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Newsletter Motionfinity #8

Newsletter Motionfinity #8
Von Ralf Lange • Ausgabe #8 • Im Browser ansehen
Gespannt blickt man im Vereinigten Königreich auf Anfang September. Denn seit Anfang August läuft der Leadership-Kontest für die oder den Nachfolger/-in von Boris Johnson im Amt des Premierministers.

Leadership Contest D10
Die Wahl dazu findet innerhalb der Partei der Tories statt und aus der Liste von anfänglich 10 Kandidaten hat sich die Auswahl auf Liz Truss und Rishi Sunak reduziert. Was war passiert: am 07. Juli hat Boris Johnson seinen Rücktritt angekündigt mit der Maßgabe, bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt zu bleiben.
Aktuell werden Liz Truss große Chancen eingeräumt, seine Nachfolge anzutreten.
Nordirland-Protocoll-Bill
Liz Truss hatte am 13. Juni in Ihrer Funktion als Außenministerin die Nordirland-Protokoll-Bill im Unterhaus eingebracht. Mit dieser Bill wird das aktuell vereinbarte Nordirlandprotokoll so stark verändert, das es quasi einem neuen Protokoll entspräche. Die Bill hat das Unterhaus passiert und befindet sich seit der 1. Lesung am 21. Juli im Oberhaus. Es wird spekuliert, dass es vor Oktober dort keine Entscheidung geben wird.
Dass wiederum hat starken Einfluss, ob die DUP in die Exekutiv-Regierung in Nordirland eintritt, um diese wieder handlungsfähig zu machen. Sollte jedoch die Bill im Laufe der Lesungen zwischen Ober- und Unterhaus Änderungen erfahren, die für die DUP einen Beitritt unmöglich machen, kann eine Neuwahl in Nordirland möglich sein.
Generell ruhen die Gespräche zwischen EU und UK über das Nordirlandprotokoll seit Februar, wohl auch bedingt durch den Konflikt in der Ukraine. Innerhalb der EU blickt man mit gemischten Gefühl dem Fortgang der Gespräche zum Nordirland-Protokoll entgegen. Es ist schwer abzuschätzen, wer für die Gespräche mit der EU zuständig wird, da Liz Truss in der neuen Position die technischen Verhandlungen mit der EU kaum weiterführen wird.
Die EU lehnt weiterhin jede Änderung am NIP ab, ist aber zu Verhandlungen und technischen Änderungen bereit. Ein wesentlicher Konfliktherd ist die Zuständigkeit des EUGH, der von UK strikt abgelehnt wird. Es ist fraglich, ob man eine UK-seitige Änderung des NIP zum Anlass nimmt, das gesamte Trade & Cooperation Agreement in Frage zu stellen.
EU eröffnet Vertragsverletzungsverfahren
Zeitgleich am 13. Juni hat die EU mit der Reaktivierung eines seit September 2021 ruhenden Vertragsverletzungsverfahrens beantwortet sowie die Eröffnung weiterer 2 Verfahren plus 4 Verfahren angekündigt. Unter anderem geht es um Verpflichtungen aus den gesundheitspolizeilichen und pflanzenschutzrechtlichen Vorschriften sowie der EU bestimmte handelsstatistische Daten für Nordirland zur Verfügung zu stellen.
UK startet Reform für Financial Services & GDPR
Durch die Ankündigung von Plänen durch Schatzkanzler Nadhim Zahawi in seiner ersten Rede:“… die Vorteile des Brexit durch die Aufhebung des von der EU beibehaltenen Gesetzes über Finanzdienstleistungen zu nutzen…“ wird sich weiterer Verhandlungsbedarf ergeben.
Außerdem legt die „…Regierung Vorschläge für die künftige Regulierung der künstlichen Intelligenz vor, wobei ein weniger zentralisierter Ansatz als die EU verfolgt wird…“. Hier taucht die Frage auf, ob die EU die ohnehin auf 4 Jahre befristete GDPR-Äquivalenz-Vereinbarung aufheben würde.
Schottland Pläne für Referendum
Im Juli hat Boris Johnson eine Anfrage des schottischen First Minister Nicola Sturgeon abgelehnt, in der sie den Vorschlag für eine Volksabstimmung zum Austritt aus dem Vereinigten Königreich gemacht hat. Es ist davon auszugehen, dass sie den Plan weiter verfolgt, da sie einen entsprechenden Gesetzesantrag für eine Abstimmung für Oktober 2023 eingereicht hat. Die beiden Kandidaten Liz Truss sowie Rishi Sunak stehen dem skeptisch gegenüber.
Offizielle Konsultationen für EU-F&E-Programme
Die britische Regierung hat am 16. August 2022 an die Europäische Kommission geschrieben, um Konsultationen über die Vereinbarung zur Teilnahme des Vereinigten Königreichs an EU-Programmen (Horizont Europa, Copernicus, Euratom Research and Training, Fusion for Energy) und den Zugang zu Programmdiensten (Weltraumüberwachung und -verfolgung) zu beginnen. Dies wird von UK als Vertragsverletzung gesehen, da die EU den Zugang zu den Programmen entgegen der TCA-Vereinbarung bis heute nicht geöffnet hat. Dies ist kritisch für den Forschungs- und Entwicklungssektor, da die Fördermittel aus diesen Programmen eingeplant waren. Die britische Regierung will die fehlenden Mittel jedoch intern absichern.
Perspektive UK Edtech
Das Vereinigte Königreich verfügt über eine EdTech-Szene, die für ausländische Investoren attraktiver ist denn je und umfasst fast die Hälfte (41%) aller Investitionen in Bildungstechnologie in Europa.
Mit einem gemeldeten Wachstum von 72% im Jahr 2020 gehört die britische EdTech-Branche zu den am schnellsten wachsenden in Europa. Die Risikokapitalinvestitionen in in London ansässige EdTech-Unternehmen stiegen zwischen 2019 und 2020 um 21% auf 67 Millionen Pfund, während 2020 landesweit 92 Millionen Pfund in aufstrebende EdTech investiert wurden.
Mit über 1.000 Unternehmen, die Bildungsplattformen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen anbieten, sowie einer florierenden Forschungs- und Entwicklungsszene bietet Großbritannien eine hervorragende Basis für EdTech-Möglichkeiten.
Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz (KI) trägt dazu bei, die Arbeitsbelastung der Lehrer zu reduzieren und die Effizienz im Klassenzimmer zu verbessern. Automatisierte selbstlernende Algorithmen reduzieren den Zeitaufwand für administrative Aufgaben wie das Bewerten und Markieren von Hausaufgaben und Tests, das Bereitstellen von Feedback und das Annehmen von Anwesenheit. Es wird erwartet, dass der britische KI-Markt in den nächsten zehn Jahren ein deutliches Wachstum verzeichnen wird, wobei das maschinelle Lernen der britischen Wirtschaft bis 2035 630 Milliarden Pfund hinzufügen wird.
Offene Online-Kurse
Das Angebot an Online Open Courses (MOOCs) ist gestiegen, da die Menschen versuchen, ihre Fähigkeiten in ihrer Freizeit zu erweitern. Diese Online-Kurse bieten mehr Flexibilität und eine anpassbare Lernerfahrung. Zwischen 2007 und 2019 stieg der Prozentsatz der Personen, die sich für einen Online-Kurs angemeldet hatten, von 4% auf 17%.
Cloud-basierte Learning Management Systeme
Learning Management Systeme (LMS) bieten eine wichtige Chance für Investoren, da immer mehr Schulen Cloud-Dienste für die Bereitstellung von Bildungsressourcen einsetzen. Dies trägt dazu bei, dass Schüler und Lehrer außerhalb des Klassenzimmers auf diese Dateien zugreifen können, und ermöglicht die Speicherung von Lernmaterialien und Hausaufgaben auf einer einzigen Plattform. Im Jahr 2020 verlagerten über 50 % der Unternehmen ihrer Arbeiten in die Cloud, und es wird erwartet, dass der globale LMS-Markt von 11 Milliarden Pfund im Jahr 2021 auf 28 Milliarden Pfund bis 2026 wachsen wird – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19,1 Prozent.
Cyber-Sicherheit
Die Einführung von Technologie im Klassenzimmer hat zu verstärkten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Sicherheit sensibler Informationen im Internet geführt. Cybersicherheit im EdTech-Sektor ist sowohl für Dienstleister als auch für Bildungseinrichtungen eine Priorität, wobei die Zahl der Cyberangriffe auf den britischen Bildungssektor im Jahr 2021 um 93% gestiegen ist. Das Vereinigte Königreich verfügt über eine große Belegschaft, die sich auf diesen Bereich spezialisiert hat, mit über 300.000 Fachleuten, die im Jahr 2021 in der Cybersicherheit beschäftigt sind
London
dient als wichtiger europäischer EdTech-Hub und beherbergt zwei der größten Branchenveranstaltungen der Welt - EdTechX und BettShow. Das University College London bietet einen Aufbaustudien gang an, der sich auf EdTech spezialisiert hat, während sein EDUCATEKnowledgeLab Forschung und Innovation ermöglicht.
Nordirland
Belfast bietet eine ausgezeichnete Basis für jedes EdTech-Unternehmen mit über 21.000 Mitarbeitern, die im breiteren Technologiesektor beschäftigt sind. Es gibt über 20 EdTech-Firmen in der Region. Das in Antrim ansässige Texthelp ist ein großartiges Beispiel, da es ein Marktführer für Bildungssoftware und eine Marke ist, die mit führenden Technologieunternehmen wie Google, Microsoft und Apple zusammenarbeitet, um ihre Software 30 Millionen Nutzern zur Verfügung zustellen.
Northern Powerhouse
Als Heimat von Media City UK ist Manchester Großbritanniens Top Digital Tech City. Die Region beherbergt viele der fortschrittlichsten EdTech-Anbieter in Großbritannien, wie Frog Education, ein weltweit führendes Unternehmen in der Gamification von MINT-Fächern mit 12 Millionen Nutzern weltweit.
South of England
Die Critical Digital Education Research Group der University of Oxford bringt ein interdisziplinäres Team von Akademikern und Postgraduiertenforschern zusammen, um die Anwendungen von Technologie in der Bildung zu erforschen. Zu ihrer Arbeit gehört GoGirl, ein Programmierprojekt für junge Frauen mit nicht-traditionellem Bildungshintergrund im Alter von 16 bis 21 Jahren.
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Ralf Lange

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