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Eine Welt ohne Facebook ✌🏻

Johannes Klingebiel
Willkommen zurück zum Newsletter über das Ende von Facebook, mies bezahlte Creators, Labor-Steaks und der üblichen Ladung Merkwürdigem.
Mein Name ist Johannes Klingebiel und ich bin heute mal wieder ihr Guide.
In diesem Sinne, rockt die Woche!

Eine Welt ohne Facebook? 
Hier ist eine spannende Frage: Bei all den Problemen und Skandalen von Facebook, was würde passieren, sollte das Unternehmen einfach verschwinden?
Genau dieser Frage widmet sich das Papier “What if Facebook goes down? Ethical and legal considerations for the demise of big tech” aus dem letzten Sommer. Die Autoren versuchen die Konsequenzen für Nutzer:innen des Netzwerks zu skizzieren mit Blick auf deren ethische Dimensionen.
Ein großer Knackpunkt ist Facebooks Datenschatz: Wer bekommt Zugriff auf die Archive, die Metadaten und damit möglichen Geschäftsmodellen (von Anzeigen bis zu Machine Learning Systemen)? Wie sollte mit den Daten verstorbener Nutzer:innen umgegangen werden?
Ich finde zwei Vorschläge der Autoren besonders spannend:
  1. Ähnlich wie es die rechtliche Kategorie der “systemically important financial institutions (SIFIs)” gibt, braucht es parallel “systemically important technological institutions (SITIs)”. Da Facebook in vielen Gesellschaften große Teile der Medien- und Kommunikationsinfrastruktur stellt, sollte es Wege geben, diese im Falle einer Pleite oder Aufspaltung des Unternehmens zu sichern.
  2. Es braucht einen rechtlichen Mechanismus, um Inhalte und Daten von Facebook zu archivieren und für Wissenschaftler:innen zugänglich zu machen. Denn das Netzwerk in seiner Gänze ist ein im Grunde einzigartiges, historisches und kulturelles Artefakt von globaler Größe. Zu wichtig, um einfach zu verschwinden.
Es ist letztendlich  einfacher, sich das Metaverse vorzustellen als das Ende von Facebook. Aber es ist auch kein vollkommen unwahrscheinliches Szenario. Das Netzwerk verliert nicht nur zunehmend Nutzer:innen an die Konkurrenz, sondern ist stark unter Druck durch Regierungen weltweit. Also… wer weiß?
+ Länder im “globalen Süden” sind oft deutlich abhängiger von Facebook als Infrastruktur — was Teil der Strategie des Unternehmens ist. Verschwindet hier also Facebook, verschwindet ein großer Teil der digitalen Gesellschaft.
+ Die gute Nachricht: Der unfreiwillige Facebook Shutdown hat Anfang des Monats dem Traffic auf Nachrichtenmedien nicht geschadet. Er ging im Gegenteil nach oben. Gleichzeitig bekommen immer weniger Nutzer:innen ihre Nachrichten über Facebook (teils Design der Plattform, teils von ihnen so gewollt).
+ Vice hat das Szenario eines verstaatlichten Facebooks durchgespielt. Auch hier ist die Frage, wer Kontrolle über die Daten der Nutzer:innen bekommt, zentral.
Creator Economy: Ein Update
 Der 135 Gigabyte große Leak von Twitch-Daten hat ein faszinierendes Fenster in die Einnahmen von Streamern aufgestoßen.
Das WSJ hat sich die Zahlen vorgenommen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Top 1% der Twitch-Streamer in 2021 bisher zusammen 529 Mio. USD verdienten, während auf die übrigen 99% gerade einmal 360 Mio. USD entfallen. Und nur 0,06% der Streamer verdienen über dem amerikanischen Mindestlohn.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch auf anderen Plattformen ab. Wie Axios berichtet, lässt sich ein ähnliches Ungleichgewicht auch bei Substack-Autor:innen und Podcaster:innen beobachten.
When you can avoid calling your work “content,” you give yourself a fighting chance to build something significant.
Merkwürdiges & Anderes
L abor-Steaks — Die Idee, Fleisch im Labor zu züchten, ist eine faszinierende Vision, die Realität dafür… kompliziert. Wie The Counter berichtet, verhindert eine ganze Reihe von Problemen die Produktion von Zuchtgewebe in der Masse, nicht zuletzt harte biologische Grenzen des Zellwachstums.
Die Chancen stehen gut, dass Fleisch aus dem Labor eine Vision bleibt und Investoren ins ähm Laborröhrchen schauen müssen.
+ Auf der optimistischeren Seite: Empirical aus Kopenhagen experimentiert mit nachhaltigem Alkohol und Hot Sauces. 🔥
Teams und Teams—Remote Work führt in großen Konzernen zu kleineren Netzwerken, Silo-Bildung und schlechterem Informationsaustausch — zu dem Schluss kommt eine Studie von knapp 60.000 Microsoft-Mitarbeiter:innen. (Wobei ich mich frage, wie viel Schuld daran “Microsoft Teams” hat… 🙃)
NOT A WOLF
ITS NOT CLIMATE CHANGE ITS A REGIONALLY CURATED SUBSCRIPTION BOX OF ARTISINAL APOCALYPSES
Peter Bihr
"When I was a kid, I used to play music on our Alexa and do sticker books," a teen just told me.

Took me a moment to let that sink in. Alexa has been around for 7 years, so there's now kids who *grew up* with voice assistants.
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Johannes Klingebiel
Johannes Klingebiel @Klingebeil

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