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Welche Faktoren die Impfquote begünstigen

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Welche Faktoren die Impfquote begünstigen
Die österreichische Impfkampagne stockt. Doch die Impfquoten schwanken stark von Gemeinde zu Gemeinde. Eine systematische Analyse des Momentum Instituts zeigt auf, woran das liegen könnte.

Die Höhe der Impfquote schwankt von 87,5 Prozent der Bewohner:innen einer Gemeinde zu nur 34 Prozent. Ein knappes Drittel der impfbaren Bevölkerung ist bisher ungeimpft. Um die Impfkampagne wieder in Fahrt zu bringen, lohnt sich eine Analyse der Faktoren, die zu einer niedrigen oder hohen Impfquote führen oder zumindest gemeinsam mit ihr auftreten. Das Momentum Institut hat mittels statistischer Methoden die Gemeinden Österreichs analysiert. Rund die Hälfte des Unterschieds der Impfquote geht mit gesundheitlichen, ökonomischen oder soziologischen Eigenschaften der Gemeinden einher.
Welche Faktoren erklären Schwankungsgrad?
Hohe Impfquoten findet man eher in Gemeinden mit hohem Bildungsniveau, hohem Interesse an politischen Vorgängen (gemessen durch die Wahlbeteiligung) und einem höheren Frauenanteil. Wann liegt die Impfquote einer Gemeinde im Schnitt jeweils um einen Prozentpunkt höher? Das ist der Fall, wenn der Anteil der Studienabschlüsse in der Gemeinde um 2,7 Prozentpunkte höher liegt. Oder auch, wenn der Frauenanteil in der Gemeinde um 4,1 Prozentpunkte höher ausfällt. Zusätzlich zum allgemeinen Frauenanteil geht eine höhere Impfquote auch mit einem höheren Anteil speziell der 41 bis 60-jährigen Frauen in der Gemeinde einher: Sie „steigern“ die Impfquote um einen Prozentpunkt, wenn es um 3,2 Prozentpunkte mehr Frauen in der Altersgruppe gibt. Eine höhere Wahlbeteiligung um 5,8 Prozentpunkte hat den gleichen Effekt auf die Impfquote.
Überraschend ist der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Impfen: Eine um 2,5 Prozentpunkte höhere Arbeitslosenquote geht einher mit einer um einen Prozentpunkt höheren Impfquote. Weit weniger bedeutsam und nur leicht impfquotensteigernd sind zwei Variablen: Ein höheres Einkommen der Arbeitnehmer:innen im Bezirk sowie ein höherer Anteil an SPÖ-Wähler:innen. Der Anteil an Neos-, Grün-, oder ÖVP-Wähler:innen hat jedoch keinen statistisch signifikanten Effekt.
Niedriger fallen die Impfquoten tendenziell aus in Gemeinden mit einem hohen Anteil an jungen Menschen (12 bis 30-Jährige), einem überdurchschnittlichen FPÖ-Wahlergebnis, einem höheren Anteil im Ausland geborener Menschen, und vielen Corona-Erkrankungen. Eine jeweils einprozentige Senkung der Impfquote einer Gemeinde geht einher mit einem um 1,4 Prozentpunkte niedrigeren Anteil an 12 bis 30-Jährigen, einem um 3,3 Prozentpunkte höheren Wahlergebnis für die FPÖ und einem um 6,7 Prozentpunkte höheren Anteil an nicht in Österreich geborenen Bewohner:innen. Die Corona-Fälle im Bezirk spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle: Die Impfquote fällt um einen Prozentpunkt niedriger aus, wenn die Zahl der Corona-Fälle bis April um 8,6 Prozent höher lag. „Ein ‚Impfeffekt“ in Bezirken mit besonders vielen Infizierten dürfte daher nicht eintreten. Das könnte aber auch mit der höheren Zahl an Genesenen zusammenhängen, für die eine sofortige Impfung bei ausreichend Antikörpern nicht empfohlen wird. Eine überraschend untergeordnete Rolle spielt eine städtische Umgebung (Urbanisierungsgrad), die nur mit einer sehr geringen Senkung der Impfquote einhergeht. Ebenso weniger bedeutsam, aber auch leicht senkend wirkt die Zahl der COVID-Toten im Bezirk auf die Impfquote.
„Die Analyse legt nahe, dass die Impfkampagne Gemeinden mit vielen jungen Menschen, FPÖ-Wähler:innen, und Migrant:innen nicht genügend erreicht hat. Ob eine Gemeinde städtisch oder ländlich geprägt ist oder wie hoch die Lohneinkommen sind, spielt dagegen kaum eine Rolle“, sagt Alexander Huber, Ökonom am Momentum Institut.
„Plumpe kausale Aussagen lassen sich mit dieser Analyse zwar nicht treffen. So würde beispielsweise ein plötzlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht automatisch zu einer höheren Impfquote führen. Dennoch zeigt die Analyse, welche Eigenschaften Gemeinden mit niedriger Impfquote besitzen. Auf Basis dessen kann die Gesundheitspolitik gezieltere Strategien entwickeln, um die Zielgruppen in wenig geimpften Gemeinden besser anzusprechen. Das ist notwendig, weil Österreich beim Impftempo zunehmend stagniert“, erklärt Momentum Ökonom Alexander Huber die Ergebnisse der Kurzstudie.
Österreich fällt international beim Impfen zurück
Während die österreichische Impfkampagne gut angelaufen ist, bremste sie sich über den Sommer ein. Im internationalen Vergleich hinkt Österreich mit einer Impfquote von 60 Prozent mittlerweile dem EU-Durchschnitt von 64 Prozent deutlich hinterher – beides gerechnet als Anteil an der Gesamtbevölkerung, nicht der impfbaren Bevölkerung. Vier von sechs Österreicherinnen und Österreichern haben derzeit immer noch keinen Impfschutz. Mit Ausnahme von Griechenland liegt Österreich zudem mittlerweile hinter allen 15 „alten“ west- und südeuropäischen EU-Mitgliedsländern und nur mehr knapp vor den besten osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Union.
„In Österreich scheint eine Impfsättigung eingetreten zu sein: Jene, die sich aktiv um eine Impfung bemüht haben, hatten inzwischen Gelegenheit dazu. Alle anderen sind unentschlossen oder skeptisch. Mit beiden Augen auf den Schulstart und den steigenden Infektionszahlen ist klar: Jetzt muss auch der Rest Österreichs dringend erreicht werden, bevor im Herbst in der nächsten Corona-Welle Hunderte Kinder und Eltern in Quarantäne müssen“, empfiehlt Huber.
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