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Über Kopflosigkeit und Remote Innovation 👀

Über Kopflosigkeit und Remote Innovation 👀
Von Johannes Klingebiel • Ausgabe #134 • Im Browser ansehen
Ich bin ehrlicherweise froh diese Woche keinen global wichtigen Handelsweg entstopfen zu müssen. Mir reicht schon meine To-Do-Liste.
Und damit willkommen zurück zu Zine, dem Newsletter ohne Schlepper-Kapitän, dafür aber über fehlende Innovation im Homeoffice und Mediums Strategie keine Strategie zu haben.
Rockt die Woche,
Johannes
P.S.: click click click click (am besten am Desktop mit Ton 👀)

Medium hat zum zweiten Mal in seiner zehnjährigen Existenz beschlossen, kein Medium mehr sein zu wollen. Und das bedeutet das Aus für Publikationen wie OneZero, Elemental oder Zora. Die Journalist:innen hinter diesen Publikationen werden das Unternehmen ebenfalls verlassen.
Dabei war Medium eigentlich ein ganz gut funktionierendes Medienunternehmen. 700.000 Abonnenten und ein jährlicher Umsatz von 35 Millionen USD sind nicht schlecht, aber eben zu wenig, wenn man unbedingt ein Tech-Unternehmen sein will. Und genau das scheint die Krux für CEO Ev Williams zu sein.
Es ist frustrierend zu beobachten, wie ein Silicon Valley Unternehmen “aus Versehen” eine Reihe verdammt guter Publikationen aufbaut, sie aufgrund interner Ineffizienzen am Wachstum hindert, nur um sie anschließend wieder von Bord zu werfen.
Bereits in 2017 hat der Journalist Choire Sicha gegenüber Buzzfeed das Phänomen Medium gut zusammengefasst:
Ev Williams is trying to brute force his way through the problem of publishing and monetization. In doing so, he has upended people’s lives — he has upended good publications. I understand the desire to be agile and to pivot, and to try new things when things aren’t working. But it’s destructive — you can’t try people and things on, then discard them. It’s not how a media company or a publishing company can work.
+ Niemanlab hat eine Timeline mit all den abrupten Strategiewechseln der Unternehmens.
Remote Innovation  — Microsoft hat eine neue Studie veröffentlicht, die versucht die neue pandemische Arbeitswelt zu quantifizieren und die Ergebnisse sind gemischt.
Nicht nur sind Viele erschöpft nach einem Jahr Arbeit von Zuhause, die Chef:innen selbst scheinen diese Realität nicht zu bemerken. Wenig überraschend, denn wie Microsoft ebenfalls feststellt: Das soziale Netzwerk von Mitarbeiter:innen ist stark geschrumpft, wodurch Informationen kaum noch durch Unternehmen wandern. Als Konsequenz leiden vor allem junge Mitarbeiter:innen und ihre Karrieren.
Es sind Ergebnisse, die sich mit der (weitaus ausführlicheren) Studie von Atlassian aus dem Herbst decken. Beide Studien sind sich außerdem einig: Distributed Work, wie es derzeit betrieben wird, schadet der Fähigkeit von Unternehmen sich selbst weiterzuentwickeln (a.k.a. Innovation).
[Workers] seemed to find working from home more conducive to simpler, less collaborative, more transactional tasks and have prioritised that kind of work recently. […] But work that leads to innovation tends to be the more complex, messy, and amorphous kind of collaboration. So avoiding or deferring this kind of work could hamper our ability to innovate.
Das bedeutet natürlich nicht, dass dezentralisierte Organisationen nicht innovativ sein können, es ist nur komplizierter und wird andere und vor allem transparentere Strukturen für Entscheidungsfindung benötigen.
+ Ich finde hier beispielsweise das Konzept der “Notebooks” in Abstract spannend. Eine Form von Projektblog, der die Dokumentation von Design-Prozessen offen legt und nachvollziehbar macht. Und auch Axios‘ Newsletter-as-a-Service-Angebot macht auf einmal eine Menge Sinn. (Gerade, wenn man überlegt, wie mies Intranets ansonsten sind…)
That said… Tools sind nur so gut, wie die Kultur in der sie eingesetzt werden.
Ansonsten gehe ich davon aus, dass nach der Pandemie Büros eher ein strategischer Vorteil sein werden. Trotz all den Voraussagen, die deren Untergang beschwören.
Merkwürdiges & Anderes
Kiosk RevivalNews & Coffee ist eine kleine Reihe von Kiosken, verteilt über Barcelona. Inzwischen existieren drei News & Coffee Außenposten in der Stadt und verkaufen Indie-Magazine, Zeitungen und guten Kaffee. Nicht die übliche Medien oder Innovations-Story, aber ich liebs. (Und ich vermisse Barcelona…)
Clubhouse — Twitter testet sie gerade, Telegram hat sie angekündigt, Facebook arbeitet dran, Discord schraubt auch daran, Slack plant sie und Spotify denkt drüber nach. Audio Chaträume alla Clubhouse sind die neuen Stories. Und Clubhouse? Naja…
+ Ein Blick unter die Motorhaube von Clubhouse. Anscheinend ist das Unternehmen der beste Kunde einer chinesischen Audio-API mit dem Namen Agora.
Kyle Chayka
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Johannes Klingebiel

Ein unregelmäßiges Zine rund um Technologie, Internet, Publishing und Merkwürdiges von Johannes Klingebiel.

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