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KomplexitĂ€ten 🔍

KomplexitĂ€ten 🔍
Von Johannes Klingebiel • Ausgabe #118 • Im Browser ansehen
Willkommen zurĂŒck im anhaltenden Next Normal, in dem jeder Tag sich gleich anfĂŒhlt, das Morgen jedoch stĂ€ndig ungewiss bleibt. KomplexitĂ€t ist in vielerlei Hinsicht die einzige Konstante, wenn man versucht, die Situation zu verstehen. Aber dazu gleich noch mehr.
So oder so: am besten kleine Schritte machen und die Sonne genießen.
Johannes
P.S.: BlockXBlockwest, ist ein Musikfestival komplett in Minecraft

Der Journalist Ed Yong hat seit dem Ausbruch der Pandemie fĂŒr The Atlantic einen guten Artikel nach dem anderen geschrieben. Jedoch ist es besonders sein letzter Text, der nicht nur ein gutes Bild der derzeitigen KomplexitĂ€t und Unsicherheit zeichnet, sondern auch versucht ihren Einfluss auf die Gesellschaft und das Individuum nachzuvollziehen. Er zeigt dabei vor allem unsere Versuche auf, diese gesamte KomplexitĂ€t in eine einfach zu erzĂ€hlende Geschichte zu packen.
The coronavirus not only co-opts our cells, but exploits our cognitive biases. Humans construct stories to wrangle meaning from uncertainty and purpose from chaos. We crave simple narratives, but the pandemic offers none. [
] And the desire to name an antagonist, be it the Chinese Communist Party or Donald Trump, disregards the many aspects of 21st-century life that made the pandemic possible: humanity’s relentless expansion into wild spaces; soaring levels of air travel; chronic underfunding of public health; a just-in-time economy that runs on fragile supply chains; health-care systems that yoke medical care to employment; social networks that rapidly spread misinformation; the devaluation of expertise; the marginalization of the elderly; and centuries of structural racism that impoverished the health of minorities and indigenous groups.
Es ist entsprechend leicht zu sehen, weshalb wir derzeit eine so große Flut an Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken beobachten können. Wo LebensumstĂ€nde sich außerhalb der eigenen Kontrolle befinden, ist es leichter sich einen imaginĂ€ren Gegner zu suchen als sich der KomplexitĂ€t und der WillkĂŒrlichkeit der RealitĂ€t zu stellen.
Wenn wir unsere Zukunft als außer Kontrolle wahrnehmen, braucht es immer eine ErklĂ€rung, wie Cennydd Bowles in seinem Talk fĂŒr den Global Foresight Summit schreibt:
Change happens where power meets appetite, but dread stems from a lack of agency: the future is only something to fear if we can’t influence it. And lack of agency is surely a hallmark of recent years. [
] Is it any surprise, then, that some turn to conspiracy for comfort? 5G masts aflame, pizza restaurant death threats, anti-vax paranoia: all stem from a need to explain a world beyond our control.
Vielleicht ist die grundlegende FÀhigkeit des 21. Jhd. diese KomplexitÀten auszuhalten und durch sie navigieren zu können. (Und vielleicht auch die FÀhigkeit, Verschwörungstheoretikern mit Empathie zu begegnen.)
Play—Ein etwas loser Gedankengang—den ich wahrscheinlich stĂ€rker verfolgen wĂŒrde, wenn nicht jede Konferenz in naher Zukunft abgesagt wĂ€re—ist die Frage, inwiefern Spiele ein grĂ¶ĂŸerer Teil von Events sein können. Ich finde die Arbeit von Randy Lubin spannend, der eine Mischung aus Rollen- und Planspielen entwickelt, um Teilnehmern komplexe Themen wie Wahlmanipulation, KI in Rechtssystemen oder Landnutzung im Klimawandel nĂ€her zu bringen. Oder aber klassische militĂ€rische “Wargames”.
+ Das “Futures of Media Tarot”, das ich letztes Jahr zusammen mit dem Media Lab Bayern entwickelt habe, geht bereits in diese Richtung. Ich wĂŒrde aber gerne noch tiefer eintauchen.
MerkwĂŒrdiges & Anderes
Onlinekonferenzen—Weil ich bereits selbst Opfer von Zoom-Livestreams wurde, die sich “Konferenz” schimpften: Hier eine Reihe wirklich guter Tipps, wie das eigene Online-Event nicht wie noch ein langweiliger Zoom-Call wirkt.
+ Und fĂŒr Speaker: Ein paar kurze und schnelle Tipps fĂŒr die ersten Schritte vor der eigenen Laptop-Kamera.
Amazons Heidi-Klum-Strategie—Bereits vor ein paar Ausgaben erwĂ€hnt: Amazon arbeitet zusammen mit Klum an einer Casting-Show, um endlich auch Kleidung verkaufen zu können. Eine ausfĂŒhrliche Analyse der ganzen Sache findet sich hier.
Jay Van Bavel
We are living through an unprecedented use of the term “unprecedented” https://t.co/JlZlaWQ0y3
John V Willshire
I’m reading a lot, currently.
Whether its economics or futures, design or architecture, cognitive or craft, every time I come across a declarative statement about how these things can be used to shape better worlds, I want to add a footnote in red ink;

“And yet, here we are.”
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Johannes Klingebiel

Ein unregelmĂ€ĂŸiges Zine rund um Technologie, Internet, Publishing und MerkwĂŒrdiges von Johannes Klingebiel.

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