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Black Mirror, ca. 18. Jahrhundert

Black Mirror, ca. 18. Jahrhundert
Von Johannes Klingebiel • Ausgabe #107 • Im Browser ansehen

© VICTORIA & ALBERT MUSEUM, LONDON
© VICTORIA & ALBERT MUSEUM, LONDON
Hier ist eine witzige Anekdote: Im 18. und 19. Jahrhundert kam in England die picturesque Malerei auf. Landschaftsmalereien, die die abgebildeten Landschaften möglichst romantisch abbildeten und dazu oft mit den Proportionen übertrieben. Diese ästhetisch überzogenen Proportionen wurden von Malern mithilfe eines kleinen konkaven Spiegels gemalt, der auch als “Claude Glass” bezeichnet wurde.
Die Malereien lösten auch eine eigene, frühe Form von Tourismus aus, bei dem wohlhabende Engländer die gemalten Landschaften besuchten und bewunderten. Es dauerte nicht lange und besonders große Fans nahmen selbst diese Spiegel mit auf ihre Reisen.
Was wiederum zu Sport und Häme führte. Wer betrachtet denn bitte wundervolle Landschaften nur durch eine kleine spiegelnde Glasfläche, die er in der Hand hält? Absurd! Der Dichter Thomas Grey brach sich sogar seine Knöchel, als er beim betrachten eines Sonnenuntergangs rückwärts in einen See fiel.
Und ja das alles sind mehr als eindeutige Parallelen zu Selfies und Instagram, nur eben noch bevor es überhaupt Fotografie gab. Es zeigt vielleicht auch, dass Menschen recht absurde Sachen machen, wenn sie Dinge für ästhetisch halten.
Und um das ganze noch abzurunden: Einer der Spitznamen des Claude Glass war “Black Mirror”. *starrt direkt in die Kamera*
+ Gefunden habe ich das Claude Glass in Nathan Jurgensons “The Social Photo”. Einer soziologischen Einordnung von Fotografie in sozialen Medien.
The Athletic ist im Gegensatz zu den—zugegeben älteren—Buzzfeed und Vice in D noch recht unbekannt. Gerade deswegen lohnt es sich das Medium einmal genauer anzusehen. Die Kurzfassung: The Athletic ist ein 2016 gegründetes Onlinemedium mit Fokus auf Sportberichterstattung. Die Seite ist dabei vollkommen frei von Werbung und finanziert sich einzig durch Abos und eine fette Truhe voll mit Venture Capital. $90 Millionen, bei einer $900 Millionen Bewertung um genau zu sein. Geld das nicht zuletzt in Angebote wie die 20 Podcasts finanziert, die das Medium im Angebot hat.
The Athletic plant bis Ende des Jahres 1.000.000 abgeschlossene Abos zu erreichen (Bei einer absurd guten Retention Rate von 90%).
Ein Wachstum, das nicht zuletzt auf der eher unschönen Taktik basiert die Top-Sportjournalisten von Lokalzeitungen im großen Stil aufzukaufen, was diese nicht selten vor ernsthafte Schwierigkeiten stellt. (Sport ist oft eines der meist gelesensten Ressorts im Lokalen.)
Die große Frage ist letztendlich die: Schafft es The Athletic seine Bewertung zu rechtfertigen, bevor möglicherweise eine neue Finanzierungsrunde eingesammelt werden muss? Oder wird es das nächste Beispiel für die Probleme von VC-Geld in Medien?
(Und vielleicht auch, ob das Medium in den deutschsprachigen Raum expandieren wird. Bundesliga-Berichterstattung gibt es bereits heute auf der Seite)
Merkwürdiges & Anderes
Der Journalist Kyle Chayka hat ein paar gute Zeilen über den Wert von Kuration geschrieben. Gerade in einer Zeit, in der im Journalismus von möglichst viel automatisierter Inhaltsauswahl gesprochen wird, ein ausgeglichenes Gegenargument zur rein technischen Perspektive.
Curation is meta-content: it enhances what’s already there. Given its roots in art and culture, the word itself also lends a veneer of authority to the feeds. We’re not just blindly consuming; we feel we’re being led by someone with some expertise (whether or not this is actually the case).
Group Think
App used by younger people: *exists, is vibrant community*

Ad industry: WhAt'S tHe RoLe fOr bRaNdS HeRe?
10:15 AM - 17 Sep 2019
Tyler
@brianringley Technologists often fall prey to the fallacy that because a worker has muddy boots and calloused hands she is engaged in low-skill low-wage work -- the kind that is pliant to automation.
10:40 PM - 14 Sep 2019
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Johannes Klingebiel

Ein unregelmäßiges Zine rund um Technologie, Internet, Publishing und Merkwürdiges von Johannes Klingebiel.

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