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Trendreport Exegese 👀

Der folgende Geheimtrick macht dich zu einem besseren Trendreport-Leser. Genug Clickbaiting? Spaß bei
Trendreport Exegese 👀
Von Johannes Klingebiel • Ausgabe #127 • Im Browser ansehen
Der folgende Geheimtrick macht dich zu einem besseren Trendreport-Leser. Genug Clickbaiting? Spaß beiseite, es gibt tatsächlich einen Trick, gleich mehr dazu.
Ansonsten habe ich für euch wie immer die übliche Ladung Merkwürdiges. Und verdammt, fühlt sich die Aussicht auf ein 2021 ohne den täglichen Trump gut an!
Man liest sich,
Johannes
P.S.: Das Center for Investigative Journalism organisiert nächste Woche eine Reihe kostenloser Events über investigativen Journalismus im 21. Jhd.

Es ist wieder soweit: Die ersten 2021 Trendreports purzeln in mein E-Mail Postfach und durch meine Timelines.
Das bedeutet es ist wieder Zeit für: Kritische Trendreport Exegese, 2020 Edition.
Nehmen wir beispielsweise den Risikokapitalgeber a16z, der sich seit einigen Jahren unter anderem einen eigenen Medienarm leistet und regelmäßig über Trends schreibt. Geleitet von der Ex-Wired Op-Ed Ressortleiterin Sonal Chokshi, hat dieser eine klare redaktionelle Ausrichtung:
Sonal Chokshi likes to sum up her editorial axis as creating “the go-to place to understand the future,” fed by “informed-optimism” and aimed at contributing to the “innovation-brand” positioning of Andreessen Horowitz.
Wie jedes andere Corporate Medium, verfolgen auch a16zs Podcasts und Artikel ein Ziel. Hier ist es klassisches Agenda Setting, also der Versuch die Deutungshoheit über “die Zukunft” zu gewinnen.
Ein aktuelles Beispiel wäre das positive Framing der “Passion Economy” als Zukunft der Arbeit durch a16z. Dem gegenüber steht eine eher unangenehme Realität:
Taylor Lorenz
I hate the phrase “passion economy” so much because so many creators are monetizing on platforms like OnlyFans, YouTube, IG, TikTok etc as a way to get by. Many “creators” are people who have been shut out of the traditional labor market. It’s not “passion” it’s survival for many
+ Ein anderes Beispiel ist diese alte Kritik am “State of the Internet”-Report der Analystin Mary Meeker von 2017. Die in diesem präsentierten Inhalte sind nicht falsch, aber deren Auswahl und Kontext ist bewusst gewählt. So hebt sie beispielsweise die Investitionen des eigenen Arbeitgebers (Kleiner Perkins) im Musikstreaming und Gaming hervor, während Märkte wie die EU oder Brasilien ignoriert werden. Auch hier: Agenda Setting.
Want to create a compelling, unimpeachable piece of content marketing? You’ll find no better template than the Meeker report.
+ Eine ähnliche Dynamik findet sich auch in den Analysen der Consultingfirma Gartner, deren Einfluss Technologien nicht etwa nur beschreibt, sondern deren Interpretation und Weiterentwicklung beeinflusst. (Eine kurze Kritik des Hype Cycles findet sich auch hier.)
Ich glaube ihr merkt, worauf ich hinaus will.
Tl;dr: Trends sind keine neutralen Beobachtungen und Trendreports sind keine Roadmap. Man muss sie deswegen nicht ignorieren, sollte sie aber wie jedes andere Medium kritisch konsumieren. Sie sind oft mehr eine gut formulierte Meinung, kein Tatsachenbericht.
  1. Memory Work ist ein spekulatives Szenario, das eine mögliche Zukunft weiblicher Arbeit skizziert. Toll präsentiert!
  2. Etwas dadaistischer: The Doom! Report ist ein Trendreport, generiert durch einen Machine Learning Algorithmus. “We can’t escape the burden of being interested in things.”, findet sicher den Weg in eine meiner nächsten Präsentationen.
Merkwürdiges & Anderes
roope mokka
2019: Post-normal

2020: New normal

2021: Anti-normal?
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Johannes Klingebiel

Ein unregelmäßiges Zine rund um Technologie, Internet, Publishing und Merkwürdiges von Johannes Klingebiel.

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