Netz. Dort verfügen sie über eine beachtliche Reichweite. Laut der Analyseseite Similarweb verzeichnete „Auf1“ im Februar 2022 rund 1,7 Millionen Besuche, der „Wochenblick“ 2,8 Millionen. Damit liegen die beiden Medien vor den Wochenmagazinen „Profil“ und „Falter“. Neben „Wochenblick“ und „Auf1“ bedient auch die – ebenfalls in Oberösterreich ansässige – Newsseite „Report24“ deren Zielgruppen.
Dabei hat den Medien sicher geholfen, dass sie früh wohlwollend über die Impfgegnerpartei MFG (Menschen Freiheit Grundrechte) berichteten. Der Partei gelang es, im vergangenen Herbst in den oberösterreichischen Landtag und vergangene Woche in die Wiener Ärztekammer einzuziehen. Im Gegenzug werden im MFG-Telegram-Kanal Beiträge von „Auf1“ und dem „Wochenblick" geteilt. Dieses Ping-Pong bringt dem Sender Seher:innen.
“Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen.“
Eine Methode, auf die auch Boulevardmedien gezielt setzten. So erzählte der damalige Chefredakteur von krone.at Richard Schmitt in einem 2016 erschienen Interview mit dem Fleischmagazin: „Wenn Strache einen normalen Bericht von uns auf Facebook teilt, dann merken wir, das haut die Quote auf das 1,5-Fache hoch. Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen.“ Im Ibiza-Video bezeichnete der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Schmitt als einen „der besten Leute, die es gibt“. Andere Journalisten bezeichnete er als „Huren“. Heute arbeitet Schmitt für exxpresss.at. (Markus Sulzbacher, 24.3.2022)
Themenwechsel
Vergangenes Wochenende erschien im STANDARD-Watchblog ein Artikel über den ersten FPÖ-Parteichef und dessen Rolle beim sogenannten Anschluss Österreichs im Jahr 1938. Hier geht es zum Beitrag:
März 1938: Die Rolle des ersten FPÖ-Chefs beim "Anschluss" Österreichs - Watchblog - derStandard.at › Inland
Themenwechsel
Vergangenen Freitag wurde ein Haus in Wien kurz besetzt. Dabei entstand dieses Foto.
Vergangenen Freitag wurde ein Haus in Wien kurz besetzt. Dabei entstand dieses Foto.
Themenwechsel
Gestern war das Faschistentreffen in Bleiburg/Pliberk im Parlament ein Thema. Der Nationalrat bekannt sich zum Verbot des Ustascha-Treffens. Ich habe über das Treffen im vergangenen November einen Artikel geschrieben:
Faschistentreffen in Bleiburg/Pliberk soll verboten werden - Watchblog - derStandard.at › Inland
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Markus Sulzbacher
Markus Sulzbacher @msulzbacher

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