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Tschechien, das Erkennen von Homosexuellen und Lösungen für das Mietproblem

Heute: ein fröhliches Durcheinander an Themen.
Tschechien, das Erkennen von Homosexuellen und Lösungen für das Mietproblem
By Katharina Brunner • Issue #8 • View online
Heute: ein fröhliches Durcheinander an Themen.

Aufgewachsen bin ich im äußersten Bayern, da ganz außen im Eck, das Deutschland im Südosten macht. Zwei Grenzen waren immer ganz nah: Die nach Österreich, dort fuhren wir hin zum Tanken und zum H&M nach Linz. Und dann die Grenze nach Tschechien, die in meinem Leben immer viel bedeutender war.
Erst 30 Minuten durch viel Wald, dann die letzten paar Kilometer zum Grenzübergang auf einer breiten, guten ausgebauten, teerschwarzen Straße. Dahinter das trashige Einkaufsparadies für Deutsche: Kilometerweit standen Frauen an den Straßen, die auf Männer mit Kennzeichen wie PA, FRG oder REG warteten und schnell den Arm senkten, wenn nicht nur ein Mann im Auto war. Daneben “die Standl”, Verschläge, in denen vor allem Vietnamesen allerhand Krusch an Deutsche verkauften. Pinkelnde Gartenzwerge in Lebensgröße, Badetücher mit dem Emblem des FC Bayerns, in das eine halbe F-Jugend-Mannschaft eingewickelt werden kann, Zigaretten, die “Moon” heißen. Und für mich am wichtigsten: Kopierte Videokassetten mit Kinofilmen in einer miserablen Qualität, ein paar Jahre später auch gebrannte DVDs und CDs mit farbkopierten Covern.
“In d'Tschechei fahren” hieß aber auch picknicken am Moldaustausee, spazieren im wunderschönen Krumau, Essen in Budweis und Ausflüge zum Eddi, dem Cousin meines Opas. Denn mein Großvater gehörte zu den Vertriebenen aus dem Böhmerwald, die ihr Leben nur wenige Kilometer von ihren Geburtsorten entfernt, westlich des Eisernen Vorhangs verbracht haben. Warum der Cousin Eddi in der Tschechei blieb? Bleiben konnte? Ich hab die Geschichte nie ganz verstanden. Wahrscheinlich weiß sie keiner mehr so genau.
Um die alten Vertriebenen und die jungen Grenzgänger - Menschen, die im deutsch-tschechischen Grenzgebiet leben - geht es in der Dokumentation “Im Dazwischen daheim”.
Link zu Youtube: Im Dazwischen daheim
Im Dazwischen daheim – Ein Dokumentarfilm über Menschen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet - YouTube
Im Dazwischen daheim – Ein Dokumentarfilm über Menschen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet - YouTube
Das Mietproblem: Was muss geändert werden?
Wie wohnen angesichts steigender Preise? Gerade in den Großstädten - aber nicht nur dort - ist Wohnen eines der brennenden Themen der Stunde. No news here. Das zeigt auch die Resonanz auf unser SZ-Projekt #meinemiete: Mehr als 50 000 Menschen haben den Fragebogen ausgefüllt.
Doch was sind Lösungsvorschläge? Andrej Holm, Soziologe und der Mann, der den Begriff der Gentrifizierung in Deutschland mitprägte, beschreibt vier Aspekte:

  1. Soziales Wohnen muss gegen private Verwertungsinteressen durchgesetzt werden
  2. Soziale Bodenordnung als Schlüssel für eine soziale Stadtentwicklung
  3. Soziale Wohnungsversorgung ist gemeinnützig
  4. Selbstverwaltung und Mietermitbestimmung
Im Detail unter dem Link: Was tun gegen Mietwahnsinn?
Wenn Forscher glauben, sie könnten auf Fotos Homosexuelle erkennen - und übersehen Selfie-Präferenzen
Vor ein paar Monaten wurde eine Studie durch die Medien geschleift, in der es hieß, dass ein Algorithmus mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 bzw. 81 Prozent erkennt, ob eine Person lesbisch oder schwul ist. Schon kurz nach der Veröffentlichung wurde Kritik laut, Anfang April hat Eva Wolfangel die Untersuchung nochmal ausführlich in der SZ zerlegt.
Die Studie beruft sich auf äußerliche Merkmale: schmales Kinn - schwul, breites Kinn - lesbisch. Solche Sachen. Die Grundlage: Bilder einer Dating-Plattform.
Die Studie zeigt vor allem eines: Ein Algorithmus kann nur so gut sein, wie die Daten, mit denen er gefüttert wird. Und die waren in bei den Hetero-Homo-Bildern nicht gut. Ein Beispiel: ein Selfie ist nicht gleich ein Selfie.
Heterosexuelle Menschen nehmen sie lieber von oben (Frauen) oder unten (Männer) auf, Homosexuelle eher direkt von vorne. Und schwupps sind die unterschiedlichen Perspektiven, die schmale oder breitere Kiefer zur Folge haben. Und keine biologischen Merkmale. 
Bye,
Katharina
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Katharina Brunner

Interessiere mich für das Weltgeschehen.

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