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Shopping zwischen Deep Fakes 🥸

Shopping zwischen Deep Fakes 🥸
Von Johannes Klingebiel • Ausgabe #139 • Im Browser ansehen
Es sind noch Exemplare meines Zines “A Weird Summer” zu haben! Dem konkurrenzlos besten Lesestoff des Sommers oder wie Ole Reißmann vom Spiegel in seinem Newsletter schreibt:
“Es ist die perfekte Sommerlektüre für Menschen, die nicht völlig offline gehen, aber vielleicht Twitter ein- zwei Wochen ausmachen.”
Eigenwerbung beiseite: Danke an alle, die bereits ein (oder mehrere) Exemplare gekauft haben! 🏖☀️✌🏻
Rockt die Woche,
Johannes

Instagram, aber als Shopping Mall — Der Journalist Clive Thompson sammelt schon länger die Flut an merkwürdigen Produkten, die ihm Instagrams Anzeigennetzwerk vorschlägt. Von iPad-Deckenhaltern, über Fitnessgeräte, bis hin zu LED-Gesichtsmasken. Gegenstände, meist produziert in China und verkauft via Drop-Shipping durch Bots und Instagrams Algorithmen.
Gleichzeitig ist die Produktion dieser Gegenstände selbst zu Content geworden. Content Farmen in China produzieren virale Videos für Plattformen wie TikTok und Instagram bei dem Arbeitsschritte, Maschinen und Produkte die Hauptrolle spielen — meist zu bekannten Pop-Songs und begleitet durch Shopping-Links auf Alibaba.
Eine Kollision zwischen Aufmerksamkeitsökonomie und globalem Kapitalismus, die Instagram in Zukunft noch mehr beschleunigen wird. Angelehnt an TikTok wird das Netzwerk in Zukunft noch mehr “personalisierte Inhalte”, Videos und eben Shopping bekommen oder wie “Head of Instagram” Adam Mosseri es beschreibt: “We’re no longer a photo-sharing app or a square photo-sharing app”.
+ Open Sesame ist ein chinesisches Print-Magazin, das die absurde Welt chinesischer Shopping-Plattformen wie Alibaba dokumentiert.
Deep Fakes— Anfang des Jahres ging ein japanischer Motorradfahrer viral, weil er Facetune-Apps verwendete, um sich auf Bildern als junge Frau auszugeben. Ein eher harmloser Einsatz von Deep Fakes, die es ihm ermöglichten, eine vollkommen neue Identität für sich zu erschaffen.
Jedoch gibt es auch noch das andere Ende der Skala…
Wie Vox berichtet häufen sich Vorfälle von Influencer:innen, die ähnliche Apps verwenden um bspw. wie Teenager auszusehen—oft in sexualisierten Bildern, Videos oder Kontexten. Andere nutzen Apps, um beispielsweise asiatische Gesichtszüge zu bekommen und so das rassistische Vorurteil der unterwürfigen asiatischen Frau zu bedienen. Es sind Inhalte, die per se nicht strafbar sind, aber ethisch sehr sehr fragwürdig sind.
Trotz allem Händeringen rund um Deep Fakes im Kontext von Propaganda und Falschinformationen… ihr tatsächlicher Einsatz ist zunehmend kompliziert.
+ Norwegen hat ein Gesetz erlassen, dass Influencer:innen und Marketing-Agenturen dazu zwingt, Fotomanipulationen oder Retuschierungen offen zu legen — wenn die Bilder gegen Geld veröffentlicht werden.
+ In other News: Warum ehrlich als Influencer:in Geld verdienen, wenn man windige Finanz-Tipps verkaufen kann? (Ja, wir reden über Crypto-Währungen…)
Merkwürdiges & Anderes
We‘re not ready— Der Journalist Charlie Warzel reflektiert in seinem Newsletter seine eigene Arbeit im Kontext amerikanischer Politik, Klimawandel, Trump, der Pandemie und Rechtsextremen. Lesenswert, wenn man sich mit Nachrichtendynamiken und modernem Journalismus auseinandersetzen will.
I used to think these people had a lack of imagination. Now, I see it as a strong normalcy bias. […] Basically: we humans are good at repressing terrifying realities that feel unthinkable and steering them back into more acceptable bounds of conversation.
Eric Holthaus
We've left the era of fucking around, and we're now entering the era of finding out.
Mareile
Es gibt Erwachsene, die versuchen, sich selbst zu beruhigen, indem sie die Schilderung der Realität “Panikmache” nennen.
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Johannes Klingebiel

Ein unregelmäßiges Zine rund um Technologie, Internet, Publishing und Merkwürdiges von Johannes Klingebiel.

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