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Im Garten von TikTok 🌱

Im Garten von TikTok 🌱
Von Johannes Klingebiel • Ausgabe #124 • Im Browser ansehen
Und schon ist es wieder September . Willkommen zurück bei meinem Newsletter über Technologie, Internet, Publishing und Merkwürdiges.
Rockt die Woche!
Johannes
P.S.: Ich wurde von Kristoffer Tjalve für seinen wundervollen Newsletter interviewt.

Ich mag TikTok nicht, denn es erinnert mich zu sehr an Facebook. Wie sein blauer amerikanischer Bruder exportiert es seine eigenen fragwürdigen politischen Ansichten und ist eine übergriffige Überwachungsmaschine.
Was mich aber am meisten irritiert, ist der Kontrast im Kern der App. Sie ist gefüllt mit unheimlich authentischen und kreativen Inhalten, die aber von einem berechnenden System verteilt werden, dessen einzige Aufgabe es ist, eine perfekte Mausefalle für Aufmerksamkeit zu sein.
Ich spreche über den Empfehlungsalgorithmus im Herzen von TikTok.
Kurz: Empfehlungsalgorithmen lernen nicht meine Vorlieben kennen oder kümmern sich um mich. Sie versuchen mich so lange wie möglich in einer App zu halten. Sie sind nicht nutzerfreundlich, sondern durch ihr Design grundlegend nutzerfeindlich, vor allem wenn ich keine direkte Kontrolle über ihre Entscheidungen habe. Oder wie Rob Horning es in seiner langen Kritik von Empfehlungssystemen zusammenfasst:
Algorithms don’t reflect existing needs or wants; they are a system for instilling new ones.
TikTok ist Facebook, nur mit anderem Anstrich.
+ Entsprechend ist es auch kein Wunder, dass Mark Zuckerberg anscheinend Mitschuld an Trumps Kleinkrieg gegen die Plattform trägt. Und auch nicht überraschend, dass die chinesische Regierung den TikTok-Algorithmus per Exportbeschränkung schützen will.
(Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass Daten vielleicht Öl sein mögen, aber wertlos ohne einen entsprechenden Motor sind.)
+ Dennoch irgendwie spannend: Welches “Collab-House” (TikTok-Influencer WG) hat die größte Reichweite?
+ Ein tiefer Einblick und eine Analyse des Tech-Konflikts zwischen China und den USA [PDF]
The Plant Hunter ist ein australisches Onlinemagazin, das sich mit Pflanzen und Gärten auf einer eher philosophischen Ebene beschäftigt. Kein Thema, über das ich hier sonst schreibe, aber der Essay “The Way of the Gardener” der Gründerin Georgina Reid blieb bei mir im Kopf. Vor allem das folgende Zitat:
I am committed to tending to this world as a gardener. I am committed to cultivating new shoots, new stories, new hopes, new futures. I do this work with dirt under my nails, with curiosity, reverence and respect.
Wer also noch ein Motto für die Welt nach 2020 sucht—ich glaube das ist ein sehr guter Kandidat.
+ Andere schöne Essays auf der Seite sind “On Daring to Care” und “Wilderness and Garden-Making, Post-Internet”. Aber es lohnt sich auch sehr zu stöbern. Gerade, wenn man eine Pause vom ständigen Sturm dieses Jahres braucht.
Merkwürdiges & Anderes
Hypeman—Elon Musks Neuralink ist durchaus spannend. Die tatsächlichen Fortschritte werden aber ertränkt in Musks Art und Weise, Hype als Marketing zu verwenden. (Im Grunde auch ein sehr schönes Beispiel zum letzten Newsletter über Hype)
Blockchain— Vom Hype blieb am Ende nicht viel übrig. Zitat des The Correspondent: “enthusiasm for [blockchain] mainly stems from a lack of knowledge and understanding.
🌀
You don’t have to build a community...

You can build a great product & a brand that reflects the promise of that product

Building a community for the sake of directly commercializing that community... something just doesn’t sit right with this growing narrative
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Johannes Klingebiel

Ein unregelmäßiges Zine rund um Technologie, Internet, Publishing und Merkwürdiges von Johannes Klingebiel.

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